Boxer erneut ausgebremst

Lockdown in Österreich: Kein EU-Titelkampf für Marten Arsumanjan

Holger Peter
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22.11.2021, 06:36 Uhr
Sportlich ist Marten Arsumanjan nach seiner eigenen Covid-Infektion wieder topfit, wie hier beim Sparring mit dem Tschechen Tomas Bezvoda im Gym des AC Bavaria. Doch wegen des Lockdowns in Österreich kann er das nicht unter Beweis stellen.
 

Sportlich ist Marten Arsumanjan nach seiner eigenen Covid-Infektion wieder topfit, wie hier beim Sparring mit dem Tschechen Tomas Bezvoda im Gym des AC Bavaria. Doch wegen des Lockdowns in Österreich kann er das nicht unter Beweis stellen.   © Holger Peter, NN

Zwei Männer dreschen in der Halle des AC Bavaria Forchheim aufeinander ein, ohne Gnade. Sechs Runden lang, nur unterbrochen durch den Gong. Wenn man nicht wüsste, dass es ein Sparringskampf ist und die beiden nicht extra große Handschuhe tragen würden, könnte man meinen, es geht um einen Meisterschaftsgürtel. "Sparring ist kein Spaß", erklärt Trainer Tuncay Kasim und fügt an: "Der Gegner hat keine Vorgaben, außer der, sein Bestes zu geben und gegebenenfalls auch meinen Mann k.o. zu schlagen."

So weit kommt es am Samstagmittag nicht, als sich Lokalmatador Marten Arsumanjan und der Tscheche Tomas Bezvoda intensiv beharken. Arsumanjan hat auch bereits am Tag zuvor einen bösen Tiefschlag verpasst bekommen: Etwa 14 Tage vor seinem Titelverteidigungskampf im Mittelgewicht um den EU-Gürtel der EBU in Wien haben die Ausrichter den Kampf abgesagt. "Es wäre eine Verantwortungslosigkeit gegenüber der Bevölkerung, ein Event wie unsere Fight Night trotz aller Umstände durchzuziehen", begründet das Team von Marcos Nader diesen Schritt.

Während Tuncay Kasim noch am Abend ins Gym ging, um sich den Frust aus dem Leib zu prügeln, reagierte sein Schützling weitaus gelassener. "Ich habe es kommen sehen. Ich bin in ständigem Kontakt mit meinem Schwager in Österreich und der hat schon Tage vor der offiziellen Bekanntgabe gesagt, dass es einen Lockdown geben wird." Der Kampf an sich hätte - weil es sich ja um Profisport und damit Berufsausübung geht, durchaus stattfinden können. Aber eben ohne Zuschauer (ein Tisch für zehn Zuschauer im Intercontinental Hotel hätte 4000 Euro gekostet), was bei rund 300 Zuschauer schon eine schöne Summe ergeben hätte. Das Geld der Sender ORF und La Ola1, die live übertragen hätten, wäre noch dazu gekommen.

Schließlich ist Marcos Nader in der Alpenrepublik ein echter Promi und auch in den Schlagzeilen der Boulevardpresse ständig vertreten. Bei "Dancing Stars", dem Äquivalent zur RTL-Show "Let's Dance" ist er dabei und gilt als einer der österreichischen Sportstars schlechthin.

So weit ist Marten Arsumanjan noch nicht, auch wenn er in der Weltrangliste um einige Plätze vor Nader steht. "Es ist so bitter und ärgerlich, weil Marten jetzt in absoluter Topform aufgetreten ist, er weiß selbst gar nicht, wie gut er zurzeit eigentlich ist - körperlich und mental hat er große Fortschritte gemacht", sagt Kasim.

Dabei war das keineswegs selbstverständlich. Denn Ende September hatte sich der 27-Jährige selbst mit dem Virus infiziert, hatte heftige Symptome und es gab schon Bedenken, ob der 4. Dezember für ihn zu früh kommen könnte. Und als er wieder ins Training einstieg, war das alles andere als problemlos. "Nach ein paar Runden Sparring habe ich total gepumpt und war fix und fertig", erzählt Arsumanjan.

Doch gemeinsam fand das Duo vom AC Bavaria Forchheim offenbar die richtige Dosierung: Die üblichen Laufeinheiten in der Fränkischen Schweiz, Sprinteinheiten für die Spritzigkeit und zuguterletzt Sparrings mit vielen der besten Boxer, die in Deutschland und den Nachbarländern aufzutreiben waren. Darunter der dreifache Europameister Matteo Signani aus Italien oder der Junioren-Weltmeister Michael Eifert.

"Wir haben viel investiert - auch Geld - und unsere Familien haben uns einen Monat lang fast nicht gesehen - und jetzt das", sagt Tuncay Kasim enttäuscht. Zumal er und Arsumanjan bei ihren Arbeitgebern Bosch und Autohaus Feser während der heißen Vorbereitungsphase kürzer treten durften. Es sei wohl die beste Vorbereitung gewesen, die man gemeinsam absolviert habe, "auch weil Marten diesmal alle Vorgaben eins zu sein umgesetzt hat und sehr diszipliniert war", wie der Trainer lobt.

Nun sei das Ziel, die Spannung wieder etwas herunterzufahren, aber die guten körperlichen und technischen Grundlagen weitgehend zu erhalten. In ein Loch wolle man keineswegs fallen. Ein neuer Termin ist noch nicht bekannt, aber so bald dieser stehe, sei man bereit. "Dann sind wir wieder am Start - und hoffentlich in der gleichen Form!"

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