Handball-Bundesliga

Erschwerte Bedingungen: HCE gewinnt ohne Haaß in Balingen

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Peter Schulze-Zachau

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11.11.2021, 20:53 Uhr
Siegerlächeln und Siegerfaust: Raul Alonso ist eigentlich Sportdirektor, weiß aber trotzdem, wie man als Trainer jubelt.

Siegerlächeln und Siegerfaust: Raul Alonso ist eigentlich Sportdirektor, weiß aber trotzdem, wie man als Trainer jubelt. © Foto: Oliver Gold/Zink (Archiv)

Es gibt Dinge im Leben, die sind wichtiger als Handball. Selbst für Menschen, die sich hauptberuflich mit Handball befassen. Michael Haaß ist so ein Mensch, er ist Trainer des HC Erlangen, war zuvor Spieler des HC Erlangen und 2007 sogar Weltmeister in diesem wunderbaren Sport. Am Donnerstagabend waren seine Spieler Spieler, der Trainer war aber kein Trainer: Haaß erwartete die Geburt seines dritten Kindes, war in Franken geblieben, während seine Mannschaft in Balingen um Bundesliga-Punkte kämpfte. An der Seitenlinie engagiert angeleitet von Raul Alonso, dem Sportdirektor, gelang ihr das beim knappen aber verdienten 25:23 (15:11) recht gut. Und vor allem: erfolgreich.

Der Vertretungstrainer musste zunächst ein Fehlerfestival mit ansehen, das Spiel des Tabellensiebzehnten gegen zuletzt schwankende Erlanger begann also durchaus so, wie man das hatte erwarten dürfen: Mit jeder Menge Unsicherheit auf beiden Seiten. Und leichten, wirklich nur hauchzarten Vorteilen auf Erlanger Seite. Simon Jeppsson traf nach 17 Minuten zum 7:5, Sekunden später vergab Christopher Bissel im freien Eins-gegen-Eins und unterstrich damit eindrucksvoll die dem Spiel seiner Mannschaft in den letzten Wochen abhanden gekommene Selbstverständlichkeit.

Immerhin stimmte die Einstellung der Alonso-Männer, was besonders in der Defensive sichtbar wurde, wo die Gäste keinen Zweikampf scheuten und kräftig Meter machten. Offensiv lief fast alles über Jeppsson und Rückkehrer Christoph Steinert, nach 24 Minuten hatte das Rückraumduo neun von zehn Erlanger Treffern erzielt.

Als Balingen Jeppsson in Manndeckung nahm, gab es plötzlich Räume für Nico Büdel und Patrik Leban - und der HCE, ohne Antonio Metzner angereist, konnte sich ein wenig absetzen. Ein Jeppsson-auf-Steinert-Kempa-Trick zum 15:11 setzte den Schlusspunkt von Halbzeit eins.

Weil die Hausherren aber frischer aus der Kabine kamen und die ersten beiden Tore in Abschnitt zwei erzielten, war das Spiel schneller wieder offen, als es der Reisegruppe aus Franken lieb sein konnte. Petter Overby kassierte zudem früh seine zweite Zwei-Minuten-Zeitstrafe, es blieb also umkämpft und ein hartes Stück Arbeit. Der Vorletzte hatte nicht vor, sich abschütteln zu lassen, der HCE hatte aber im Angriff zu seinem Spiel gefunden. Jeppsson und Steinert trafen weiter nach Belieben, doch kassierten die Gäste nun zu schnell ihre Gegentore. Wie schon im Heimspiel gegen Hannover stimmte nun das Rückzugsverhalten nicht mehr, eine Viertelstunde vor dem Ende traf Vladan Lipovina zum 20:20-Ausgleich.

Fäth kommt und trifft

Alonso griff mit einem Time-Out ein, sprach genau dieses lahmende Rückzugsverhalten an und schüttelte noch ein Ass aus dem Ärmel: Erstmals seit dem zweiten Spieltag erlaubte es Steffen Fäths Körper Steffen Fäth, wieder einmal Bundesligahandball zu spielen. Und der Routinier war es prompt, der sofort traf und eine starke Erlanger Phase einleitete. Fünf Minuten vor dem Ende führte der HCE mit zwei Treffern Vorsprung und war dem zweiten Auswärtssieg ganz nahe.

Als Klemen Ferlin dann eine klare Balinger Torchance parierte und Büdel auf der Gegenseite traf, war die Stimmung in der "Hölle Süd", in der die nicht ganz 2000 Zuschauerinnen und Zuschauer allesamt Maske trugen, plötzlich merklich abgekühlt. Und Alonso durfte sich über zwei wichtige Punkte freuen. Auch wenn es wichtigeres gibt.

Erlangen: Ferlin, Ziemer; Sellin 3, Jaeger, Overby, Marschall, Fäth 1, Firnhaber 1, Büdel 3, Bissel, Link, Jeppsson 8, Steinert 8, Leban 1, Olsson, Zechel.

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