Rechtsaußen wird Co-Kapitän

Johannes Sellin verlängert beim HC Erlangen

4.9.2021, 08:00 Uhr
Im Anflug: Johannes Sellin trifft vor allem über Tempogegenstöße.

Im Anflug: Johannes Sellin trifft vor allem über Tempogegenstöße. © Sportfoto Zink / Oliver Gold, Sportfoto Zink / OGo

Es gibt diese Bilder, die damals durch das Netz gingen. Darauf sah man jede Menge Männer in dunklen Anzügen und mittendrin eine Frau im roten Blazer. Die Frau war Angela Merkel, die Männer, das waren Handballer. Uwe Gensheimer stand neben der Kanzlerin und neben Uwe Gensheimer stand Johannes Sellin. Das reicht noch nicht aus, um einen viralen Internet-Hit zu landen, dafür brauchte es: die Raute. Gensheimer, Sellin und Kollegen waren einige Wochen zuvor Handball-Europameister geworden, den Termin im Kanzleramt nutzten sie schelmisch für ein schönes Erinnerungsfoto, in dem sie ihre Hände so formten, wie es Angela Merkel gerne tut.

Gut ein Jahr später hat Sellin in Erlangen unterschrieben, beim örtlichen Handball-Club. 2017 war das und nun hat er wieder unterschrieben. Spieler und Verein haben sich auf eine Vertragsverlängerung geeinigt. Bis 2023 bleibt Sellin dem HCE erhalten. "Meinen Spaß", sagt Johannes Sellin, "habe ich nicht verloren." 30 Jahre ist der schnelle Rechtsaußen mittlerweile jung und hat es geschafft, reifer zu werden, ohne die Freude an der Arbeit zu verlieren. Er müsse "nicht mehr an 365 Tagen im Jahr" lustig sein, sagt Sellin, "in den richtigen Situationen sollte man einfach Ruhe walten lassen." Dass er dennoch ein integrativer Charakter ist, einer, der anderen Menschen die Arbeit angenehmer macht, haben sie längst erkannt in Erlangen.

Als im Frühjahr dieses Jahres die halbe Mannschaft krankheits- oder verletzungsbedingt weggebrochen war, da schlug auch die Stunde des Johannes Sellin. Nicht nur als verlässlicher Akteur auf dem Feld, auch als Führungskraft. "Wir hatten eine relativ junge Truppe", erklärt Sellin. Da sei es wichtig gewesen, maximale Disziplin, maximalen Einsatz vorzuleben. "Sonst muss man extrem aufpassen." Sellin ging vorneweg, wies den unerfahrenen Nebenmann Stefan Bauer an, wie er zu verteidigen habe, tauchte übergangsweise auch auf der Mittelposition auf. Auf Sellin war Verlass, im schwierigen Derby gegen Coburg und generell.

Für das Trainerteam um Michael Haaß war das ein Bewerbungsschreiben für höhere Aufgaben, weshalb Sellin in der am kommenden Mittwoch mit einem Heimspiel gegen Leipzig beginnenden Saison seiner Mannschaft auch ein Co-Kapitän ist. Niko Link, der dienstälteste Erlanger, bleibt Kapitän. "Ein einstelliger Tabellenplatz muss unser Anspruch sein mit diesem Kader", sagt Sellin, der ein gutes Gefühl hat. "Man kann immer mal einen schäbigen Tag haben. Aber es geht auch um das Mindset." Darum, Gegnern auf Augenhöhe selbstbewusst entgegenzutreten und gegen solche Teams mehr Punkte zu holen als zuletzt.

Natürlich will auch Sellin dazu beitragen, mit einer Saison, wie es sie für ihn in Erlangen noch nicht gegeben hat: störungsfrei. "Ich hatte hier in Erlangen genau eine Spielzeit, in der ich verletzungsfrei war - und das war die, die wegen der Pandemie abgebrochen worden ist." Der Rest waren einige Spiele, einige Tore und einige kaputte Finger. "Alles mit Gegnereinwirkung", betont der 30-Jährige. Es war einfach viel Pech dabei. Den Spaß an seiner Arbeit hat Sellin dabei aber nicht verloren. Er hat das richtige Mindset.

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