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Neumarkter Artist übt für große Bühne

Jannik Radeck erzählt vom Alltag im Salzburger Zirkuszelt - 12.04.2021 13:18 Uhr

Der Neumarkter Artist Jannik Radeck feilt in der Salzburger Zirkus-Schule an seinem Programm.

07.04.2021 © wildbild


Andere Hobbys hatten von Anfang an keine Chance. Weil die Eltern in leitender Funktion am Aufbau eines Circusvereins involviert waren, der sich 2003 aus dem Tanz- und Ballettstudio der Großeltern herauslöste, ist Jannik Radeck "praktisch in der Turnhalle aufgewachsen" und saugte wie Bruder Domenik die Begeisterung für Bewegung auf. Nachdem er bereits im Alter von fünf Jahren seinen ersten Solo-Auftritt im nordbayernweit bekannten Circus Sambesi absolvierte, fand Radeck besonderen Gefallen an der Kombination aus Artistik und künstlerischer Inszenierung. "Für mich hat sich nie die Frage gestellt, etwas anderes zu machen."

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Im klassischen Wettkampf-Turnen bewies der Neumarkter im Grundschulalter ebenfalls sein Talent und traut sich zu, bei bayerischen Meisterschaften - wenn auch nicht in der Spitze - noch immer mithalten zu können. Doch "da bist du abhängig von Jury-Bewertungen." Natürlich sei die technische Ausführung einer Übung wichtig, allein für's Lehrbuch wollte er sich indes "nicht verbiegen" und schätzt die direkte emotionale "Rückmeldung des Publikums". So genoss Jannik Radeck die umfängliche Ausbildung, erwarb unter anderem Lizenzen als Trainer für Tanz und Zirkusartistik, schloss dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr im Heimatverein an und arbeitete dort auch während eines dualen Sportmanagement-Studiums in Nürnberg.

Wohnen im Anhänger

Als dann der Bachelor-Abschluss geschafft war, ermöglichten die bei zahlreichen Vorstellungen als Aktiver gepflegten Kontakte in die Szene im vergangenen Herbst eine Anstellung als Übungsleiter in Österreichs erster offizieller Zirkusschule. Das 2018 eröffnete und öffentlich geförderte CircusTrainingsCentrum (CTC) im Salzburger Stadtteil steht als integrative Heimstätte sowohl dem Trägerverein als auch externen Gästen zur Verfügung, bezieht seinen einzigartigen Charme jedoch aus der Architektur. Schließlich liegt die Einrichtung unter dem Dach eines riesigen Zirkus-Zelts, das einst für Volksfest-Vorführungen konstruiert wurde. "Die Trainingsmöglichkeiten sind überragend, du triffst auf international hochrangige Artisten", berichtet Jannik Radeck, der standesgemäß und günstig in einem Anhänger direkt auf dem Gelände wohnt. Abzüglich gemeinschaftlicher Bereiche wie Küche oder Sanitär-Räume bleiben wenig Quadratmeter für Privatsphäre, doch der Oberpfälzer kommt in seiner besonderen WG-Blase gut klar.


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Natürlich wirken sich Corona-Beschränkungen auf den Alltag aus. Einmal wöchentlich werden die Bewohner der Zelt-Stadt getestet. Entgegen der ursprünglichen vertraglichen Vereinbarung, kann Radeck indes keinen Unterricht geben, immerhin bekommt er trotzdem etwas Taschengeld für den Unterhalt. Freie Zeit nutzt der Neumarkter für Ausflüge in die nahe Natur, konzentriert sich ansonsten voll auf sein Sportprogramm. "Ich versuche, das beste aus der Situation zu machen und nehme die Erfahrungen als Weiterbildung mit." Fünf bis sechs Stunden wird pro Tag in der Trainings-Manege geprobt. Radeck, der zum Frühstück einen Berg aus Obst auf seinem Hafer-Müsli anrichtet, aber sich für die Pflege seiner athletischen Figur keinem asketischen Ernährungsplan verschreibt, sieht sich als Allrounder breit aufgestellt, fühlt sich zwischen Jonglage und Partner-Akrobatik wohl.

Schwerpunktmäßig feilt der 24-Jährige mit einem befreundeten Lokalmatador aus Salzburg noch ein paar Monate an einer Schleuderbrett-Nummer, bei der sich die Partner mit ihrem Gewicht gegenseitig in die Höhe katapultieren. Damit soll in einer Zukunft, in der Bühnen-Veranstaltungen vor Zuschauern wieder möglich sind, der Durchbruch gelingen. Das GOP Varieté-Theater München, in dem Radeck einst bei einem Nachwuchs-Wettbewerb für Aufsehen sorgte, wäre so ein Ziel. Ebenfalls verlockend fände er, sich im Hindernisparcours der Fernseh-Sendung Ninja Warrior zu beweisen. Alleine die fehlende Griffkraft schreckt ihn bislang ab. "Langfristig sehe ich mich als Trainer, gerne wieder im Heimatverein." Wo alles angefangen hat.

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