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Neu beim HCE: Sime Ivic über Heimat und Mentalität

"Ich wollte immer nur der Beste sein" - 11.08.2019 14:52 Uhr

Der HC Erlangen ist bereits der achte Verein in sechs Jahren für Sime Ivic. Und trotzdem "fühlt es sich bereits besonders an". © Sportfoto Zink / OGo


Auf den ersten Blick könnte man denken, Sime Ivic ist auf Weltreise: Der HC Erlangen ist der achte Verein in sechs Jahren für den 26-Jährigen, Deutschland ist nach Weißrussland, Polen, Slowenien, Frankreich und der Heimat Kroatien bereits das sechste Land, in dem der Linkshänder Handball spielt.

"Ich habe schon viel gesehen", sagt Ivic, "in der Champions League habe ich gegen die besten Mannschaften Europas gespielt." Und trotzdem ist für den Nationalspieler nun alles anders. Er ist, wenn man so will, erwachsen geworden: "Zu Beginn meiner Karriere wollte ich immer nur der Beste sein. Ich wollte Champions League spielen, die großen Hallen, die großen Klubs sehen." Jetzt soll es die Bundesliga sein, aus der er bislang nur den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt kennt. Aber vor allem andere Dinge sind für ihn wichtig geworden: Die Fernbeziehung zu seiner Freundin in Kroatien möchte er nicht mehr, sie zieht nun zu ihm in die Nägelsbachstraße.

Von Erlangen in die Heimat

"Es ist wichtig für mich, sie bei mir zu haben. Es soll mir helfen, mich zurecht zu finden, zufrieden zu sein in einem neuen Land, in dem ich die Sprache nicht spreche." In Polen, in Slowenien, in Weißrussland, in Frankreich war das anders. "Ich hatte meine Balkan-Jungs", sagt Ivic. Hatten sie drei Tage frei, hing er mit ihnen ab. "Es war ok. Aber richtig wohl habe ich mich nie gefühlt." 1000 Kilometer waren es in die Heimat – in etwa so viel wie von Erlangen. "Habe ich mal frei, kann ich vielleicht nach Hause fliegen." In Weißrussland stand er stattdessen stundenlang an der Grenze: "Deutschland ist EU, hier ist Reisen viel einfacher für mich."

Auf dem Handballfeld muss sich Sime Ivic noch einleben: "Es ist nicht alles neu, ich kenne das offensive Deckungssystem aus Kroatien. Aber natürlich kenne ich die Abläufe noch nicht." Davon, der Beste zu sein, spricht der Linkshänder gar nicht mehr. "Ich hoffe, dass wir als Team unsere Ziele erreichen und ich meinen Beitrag leisten kann."

"So wie Duvnjak werfen können, das wäre toll" © Sportfoto Zink / OGo


Diese sind für ihn: Noch besser abschneiden als im vergangenen Jahr, als der HCE als Neunter die Bundesliga abschloss. "Ich denke, mit den Neuzugängen und der Mannschaft ist das drin. Erlangen ist keine Mannschaft, die irgendjemand einfach überrennt. Auch Kiel und Flensburg können nicht sagen: Diese Punkte haben wir fest eingeplant." Seine persönlichen Ziele stehen auch schon fest. Zum einen möchte er seinen Stemmwurf verbessern, "so wie Duvnjak werfen können, das wäre toll".

Aber vor allem mental erhofft sich Ivic einen Sprung: "In der Champions League habe ich gemerkt, dass deutsche Mannschaften und deutsche Spieler ein besonderes Gen besitzen: Sie geben niemals auf. Du kannst dich nie zurücklehnen, du musst als Gegner immer bis zur letzten Sekunde hellwach bleiben. Das möchte ich lernen, so wie es Pavel (Horak, d. Red.) verinnerlicht hat." Mit dem tschechischen Nationalspieler, der zwei Jahre auch für den HCE spielte, stand Ivic bei Meshkov Brest in Weißrussland in einem Team. "Pavel ist ein unheimlich positiver Mensch, ein Vollprofi, der mir wirklich nur Gutes über Erlangen und den HCE erzählen konnte." Horak spielt nun für Kiel – "es wird besonders, ihn wiederzusehen".

Das richtige Gefühl

Auch wenn Sime Ivic noch nicht selbst in der Arena in Nürnberg war, sorgten die Videoausschnitte von Heimspielen auch dafür, dass er sich letztlich für den HCE entschied. "Ich hatte noch ein anderes Angebot aus der Bundesliga und eines aus Frankreich. Aber die Ambitionen des HCE und die Fans in der Arena haben dafür gesorgt, dass ich mich dafür am meisten interessierte." Zudem gab ihm der HC das Gefühl, ihn unbedingt verpflichten zu wollen. "Das hat mich beeindruckt." Erlangen bekommt einen spielstarken Rückraumspieler mit großer Erfahrung, der in dynamischem, temporeichen Spiel seine Stärken hat.

Es kann gut sein, dass nach einer wilden Odyssee durch die Handballigen Sime Ivic aus Split nun beim HC Erlangen seine sportliche Heimat gefunden hat. "Es ist eigentlich zu früh, um so etwas zu sagen, aber es ist schon ein besonderes Gefühl bislang in Erlangen." Eines, das er sich immer erhofft hatte, seitdem er 2014 erstmals die Heimat verließ.

Dort hatte er mit 14 mit Handball begonnen, obwohl alle aus der Familie Fußballfans sind: „Ich sah die Goldene Generation, die 2004 Olympisches Gold gewann, 2003 Weltmeister wurde und ich wusste in diesem Moment: Ich werde Handballer."

 

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