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In Erlangen mit Riberys Cousin kicken

Jugendmannschaft des FC Conti besuchte Viertklässler der Pestalozzi-Schule - 14.07.2015 07:45 Uhr

Zeigte auf dem Sportplatz des FSV Bruck sein Können: Bryan, der kleine Cousin von Franck Ribery (re.), hatte in Erlangen seinen Spaß. © Foto: Harald Sippel


Natürlich neigt man dazu, das Spiel zu vergleichen. Die Technik am Ball, die Art der Zweikampfführung, die Rolle auf dem Feld. Vor allem da immer wieder Eltern anderen zuraunen: „Da, das ist er, mit den neongelben Schuhen.“ Das ist der Cousin von Franck Ribery.

Gemeint ist ein schmächtiger Zehnjähriger mit kurzen blonden Haaren und den auffälligsten Fußballschuhen auf dem Rasen. Ganz der Cousin eines großen Fußballstars, dribbelt er seine Gegenspieler schwindlig. Nur die Position ist eine andere als die des Profis vom FC Bayern München. Bryan taucht auf dem Kleinfeld einfach überall auf. Nicht nur auf der linken Seite.

Den Zuschauern ist das nur recht, so können alle ein Foto mit ihrem Smartphone machen. Ist ja fast wie den großen Cousin selbst vor die Linse zu bekommen. Bei den Kindern hat sich der Hype schon gelegt. Sie haben Bryan rund um die Uhr bei sich. Denn der ist zusammen mit seinem Fußballteam vom FC Conti für ein Austauschprojekt zu Gast in Erlangen.

Wie es dazu kam? Ribery stammt aus Boulogne-sur-Mer, einer Hafenstadt im nördlichen Zipfel Frankreichs, und lernte beim dort ansässigen FC Conti das Kicken. Als er zwölf Jahre alt war, wechselte er in die Jugend-Akademie des OSC Lille. Aus Lille stammt auch Julien Nairaince. Er ist Jugendleiter und Lehrer am deutsch-französischen Institut Erlangen und wollte eine Verbindung knüpfen zwischen Riberys alter und neuer Heimat, Nordfrankreich und Bayern.

Dass die Franzosen nun in Franken gelandet sind, begründet er mit den besseren Voraussetzungen hier. Die Pestalozzi-Schule ist multikulturell und fördert Integrationsprojekte. Rektorin Carmen Vogt war sofort begeistert, als ihr der Jugendleiter das Projekt vorschlug.

Mitarbeiter des Instituts übernehmen an der Grundschule die Mittagsbetreuung. Es gibt verschiedene „Ateliers“, darunter auch das Fußball-Atelier. 13 Erlanger Kinder aus dieser Gruppe durften beim Schüleraustausch mitmachen. „Solche Projekte sind die logische Konsequenz, wenn man die Sprache leben will“, sagt Vogt. Die Begegnung rund um die Uhr sei wichtig.

Bis vergangenen Sonntag waren Franzosen und Deutsche eine Woche lang im Frankenhof zusammen untergebracht, haben gemeinsam gegessen, in einem Zimmer geschlafen und natürlich Fußball gespielt. „Die Kinder unterhalten sich mit Händen und Füßen“, sagt Eva Brönner. Sie hat die Gruppe sieben Tage lang betreut. Die andere Sprache sprechen können die Grundschüler nicht. „Ich habe auf beiden Sprachen gute Nacht gesagt, später haben die Kinder in der jeweils anderen Sprache geantwortet.“ Dadurch könne man die Angst vor dem Fremden nehmen.

Die Franzosen sind das erste Mal so weit weg von daheim. Sie stammen wie Franck Ribery aus Boulogne-sur-Mer, einer armen Gegend. Ihr Viertel ist ein Labyrinth aus Plattenbauten, die Wohnblocks heißen A oder D oder F, rostige Türen, zerbrochene Scheiben. Jeder Zweite dort hat keine Arbeit. „Sie haben dadurch die Chance, etwas anderes kennen zu lernen und neue Freundschaften zu schließen“, sagt Brönner.

Letzteres scheint erstaunlich gut zu klappen. Im Rahmen des Austauschprogramms stand ein Freundschaftsspiel zwischen den deutschen Mittagsbetreuungs-Kickern und dem Jugendteam des FC Conti an.

Alle applaudieren allen, Spieler und Zuschauer hoffen auf ein Unentschieden und nach dem 6:5-Sieg der Pestalozzi-Schule gibt es Elfmeterschießen, damit jeder noch einmal ran darf. Der Termin für’s Rückspiel steht bereits: Nächstes Jahr, pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft, sollen die Erlanger die Franzosen besuchen.

Als Vorbereitung dafür haben die Kinder hier fleißig trainiert — nicht immer in der Tennenloher Straße. Einmal ging es in den Norden Münchens. Der Ausflug in die Allianz Arena war der Höhepunkt des Austausches. Auch für Bryan. Er sieht seinen berühmten Cousin Franck Ribery nur an Weihnachten und bei Familienfesten. Dennoch ist er überzeugter Bayern-Fan. Sicher ist: „Ich möchte auch Profi werden.“ Im richtigen Stadion jedenfalls hat er nun schon einmal gespielt. 

KATHARINA TONTSCH

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