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Mössmer: Vom Verlegenheits-Transfer zum Kapitän

Nürnbergs Neuzugang spielt schon zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Leipzig - 17.10.2014 06:59 Uhr

"Jürgen tut uns gut": Nürnbergs Trainer Valerien Ismaël mit seinem derzeitigen Kapitän Mössmer (rechts).

16.10.2014 © Sportfoto Zink


Als, im ersten Saisonspiel gegen Aue, Kapitän Jan Polaks Rippen brachen, sah man sogar dem Trainer des 1. FC Nürnberg die Schmerzen an. "Unser Herz und Hirn", sagte Valerien Ismaël, sei Polak, eigentlich unersetzbar, und weil der Tscheche nicht der erste Invalide der noch jungen Spielzeit war, sollte die Mannschaft verstärkt werden.

Gehandelt wurden ein paar prominente Namen. Es kam: Jürgen Mössmer – ein Fußballer, dessen Prominenz sich eher auf die eigene Verwandtschaft beschränkte, und wer das kicker-Sonderheft nicht auswendig gelernt hatte, hätte kaum gewusst, woher dieser Mössmer kam. Der VfR Aalen, Mössmers alter Verein, wirkt ja ein bisschen wie der Inbegriff der Zweitliga-Anonymität.

Jürgen Mössmer also. Es war überhaupt nicht persönlich gemeint, aber die Personalie schien zum letzten Beleg einer seltsamen Transferpolitik zu taugen. Mössmer war in Aalen, weil wiederholt von Blessuren geplagt, noch nicht einmal ein fester Stammspieler, für bloß 100.000 Euro durfte er wechseln; wer das für einen Verlegenheits-Transfer hielt, durfte mit einiger Zustimmung rechnen.

Am Freitag empfängt der 1. FC Nürnberg den Tabellenvierten Rasenballsport Leipzig, das Nürnberger Team wird vom Kapitän Jürgen Mössmer aufs Feld geführt – während Jan Polak, der nominelle Kapitän, wahrscheinlich auf dem Ersatzbänkchen platznimmt. Auch das, sagt Ismaël, sei nicht persönlich gemeint, nur gebe es eigentlich keinen Grund, die zuletzt wenigstens etwas erfolgreichere Mannschaft umzustellen.

Das Video zum Spiel des 1. FC Nürnberg gegen RB Leipzig in Kooperation mit frankenfernsehen.tv

Kapitän Mössmer: Die Personalie zeigt nebenbei natürlich auch, was sich seit Saisonbeginn getan hat bei diesem ohnehin runderneuerten Club. Wie Polak hat Javier Pinola, der stellvertretende Kapitän, seinen Stammplatz vorerst verloren; aus dem vor dem ersten Anpfiff gewählten Mannschaftsrat ist gegen Leipzig kein einziger Profi mehr dabei. Für Raphael Schäfer, den noch kurz zuvor für unverzichtbar erklärten Kapitän der Pokalsieger von 2007, sah man aus nie nachvollziehbar kommunizierten Gründen keine Verwendung mehr, Dave Bulthuis ist zur U23 strafversetzt, Timo Gebhart fehlt verletzungsbedingt. Die Frage, ob Mössmer ein guter Kapitän sei, habe er in der Teamkabine gestellt, erzählte Ismaël jüngst; die Idee wurde für gut befunden – und gibt dem Trainer inzwischen eine der noch seltenen Gelegenheiten, ein wenig zu schwärmen. Eine "positive Überraschung" nennt Ismael den 25 Jahre alten Mittelfeldspieler, der das Kicken beim SSV Reutlingen lernte, anschließend viertklassig für Eintracht Frankfurt II spielte und 2010 zum damaligen Drittliga-Aufsteiger Aalen wechselte. "Dass er so schnell konstante Leistungen abruft", sei nicht zu erwarten gewesen, findet Ismaël und formuliert es so: "Jürgen tut uns gut."

"Er hat noch viel Potenzial"

Mössmers Entwicklung, glaubt der Franzose, sei "nicht zu Ende, er hat noch viel Potenzial". Als einen der wenigen Gewinner einer bisher enttäuschenden Spielzeit würde sich Mössmer trotzdem nie bezeichnen, er tritt so auf, wie er spielt: als Teamplayer, nicht spektakulär, aber fleißig und verantwortungsbewusst.

"Mich mit Jan Polak zu vergleichen, wäre vermessen", sagte er anlässlich seines Einstands in Nürnberg, es sei "so schön, für einen Traditionsverein zu spielen, das macht den Fußball aus". Seine Ziele? "Ich will unbedingt ein Teil dieser Mannschaft sein."

Jetzt führt er sie an, und das in einer weiterhin stark angespannten Situation. Nur rund 26.000 Zuschauer werden am Freitag erwartet, um das Vertrauen des Anhangs kämpft die Mannschaft noch immer – "intensiv und mutig", wie Ismaël hofft: "Wir werden gegen Leipzig neunzig Minuten lang keine Ruhe bekommen." Mössmer weiß, was ihn erwartet, er kennt die Leipziger schon. Zum Saisonstart glückte Aalen ein Remis gegen Rasenballsport – dank eines starken Jürgen Mössmer.

Nürnberg: Rakovsky; Celustka, Petrak, Stark, Bihr – Mössmer, Koch – Candeias, Schöpf, Füllkrug – Sylvestr.

Hans Böller

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