6:3 gegen Bietigheim

Verletzungspech, Niederlagenserie: Ice Tigers schießen sich den Frust von der Seele

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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23.10.2022, 17:39 Uhr
Jeder Treffer eine Erlösung: Kurz vor Ende des ersten Drittels bejubelt Daniel Schmölz seinen Ausgleich zum 2:2. 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Jeder Treffer eine Erlösung: Kurz vor Ende des ersten Drittels bejubelt Daniel Schmölz seinen Ausgleich zum 2:2. 

Wenn Sanitäter kurz vor Spielbeginn in die Kabine platzen, ist das selten ein gutes Zeichen. Und als die Mannschaft der Bietigheim Steelers dann in der Arena Nürnberger Versicherung das Eis betrat, da fehlte einer. Cody Brenner hatte der Spielberichtsbogen als Torhüter des Tabellenletzten der Deutschen Eishockey Liga (DEL), im Tor stand dann allerdings Leon Doubrawa. Der Platz des eigentlichen Ersatztorhüter auf der Bank blieb leer.

Am Sonntagabend trafen in Nürnberg zwei Mannschaften aufeinander, bei denen sich das Glück auf der Verfolgung zuletzt stark zurückgehalten hat. Die Steelers, 2021 aufgestiegen und dann tapfer in der Liga gehalten, müssen derzeit ohne ihren finnischen Torhüter Sami Aitokallio und diverse weitere Leistungsträger auskommen. Bei Nürnberg fehlen bereits Charlie Jahnke und Nick Welsh langfristig und seit Freitagvormittag mit Ryan Stoa auch noch der wichtigsten Stürmer. Bei einem Trainingsunfall hatte sich der US-Amerikaner ohne Fremdeinwirkung schwer verletzt, in drei Monaten soll er wieder dabei sein. Am Abend aber war den Ice Tigers beim 3:5 in Frankfurt anzusehen, dass sie das Unglück ihres Kollegen schockiert hatte.

Das 6:3 (2:2, 3:0, 1:0) gegen die Leidensgenossen aus Bietigheim-Bissingen war das Zeichen, dass es wird weitergehen müssen, zunächst einmal ohne Stoa.

Überragender MacLeod

Stefan Ustorf hatte schon vor der endgültigen Diagnose Kontakt mit einem möglichen Ersatzmann aufgenommen. Am Sonntagabend wartete der Sportdirektor der Ice Tigers noch auf die Rücksendung des unterschriebenen Arbeitsvertrags, der erfahrene Mittelstürmer aber soll am Dienstag in Nürnberg ankommen und am Mittwoch (19.30 Uhr) im Heimspiel gegen Ingolstadt bereits zur Verfügung stehen. Davon unabhängig ist es an der Zeit, dass andere Angreifer mehr Verantwortung übernehmen. Am Sonntagabend erledigte das Gregor MacLeod. Beim 1:0 nach nur 35 Sekunden profitierte der Kanadier von der klugen Vorarbeit von Oliver Mebus. Am Drittelende ermöglichte er gemeinsam mit Dennis Lobach durch harte Arbeit den Power-Play-Treffer durch Daniel Schmölz (20.). Und im Mitteldrittel hielt er einen verunglückten Pass so elegant im Drittel der Gäste, dass auch Tyler Sheehy in Überzahl traf. Und im Schlussdrittel profitierte er am langen Pfosten selbst von einer präzisen Schmölz-Flanke (20.).

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Zwischendurch trafen Julius Karrer (36., erstmals in dieser Saison) und, zum zweiten Mal an diesem Wochenende, Marcus Weber (38., ebenfalls im Power-Play). Klingt nach einem entspannten Abend? Nein, dazu pflegten die Ice Tigers ihre eigenen Schwächen zu liebevoll. Die ersten beiden geahndeten Nürnberger Fouls nutzten Chris Wilkie (5.) und Evan Jasper (6.) zu Power-Play-Toren. Beim dritten Bietigheimer Treffer durch Teemu Lapaus (41.) ließ sich Niklas Treutle allzu leicht überwinden. Dass der Torhüter davor und danach immer wieder seine gesamte Kunst zeigen musste, sprach für den Einsatzwillen der Steelers und gegen die Konzentrationsleistung seiner Kollegen.

Am Ende dürften beide Trainer froh gewesen sein, dass sich kein weiterer Spieler verletzt hat.

Nürnberg: Treutle; Weber/Mebus, Parlett/Bodnarchuk, Karrer/Shaw – Schmölz/MacLeod/Sheehy, Hede/Fleischer/Reimer, Fox/Leonhardt/Lobach, Ustorf/Kechter/Ribarik. – Tore: 1:0 MacLeod (0:35), 1:1, Wilkie (4:09/5-4), 1:2 Jasper (5:56/5-4), 2:2 Schmölz (10:22/5-4), 3:2 Sheehy (29:12/5-4), 4:2 Karrer (35:27), 5:2 Weber (37:01/5-4), 5:3 Lapaus (40:42), 6:3 MacLeod (46:24). – Schiedsrichter: Palkovi/Rohatsch. – Zuschauer: 3213. – Strafminuten: 17 – 17.

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