4:3 gegen Bremerhaven

Ein komplizierter Abend für die Ice Tigers - doch dann kommt Reimer

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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5.12.2021, 18:35 Uhr
Alleine gegen die Pinguins: Patrick Reimer nahm es am Ende auch mit drei Gegenspielern auf.  

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Alleine gegen die Pinguins: Patrick Reimer nahm es am Ende auch mit drei Gegenspielern auf.  

Spätestens als Steven Reinprecht dem „Torschutzkonig“ auf Deutsch gratulierte, hätte man sich gewünscht, das Lachen von 7672 Zuschauern zu hören und zu sehen. So blickten nur die Mitarbeiter der Nürnberg Ice Tigers aus feuchten Augen auf den Videowürfel der Arena. Und natürlich Patrick Reimer, der vor seinem 1001. DEL-Spiel ein weiteres Mal für seine herausragenden Karriereleistungen geehrt wurde.

Es sind seltsame Festtage für den 38 Jahre alten Rekordspieler, dem Leo Pföderl, Marco Nowak, Rob Wilson, Reinprecht, weitere ehemalige Mitspieler aus Düsseldorfer und Nürnberger Zeiten, und zu prominenter Letzt Campino, Sänger der Toten Hosen, Glückwunschvideos aufgenommen hatten. Während zeitgleich in Höchstadt 44 Kilometer die A3 entlang 500 Fans das Spiel gegen den EV Füssen besuchen durften, saßen in der Arena gegen die Fischtown Pinguins genau null Geimpfte, Genesene, Getestete und Maskierte. Die Oberliga Süd gilt nicht als überregional, weshalb zu den vielen Unverständlich- und Ungerechtigkeiten in dieser dunklen Phase der Pandemie eine weitere hinzukam.

Alleine vor Treutle

Nach dem emotionalen Auftakt wurde es deshalb kalt in der Arena, womit die Gäste bis acht Sekunden vor dem Ende offensichtlich besser zurechtkamen. Bremerhaven lieferte, was man von Bremerhaven eigentlich schon seit dem Aufstieg 2014 erwarten darf: schnörkelloses, kompaktes, nahezu perfektes Eishockey. Die Ice Tigers hielten Kampf und Leidenschaft dagegen. Am Ende reichte ein genialer Pass von Reimer zum 4:3 (0:1, 1:2, 3:0).

Glänzendes zum 1001. DEL-Spiel: Jochen Reimer überreichte seinem Bruder Patrick Reimer (Mitte) goldene Handschuhe, von den Ice Tigers bekam der ewige "Capitano" einen verchromten Schläger. 

Glänzendes zum 1001. DEL-Spiel: Jochen Reimer überreichte seinem Bruder Patrick Reimer (Mitte) goldene Handschuhe, von den Ice Tigers bekam der ewige "Capitano" einen verchromten Schläger.  © Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Den Ice Tigers fehlten sechs Spieler, weil sich nach dem 1:2 in Köln am Freitag Lukas Ribarik und Max Kislinger mit Schulterverletzungen abgemeldet hatten. Nach einem weitgehend ereignislosen und rekordverdächtigen schnellen ersten Drittel fehlten aber auch Spieler, um Miha Verlic vor dem Tor am Nachschuss zu hindern (19. Minute). Die Treffer von Mike Moore (31.) und Christian Wejse (34.) fielen, weil die Gäste die Scheibe konsequent auf Niklas Treutle abfeuerten.

Die Familie jubelt

Den Ice Tiger fehlte dieser Zug zum Tor - mit einer Ausnahme: Dane Fox schloss einen schnellen Angriff lässig zum 1:1 ab (26.) und brachte seine Mannschaft mit einem Schuss von der blauen Linie auf 2:3 heran (43.). Das inspirierte seine Kollegen noch einmal. Gregor MacLeod veredelte einen scharfen Pass von Daniel Schmölz (57.) zum Ausgleich. Es schien in die Verlängerung zu gehen - ohne Fox, der sich mit Dominik Uher zu einem Faustkampf verabredet hatte.

Zehn Sekunden vor dem Ende aber drehte sich MacLeod noch ein letztes Mal ins Drittel der Gäste, Reimer passte auf Julius Karrer und Karrer traf (60.) - acht Sekunden vor der Schlusssirene. Tatsächlich meinte man den Jubel von Tausenden zu vernehmen. Tatsächlich war es Reimers Familie, die man in der Arena hörte.

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