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Josia Topf schwimmt sich zu den Paralympics

Der Erlanger erfüllt sich einen Kindheitstraum - 24.10.2020 10:04 Uhr

Auch im zweiten Anlauf dabei: Der Erlanger Josia Topf hat sich erneut für die Paralympics in Tokio qualifiziert. Nun müssen sie nur noch stattfinden.

23.10.2020 © Foto: Wiebke Topf


Den Traum hat Josia Topf seit er acht Jahre alt ist. Im Fernsehen hat er 2012 die Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele in London gesehen, das Feuerwerk, den Trubel, die vielen Menschen. "Wie die Sportler da eingelaufen sind, das hat mich auf irgendeine Art und Weise berührt. Irgendwann wollte ich es schaffen, einer von ihnen zu sein", sagt der 17 Jahre alte Schwimmer.

Topf, der das TAR-Syndrom, eine seltene, erbliche Fehlbildung hat, wollte unbedingt in einen Sportverein. "Aber zum Tennis fehlen mir die Arme und beim Fußball war die Gefahr zu groß, dass mir jemand in die Beine grätscht." Also entschied er sich für die Schwimmsportgemeinschaft Erlangen.

Eigentlich war er schon qualifiziert

Schon länger sorgt er dort für Spitzenleistungen, stellt Weltrekorde und deutsche Rekorde auf, holt EM-Medaillen. Für die Paralympics in Tokio hatte er sich eigentlich schon qualifiziert. Dann kam Corona, die Spiele wurden abgesagt – und Topf musste seine Zeiten wiederholen, um 2021 dabei sein zu können.

Dabei haben ihn die Corona-Maßnahmen im März und April besonders hart getroffen. "Ich konnte leider überhaupt nicht trainieren, weil andere Sportarten aufgrund meines Handicaps nicht ausführbar sind." Joggen oder Radfahren als Ersatz kam nicht in Frage, weil Topfs Beine unterschiedlich lang und steif sind. Auch das Krafttraining im Fitnessstudio fiel weg. Vor allem Beinkraft hat Topf verloren, manches muss er immer noch nachholen.

Doch der Erlanger ist es gewohnt, hart für Dinge zu arbeiten, die für andere selbstverständlich sind. Sechsmal in der Woche geht er schwimmen, jeden Tag absolviert er ein Stabilitätstraining. Und nun kam die Gelegenheit, sich wieder für Tokio zu qualifizieren – bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften. Es war der erste Wettkampf seit Corona. "Ich war sehr aufgeregt vor dem ersten Start", sagt Topf.

Ein lang ersehntes Ziel

Doch die Aufregung war unnötig. Über alle Distanzen, 50 Meter Freistil, 50 Meter Rücken, 150 Meter Lagen und 200 Meter Rücken schaffte Topf die Qualifikation erneut. Und nicht nur das: Über die 50 Meter Freistil blieb er unter 50 Sekunden. "Das war ein lang ersehntes Ziel, das ich eigentlich erst bei den Paralympics schaffen wollte."

Im August 2021 sollen die Paralympics beginnen. Momentan bereitet sich Topf aufs Abi vor, drei Monate vor den Spielen wäre er fertig. Jetzt müssen sie nur noch stattfinden.

Es würde gut passen, Topfs Tante ist Japanerin, sie könnte ihm das Land zeigen. Aber er versucht, es pragmatisch zu sehen. "Wenn sie abgesagt werden, habe ich wenigstens meine Form wieder. Und bei den nächsten Spielen in Paris wäre ich drei Jahre älter und hoffentlich nochmal schneller." Es scheint, als könnte Topf nichts von seinem Traum abhalten.

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