Klimafreundlich und barrierefrei: FSV Bruck plant Sportzentrum für alle

Alex Pfaehler
Alexander Pfaehler

E-Mail zur Autorenseite

12.11.2020, 11:02 Uhr
Wo heute Tennisplätze sind, könnte schon in wenigen Jahren das Vereinsheim samt Sporthalle des FSV Erlangen-Bruck stehen.

Wo heute Tennisplätze sind, könnte schon in wenigen Jahren das Vereinsheim samt Sporthalle des FSV Erlangen-Bruck stehen.

Leuchtmarken, die Menschen mit Behinderung den Weg vom Parkplatz zum Vereinsheim weisen. Solarstrom auf der Kegelbahn. Begrünte Dächer. Und vor allem: Ein klimaneutrales Vereinsheim, das zugänglich ist für alle und den ganzen Tag geöffnet hat.

Solche Pläne hat Reinhard Heydenreich, Vorsitzender des FSV Erlangen-Bruck für das marode Gelände seines Vereins. Das sind keine Tagträume von einem ökologischen, integrativen, behindertenfreundlichen Sportzentrum der Zukunft. Sondern es ist ein ganz konkretes Projekt.

Kosten: Rund 5,5 Millionen Euro

5,5 Millionen Euro soll die Erneuerung des Vereinsgeländes in Bruck kosten. Nur 800 000 Euro müsste der FSV selbst stemmen und dafür einen Kredit aufnehmen. Der Bayerische Landes-Sportverband könnte weitere 800 000 Euro zusteuern, aus der städtischen Sportförderung könnten 2,1 Millionen Euro kommen. Und vom Bund 1,7 Millionen Euro aus einem Programm für die Sanierung von Sport- und Kultureinrichtungen.

Den Stein ins Rollen gebracht hat im Juli die Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich (SPD), selbst in Bruck geboren. Sie hat FSV und Stadt auf den Fördertopf aufmerksam gemacht, der für Kommunen vorgesehen ist, unter bestimmten Umständen aber für Vereinsgelände zur Verfügung steht. "Ohne den Bundeszuschuss wird dieses Projekt aber nicht funktionieren", sagt sie. Doch sie sei optimistisch, dass es klappt. "Die Stadt hat sich in der Kürze der Zeit wahnsinnig ins Zeug gelegt."

Erste Hürde genommen

Die erste Hürde im Erlanger Sportausschuss hat das Projekt genommen. Nun muss es neben einer Zusage aus Berlin den Segen des Stadtrats bekommen, auch die FSV-Mitglieder müssen zustimmen.

Die Unterstützung im Sportausschuss erhielt das Projekt quer durch alle Fraktionen und von allen Vereinsvertretern. "Eine Win-Win-Situation für Verein und Stadt", nennt es Bürgermeister Jörg Volleth (CSU). "Das ist kein egoistisches Projekt unseres Vereins, die ganze Stadt soll profitieren", betont Heydenreich. Besonders der Stadtteil Bruck.

Neue Turnhalle und Kunstrasen

Denn die neue Halle soll nicht nur anderen Vereinen, sondern auch für den Schulsport geöffnet werden. Stadt und Verein werden Verträge über integrative und inklusive Maßnahmen schließen. "Öffnung in den Stadtteil", heißt das. "Ich denke da auch an Sport im weitesten Sinne. Ins Vereinsheim müssen Schach-, Skat- und Dartspieler kommen und Frauen, die ihren Bridge-Vormittag dort veranstalten", sagt Heydenreich.

Das neue Vereinsheim soll dort entstehen, wo momentan die Tennisplätze liegen: Geplant ist eine trennbare -Turnhalle, doppelstöckig umgeben von Umkleiden, und Sanitäreinrichtungen. Darüber soll die Gaststätte liegen. Die Tennis-Courts werden verlegt. Der B-Platz der Fußballer soll zu einem Kunstrasenplatz werden.

Verein soll inklusiver werden

"Die Hallen werden so gebaut, dass wir unsere Vereinssportarten wie Badminton und Volleyball dort primär betreiben können. Wir wollen anderen Vereinen keine Konkurrenz machen", versichert Heydenreich. Also kein Handball, aber vielleicht künftig Basketball und mehr Trendsportarten beim FSV, die Jugendliche aus dem Stadtteil ansprechen. Kletterwände oder Schwimmhallen wird es nicht geben.

Dafür soll der Verein inklusiver werden, Heydenreich wünscht sich Rollstuhlsport beim FSV. "Wir müssen Menschen mit Behinderung hierher bringen", sagt er. Darüber hinaus soll es mehr Gesundheits- und Eltern-Kind-Sport geben. Die Verantwortlichen sprechen gar nicht mehr von einem Vereinsgelände, sondern von einem "Sport für alle"-Zentrum. Auch eine Kegelbahn für die Bundesligateams, die zuletzt nach Fürth umziehen mussten, ist vorgesehen.

"Natürlich eine große Summe"

Der FSV hat in den vergangenen Jahren viele Altlasten abbauen müssen und noch Schulden. Versuche, die Zukunft zu sichern, etwa durch den Verkauf des Vereinsgeländes, scheiterten. Trotz neuem Kredit sieht Heydenreich in dem Projekt deshalb eine Chance. "Für den FSV ist das natürlich eine große Summe. Aber wir haben unsere Haushalte der letzten fünf Jahre betrachtet, in denen wir sehr sparsam waren. Ich denke, wir schaffen das", sagt er. Er und seine Stellvertreter wollen auch erneut als Vorsitzende kandidieren. Um Kontinuität zu gewährleisten – und vielleicht eine ganz neue Zukunft.

Keine Kommentare