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Kommentar: Ohne Sport droht die nächste Gesundheitskatastrophe

Die Politik muss an die langfristigen Folgen ihres Lockdowns denken - 25.01.2021 06:04 Uhr

Der Betrieb in den Freibädern funktionierte im Sommer dank Hygienekonzepten. Unser Autor findet: Auch im Winter wäre ein Betrieb der Hallenbäder unter strengen Auflagen möglich.

24.01.2021 © Eibner-Pressefoto via www.imago-images.de


Nun geht der Lockdown also bis zum 14. Februar – und er wird an diesem Datum wohl nicht enden. Was endlich in den Blick rücken muss, sind die gravierenden Kollateralschäden, die so entstehen.

Seit März 2020 sind Sportstätten – Vereins-Tennishallen, öffentliche Bolzplätze, private Fitnessstudios – immer wieder geschlossen worden. Teilweise waren sie in dieser Phase fast sieben Monate dicht. Das ist kein Zeitraum mehr, den man mit ein bisschen Kreativität mal kurz überstehen kann, wenn einem die gewohnte Sportart wegbricht. Wer darauf verweist, dass Individualsport wie Joggen noch möglich ist, sollte sich eines vor Augen führen: Für viele Menschen war es schon in normalen Zeiten schwierig, sich für regelmäßigen Sport zu motivieren. Ganz zu schweigen davon, dass Wald- oder Langlaufen nicht für jeden geeignet ist.

Auch eine Frage des Geldes

Glaubt denn wirklich jemand, dass die Seniorinnen und Senioren, die sonst zweimal in der Woche für ihre Gelenke und ihren Rücken im Hallenbad ihre Bahnen ziehen, jetzt alle vor dem Laptop sitzen und Online-Fitnesskurse absolvieren? Glaubt wirklich jemand, dass die Millionen Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden und die den Sport für ihre seelische Gesundheit brauchen, jetzt alle jeden Morgen freudig den Schrittzähler anwerfen? Was ist mit Menschen, die für ein Peloton-Fitnessgerät drei Monatsgehälter hinlegen müssten und keine Joggingrouten vor der Tür haben?

Natürlich ist es richtig, in der Pandemie die Kontakte zu beschränken. Dass Mannschaftssport derzeit nicht möglich ist, ist klar. Aber es ist doch keineswegs undenkbar, dass etwa Hallenbäder unter strengen Hygienekonzepten öffnen können, ohne dass es zu großen Begegnungen kommt. Wie absurd es ist, dass man sich einen Besucher in die Ein-Zimmer-Wohnung einladen, ihn aber nicht auf Abstand zum Tennis spielen in einer Halle treffen darf. Je breiter das Sportangebot, desto mehr Menschen beteiligen sich und bleiben gesund.

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Wer fühlt sich zuständig?

Dafür, solche Möglichkeiten auszuloten, scheint sich aber niemand zuständig zu fühlen. Sport ist auf Bundesebene Sache des Innenministeriums, doch die Zuständigkeiten verteilen sich auf weitere zehn Ministerien und die Kommunen. Die Breitensport-Förderung liegt bei den Ländern. Warum wurde zu Beginn des zweiten Lockdowns kein Sportgipfel einberufen?

So steuert unsere Gesellschaft nach der Gesundheitskatastrophe durch Corona auf die nächste Gesundheitskatastrophe zu. Schon im ersten, vergleichsweise kurzen Lockdown haben die Deutschen laut Robert-Koch-Institut im Schnitt ein Kilo zugenommen. Nur: Wenn die Diabetes, die Depression, der Gelenkschaden einmal da sind, sind sie da. Dagegen wird kein schnell entwickelter Impfstoff und auch keine Finanz-Bazooka helfen.

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