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Herbert "Ertl" Erhard: Ein Weltmeister aus Fürth

Der einstige Nationalspieler der Spielvereinigung wäre am Montag 90 geworden - 06.07.2020 13:32 Uhr

Auf dem Platz Rivalen, neben dem Platz gute Freunde: Herbert Erhard (re.) mit Max Morlock vom 1. FC Nürnberg.

© NN


Er stand für das, was die SpVgg Greuther Fürth heute immer noch sein will: das Kleeblatt als Ausbildungsverein. Als Herbert Erhard 1943 der Spielvereinigung Fürth beitritt, ist er 13 Jahre alt. Er spielt sich über die Jugendmannschaften nach oben, fünf Jahre später, mit 18, debütiert er in der ersten Mannschaft. Erhard ist ein Kleeblatt-Eigengewächs wie so viele, die nach ihm kommen.

Eine Karriere, wie sie der „Ertl“ – so sein Spitzname – hinlegt, macht ihm aber so schnell keiner nach. Seine kompromisslose Art zu verteidigen, ist auch in der Nationalmannschaft gefragt. 1954 steht er gemeinsam mit seinem Fürther Mannschaftskollegen Karl Mai in Sepp Herbergers Kader für die WM in der Schweiz, Erhard wird beim „Wunder von Bern“ Weltmeister, allerdings ohne einmal gespielt zu haben.

Sein Bewerbungsschreiben hat er schon ein Jahr zuvor abgegeben: Beim 2:0-Sieg der DFB-Elf gegen Spanien lässt er den Weltklasse-Spieler Alfredo di Stefano für 90 Minuten kaum zum Zug kommen. Noch zweimal nimmt Erhard an Weltmeisterschaften teil, 1958 in Schweden und 1962 in Chile. Beide Male ist er Stammspieler, als Mittelläufer und Stopper, 1962 auch Kapitän. Seine DFB-Karriere beendet er nach 50 Partien für die DFB-Elf im September 1962 gegen Jugoslawien.

Für die Spielvereinigung macht Erhard rund 800 Spiele, 335 davon in der Oberliga Süd. 1950 wird er mit ihr Süddeutscher Meister. Mit seiner harten Gangart in der Abwehr, macht er sich nicht nur Freunde bei den gegnerischen Fans, die ihn gerne mal anpöbeln. „Dieses Theater hat mich aber überhaupt nicht beeindruckt. Denn schließlich war ich ja kein Sensibelchen“, sagt er 2010 den Fürther Nachrichten.

Aus Fürth zu den Bayern

Mit 32 Jahren schließt er sich 1962 dem FC Bayern München an – er soll den Bayern in die 1963 startende Bundesliga verhelfen, was aber nicht gelingt. In Fürth sorgt der Wechsel kurzzeitig für etwas Unmut. Bei den Bayern spielt Erhard zwei Jahre an der Seite von Franz Beckenbauer und verdient, wie er später erzählt, zum ersten Mal in seiner Laufbahn richtig Geld. Davon baut er sich ein Haus.

Doch die Fürther verzeihen dem stets bescheidenen, nahbaren Fußballer schnell, und so ist Erhard nach seiner Karriere schon bald wieder ein gern gesehener Gast im Ronhof, in dessen Nähe er wohnt. Zwar wird der „Ertl“ Trainer – er coacht unter anderem die SG Quelle und den FC Herzogenaurach – doch vor allem ist er nach dem Fußball leidenschaftlicher Sportlehrer an der Hauptschule in der Pfisterstraße.

Vor zehn Jahren verstarb Erhard am 3. Juli nach langer, schwerer Krankheit. Am heutigen Montag wäre er 90 Jahre alt geworden. An seiner Beerdigung sagte SpVgg-Präsident Helmut Hack 2010: „Für uns war er immer unser Weltmeister.“ 

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