Dramatik in Magdeburg

27:28: Erlangen verpasst beim Tabellenführer hauchdünn die Sensation

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 28.09.16..FOTO: Michael Matejka MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait - Sportredakteur Sebastian Gloser ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Sebastian Gloser

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31.10.2021, 18:25 Uhr
Ging in Magdeburg immer wieder mutig voran: Nico Büdel, Mittelmann, Rückraumspieler und von der Siebenmeterlinie einer von vielen tragischen Erlanger Helden an diesem Tag.

Ging in Magdeburg immer wieder mutig voran: Nico Büdel, Mittelmann, Rückraumspieler und von der Siebenmeterlinie einer von vielen tragischen Erlanger Helden an diesem Tag. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

In Erlangen träumen sie davon, es mittelfristig in den Europapokal zu schaffen, in Magdeburg sind sie dort schon lange angekommen. Als erste deutsche Mannschaft überhaupt durfte sich der dortige Sportclub Champions-League-Sieger nennen, vor wenigen Wochen hat der Verein erstmals die Klub-Weltmeisterschaft gewonnen. In dieser Saison könnte die zweite Meisterschaft seit der Wiedervereinigung dazukommen.

14 Spiele hatte der SC Magdeburg vor dem Anwurf am Sonntagnachmittag wettbewerbsübergreifend absolviert und alle 14 gewonnen, allerdings gehört zu solchen Serien auch die Wahrheit, dass sie immer irgendwann reißen. Tatsächlich hatte der Handballclub aus Erlangen bei seinem Gastspiel in Sachsen-Anhalt die große Gelegenheit, genau dafür zu sorgen, nach maximal dramatischen Schlussminuten standen die Gäste beim 27:28 (13:16) aber mit leeren Händen da.

Ohne Steinert, ohne Link

Auch diesmal ließ sich früh erkennen, dass Michael Haaß seiner Mannschaft einen guten Plan mit auf den Weg gegeben hatte. Lange 6 Minuten und 30 Sekunden dauerte es, bis Lukas Mertens den großen Favoriten endlich auf die Anzeigetafel brachte, der HCE hatte da immerhin schon zwei Mal getroffen.

Ohne den weiter erkrankten Christoph Steinert und Kapitän Niko Link, der aus familiären Gründen fehlte, stellte Erlangen zunächst wieder eine sehr gute Deckung, Torwart Klemen Ferlin parierte gleich die ersten drei Magdeburger Würfe. Die Folge: eine 4:1-Führung nach zehn Minuten für den Außenseiter.

Natürlich wären die Magdeburger aber keine Spitzenmannschaft in dieser Spielzeit, wenn sie sich zu diesem Zeitpunkt von einem Drei-Tore-Rückstand beeindrucken lassen würden. Drei Minuten später stand es konsequenterweise 4:4, auch weil der HCE nun oft zu überhastet den Abschluss suchte.

Die Gastgeber präsentierten vor rund 4300 Zuschauern in der Bördelandhalle fortan jetzt regelmäßig ihr schnelles Offensivspiel mit ihren mobilen Eins-gegen-Eins-Spielern, doch auch die Gastgeber hatten an diesem Tag keine Lust sich beeindrucken zu lassen. Auf der Anzeigetafel ließ sich das nach 24 Minuten ablesen, als eine gute Abwehr und zwei erfolgreiche Tempogegenstöße von Johannes Sellin das 11:11 brachten. Dass Haaß nach 30 Minuten trotzdem schimpfend Richtung Kabine stapfte, war darauf zurückzuführen, dass seine Handballer danach in der Abwehr Michael Damgaard aus den Augen verloren und mit 13:16 in die Pause gingen.

Büdel geht mutig voran

In der Vergangenheit hatten solche kleinen Rückschläge oft gereicht, um den HCE aus dem Konzept zu bringen. Diesmal nicht. In der Kabine sammelten sich die Gäste neu, nach dem Seitenwechsel war es erneut Nico Büdel, der mutig voranging. Und der schon bald den angeschlagenen Antonio Metzner erneut auf ungewohnter Position im Rückraum ersetzen musste. Und der auch dort nicht aufhörte, aggressiv Richtung Kreis zu ziehen. Mit einem Wurf wie ein Laserstrahl verkürzte er auf 19:20 (41.), wenig später glich Patrik Leban, sein Vertreter als Mittelmann, zum 22:22 aus (47.). Erst in Mike Jensen fand Büdel beim Siebenmeter seinen Meister (51.).

Rückschläge wie diesen erlebten die Erlanger in der Schlussphase einige - und ließen sich auch von diesen nicht ins Wanken bringen. Petter Overby sah für ein Foul glatt Rot (52.), Sebastian Firnhaber stand bei einem Abschluss im Kreis, in doppelter Unterzahl betrug der Rückstand wieder zwei Tore und dennoch schnupperte der HCE weiter an der Sensation.

Ziemer dreht auf, Sellin vergibt

Martin Ziemer, in der zweiten Halbzeit statt Ferlin zwischen den Pfosten, drehte an alter Wirkungsstätte auf, im Fallen erzielte Jeppsson zwei Minuten vor Schluss spektakulär das 27:27, im letzten eigenen Angriff verzog der bis dahin so sichere Johannes Sellin und vergab so die Chance auf den Sieg.

Den holte sich stattdessen der Tabellenführer nach zwei umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen und nach Ertönen der Schlusssirene mit dem letzten Wurf des Spiels. Omar Magnusson traf von der Siebenmeterlinie und sicherte den Magdeburger so weiter die Tabellenführung. Für den HCE blieb lediglich die Erkenntnis, dass man zumindest an diesem Tag auf Augenhöhe mit der derzeit besten Mannschaft der Liga war.

Erlangen: Ferlin, Ziemer; Sellin 5, Büdel 5/1, Bissel 4, Jeppsson 4, Firnhaber 3, Metzner 3, Leban 2, Overby 1, Zechel, Olsson.

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