Der Traum von der Langdistanz

Amateur-Triathletin Linda Stücker auf dem Weg zum Challenge Roth 2022

16.11.2021, 12:00 Uhr
Stücker mit Ihrem Triathlon-Rad im vergangenen Sommer. Hier wird sie im Wettkampf die meiste Zeit verbringen.

Stücker mit Ihrem Triathlon-Rad im vergangenen Sommer. Hier wird sie im Wettkampf die meiste Zeit verbringen. © Privat

Die schnellsten Profis benötigen für den Triathlon-Wettkampf in Roth kaum mehr als acht Stunden. Der letzte Finisher im Ziel hat einen 15 Stunden Sport-Tag hinter sich. Linda Stücker möchte im Idealfall "unter zwölf Stunden bleiben", wie sie selbst sagt. Zwölf Stunden. In diesem Zeitraum kann der Vater einer 17-Jährigen Tochter morgens zur Abi-Abschlussfeier am Gardasee fahren und kommt abends wieder rechtzeitig zum Tatort nach Hause. Natürlich ohne Stau am Brenner.

Linda Stücker hat eine andere Idee, was sie am 3. Juli 2022 innerhalb von zwölf Stunden erledigen möchte: 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Fahrrad fahren und 42,2 Kilometer laufen. Alles am Stück, ohne Unterbrechung. Ein sogenannter Langdistanz-Triathlon, gleich der berühmte in Roth soll es sein.

Trainingsstart mit neuem Trainer

Nichts überstürzen, lautete in den vergangenen Monaten die Devise: "Eigentlich wollte ich schon in diesem Jahr meine erste Langdistanz machen, aber mit Corona und den schwierigen Bedingungen war einfach keine gute Vorbereitung für mich persönlich möglich", sagt sie. Jetzt mit besseren Aussichten auf 2022 soll es dann endlich klappen. Damit in der Vorbereitung auf die erste Langdistanz, in der wirklich einiges schiefgehen kann, so wenig wie möglich schief geht, hat sie sich professionelle Unterstützung geholt. "Mein neuer Trainer Tobias Heinig wird mich hoffentlich optimal abgestimmt an die Startlinie bringen" sagt sie.

Der Ex-Triathlon Profi vom Post SV Nürnberg muss es wissen, hat erst in diesem Jahr mit einem Finish von unter acht Stunden gezeigt, dass er einiges von der Vorbereitung auf eine Langdistanz versteht.

Der große Traum vom Einzel-Finish

In ihrer Jugend war Stücker von 2004 bis 2012 Leistungsschwimmerin, hat es zur Deutschen Meisterschaften in Berlin geschafft. Doch ihr Fokus lag auf dem Abitur, danach studierte sie Business Administration an der IBS Nürnberg und arbeitet seitdem als Wirtschaftspsychologin. Dabei verknüpft sie Psychologie und Wirtschaft. "Wenn ein Unternehmen vor einer Veränderung steht, kümmere ich mich darum, dass die Mitarbeiter mitgenommen werden und helfe den Mitarbeitern auch damit, die Veränderungen zu verstehen und mitzutragen", erklärt sie ihren Beruf.

Stücker nach dem Zieleinlauf beim diesjährigen Challenge als Staffel-Läuferin. 

Stücker nach dem Zieleinlauf beim diesjährigen Challenge als Staffel-Läuferin.  © Privat

Stücker entdeckte über den TSV Altenfurt ihre Leidenschaft zum Triathlon und wollte schon immer eine Langdistanz machen, wurde aber oft ausgebremst. Doch Starts in der Staffel, also nur eine Teildisziplin zu absolvieren, davon kann Sie nicht genug haben und ist hier seit mehreren Jahren im Einsatz. Meistens als Schwimmerin, doch dieses Jahr auch auf der Marathondistanz. Da hat sie gemerkt: "Jetzt ist die Zeit Reif, ich will meinen Traum vom Einzel-Finish endlich verwirklichen."

Große Opfer in der Vorbereitung nötig

Selbst der Langdistanz-Start in einer Staffel erfordert bereits einige Vorkehrungen im Vorfeld. Die Teildisziplinen sind zu lang, um aus einer Lust und Laune heraus ohne Vorbereitung an die Startlinie zu stehen. In der offiziellen Athleteninfo des Veranstalter heißt es: "Die Teilnahme stellt eine große, vor allem körperliche Belastung dar. Um Unfälle und Verletzungen weitestgehend vermeiden zu können", müsse man fit genug sein und sich vorab auch von einem Arzt durchchecken lassen.

Abschreckende Worte, die jedoch verdeutlichen, dass eine Triathlon-Langdistanz eben kein gemütlicher Sonntagsspaziergang ist, sondern eine extreme Herausforderung für Körper und Geist. 30 bis 35 Stunden Sport pro Woche investieren Profis in der Vorbereitung. Stücker und ihr Trainer wollen es mit acht bis zwölf Stunden pro Woche probieren.

Diesen zeitlichen Mehraufwand in eine Woche zu stopfen, die bereits mit einem Vollzeitjob, anderen Hobbys und Zeit für Familie und Freunde schon so gut wie ausgeschöpft ist, klingt nach einer zermürbenden Aufgabe. Doch genau diese Disziplin, die Leidenschaft und die Hingabe es unbedingt zu wollen, auch wenn das Sofa daheim gerade viel bequemer aussieht als die enge Laufhose, das ist es, worauf sich Stücker in den kommenden Monaten freut.

"Ich möchte so gut es geht, jede einzelne Trainingseinheit absolvieren. Der Trainingsplan verfolgt einen gesamtheitlichen Ansatz, was bedeutet, alles ist aufeinander abgestimmt. Ich freue mich jetzt auf die neuen Strukturen und die Herausforderungen", sagt sie.

Eine Leistungsdiagnostik legt den Grundstein

Zehn Stunden Sport in der Woche klingt viel. Ist es natürlich auch, wenn als Vergleich die Empfehlung des Gesundheitsministeriums "drei Mal pro Woche für 30 Minuten Sport" angesetzt wird. Doch im Rahmen einer Langdistanzvorbereitung sind zehn Stunden Training pro Woche fast schon Pflichtprogramm, denn Stücker möchte "neben einem wunderbaren Event gerne auch ein sportliches Erfolgserlebnis feiern und den Tag positiv in Erinnerung behalten".

Damit die wertvolle Trainingszeit nicht vergeudet wird, will Stücker in den kommenden Wochen eine Leistungsdiagnostik machen. Denn Effizienz ist das Zauberwort. Während ein Profi in seiner 35-Stunden-Sport-Woche durchaus Zeit für sogenannte "Junkmiles", also überflüssige Trainingskilometer hat, sollte bei Stückers zeitlich limitierten Kontingent jede Minute sinnvoll investiert sein.

Bis zu Ihrem Diagnostik-Termin verabschiedet sie sich in den ersten Trainingsblock. "Es stehen neben lockeren Grundlageneinheiten auch die ersten Intensitäten am Trainingsplan", sagt sie voller Vorfreude. Die ersten Wochen einer langen Reise ins Ziel des Challenge Roth.

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