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Alles was Sie vor dem Saisonstart in der Formel 1 wissen sollten

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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17.3.2022, 12:00 Uhr
in unübersehbares Zeichen: Sebastian Vettel hat seinen Helm mit einem gelbblauen Streifen lackieren lassen. 

© Hasan Bratic, dpa in unübersehbares Zeichen: Sebastian Vettel hat seinen Helm mit einem gelbblauen Streifen lackieren lassen. 

Wer startet am Wochenende als amtierender Weltmeister in die neue Saison? Die Frage mag seltsam klingen, schließlich sind kaum vier Monate vergangen, seitdem in Abu Dhabi die letzten Zündschlüssel abgezogen worden sind. Weil die Welt seitdem aber eine andere ist, folgt zunächst ein kleiner Rückblick: Auf dem Yas Marina Circuit waren Lewis Hamilton und Max Verstappen mit jeweils 369,5 Punkten im Handschuhfach gestartet, spannender konnte die Saison 2021 nicht zu Ende gehen. Tatsächlich wurde es dramatisch. Hamilton ging als Führender auf die letzten Kilometer, zwischen dem Safety Car, seinem Mercedes und Verstappens frisch bereiftem Honda befanden sich fünf überrundete Fahrzeuge. Aufgrund einer umstrittenen Entscheidung der Rennleitung aber fuhr Verstappen direkt hinter Hamilton, als das Rennen wieder frei gegeben wurde. „Nein, Michael, nein, nein, Michael“, flehte Mercedes-Sportchef Toto Wolff noch über Funk, „das war so nicht richtig!“ Da war der Niederländer aber bereits am Briten vorbeigezogen. Verstappen war erstmals Weltmeister und blieb Weltmeister, nachdem alle Proteste abgewiesen worden waren. In den Wochen danach hieß es, dass der gebrochene Hamilton ernsthaft über das Ende seiner großen Karriere nachdenke. Renndirektor „Michael“ (Masi) wurde abgesetzt. Um das Rennmanagement kümmern sich künftig der Deutsche Niels Wittich und Eduardo Freitas aus Portugal. Dazu wird ein so genannter virtueller Rennkontrollraum eingeführt. Die Formel 1 bekommt also ihren Kölner Keller.

Aber das wird doch sicher nicht die einzige Änderung sein? Nein, natürlich nicht. Viele kleine Anpassungen sollen die Rennen spannender machen, Überholvorgänge einfacher und die Unterschiede zwischen den Teams geringer. Verkauft wird das als „Aerodynamik-Revolution“, tatsächlich aber sieht man die für Laien oftmals schwer nachvollziehbaren Veränderungen: Die Boliden der Teams werden sich nicht nur farblich unterscheiden. Mercedes verzichtet beispielsweise komplett auf die bislang üblichen Seitenkästen. „Ich denke, dass es viel enger wird und dass wir eine größere Gruppe von konkurrenzfähigen Rennställen haben werden“, sagt Ross Brawn. Allerdings muss er das sagen. Brawn war einst das „Superhirn“ an Michael Schumachers Seite, seit 2017 ist der Engländer Sportdirektor der Formel 1.

Okay, langweilig. Wer wird denn jetzt Weltmeister? Moment, langweilig war die Formel 1 zuletzt wirklich nicht. Moss gegen Hawthorne, Lauda gegen Hunt, Prost gegen Senna, Schumacher gegen Hill – das Duell zwischen Hamilton und Verstappen hat sich nach nur einer packenden Saison bereits unter den großen Zweikämpfen der Formel-1-Geschichte eingereiht. Und auch wenn die längst geplante, nur wegen Corona verschobene Generalüberholung mehrere Siegfahrer hervorbringen soll: Verstappen und Hamilton gelten erneut als die großen Favoriten auf den Titel. Auch wenn sie selbst das nicht so sehen. „Ich glaube nicht, dass wir um Siege kämpfen“, stellte Hamilton fest. „Ferrari scheint am Schnellsten, vielleicht Red Bull und dann vielleicht wir oder McLaren.“ Ernst zu nehmen sind solche Aussagen nicht, sie verdeutlichen nur, dass die Teams nach den Testfahrten tatsächlich nicht wissen, wo genau sie sich einordnen werden. „Jedes Jahr die gleiche Geschichte“, sagte der Ferrari-Pilot Carlos Sainz. „Wir wissen alle, dass die Tests nichts aussagen. Ich weiß nicht, warum die Leute jedes Jahr wieder in die gleiche Falle tappen.“ Dass Mick Schumacher in Bahrain zuletzt im Haas die zweitschnellsten Zeiten fuhr, deutet aber zumindest darauf hin, dass sich die Chancen des gerade noch 22-Jährigen auf erste WM-Punkte nicht verringert haben.

Inwiefern wirkt sich der russische Angriff auf die Ukraine auf die Formel 1 aus? 23 Grand Prix in 21 Ländern, so war das eigentlich geplant. Weil aber der Diktator eines dieser Länder beschlossen hat, ein Nachbarland anzugreifen und unzählige Menschen zur Flucht zu zwingen oder töten zu lassen, wird der PS-Zirkus am 25. September nicht in Sotschi gastieren. Nikita Masepin wird zudem nicht mehr im Haas fahren, der Schriftzug des Unternehmens Uralkali, dessen Geschäftsführer wiederum Masepins Vater Dimitri ist, wird nicht mehr auf dem Rennwagen Mick Schumachers zu sehen sein. Sebastian Vettel hat sich einen gelb-blauen Streifen und eine Friedenstaube auf seinen Helm lackieren lassen. Der einstige Weltmeister und aktuelle Aston-Martin-Pilot hatte schon kurz nach der Invasion erklärt, nicht in Sotschi antreten zu wollen.

Was sollte man vor dem Start am Sonntag noch wissen? Mit dem Grand Prix von Miami bekommen die USA am 8. Mai ein zweites Jahr. Auch 2022 wird weder auf dem Nürburg- noch auf dem Hockenheimring gefahren. In Imola, Österreich und Brasilien werden statt des klassischen Qualifyings am Samstag Sprintrennen ausgetragen, die besten Acht bekommen jeweils zusätzliche Punkte. Nach 19 Jahren und 350 Rennen wird Kimi Räikkönen nicht mehr mit dabei sein. Guanyu Zhou (Alfa Romeo) ist der Name des ersten Chinesen, der jemals ein Formel-1-Rennen wird bestreiten dürfen. Der Bezahlsender Sky überträgt alle Rennen, RTL meldet sich nur aus Imola, Silverstone, Zandvoort und Sao Paulo. SEBASTIAN BÖHM