Die ProA als Sprungbrett

Wer ist der nächste NBA-Spieler bei den Nürnberg Falcons?

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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29.9.2022, 11:00 Uhr
Gute Zeiten: Auch für Ismail Wainright war die Saison in Nürnberg wichtig. Mitterlweile spielt für die Phoenix Suns in der NBA.

© Sportfoto Zink / OGo Gute Zeiten: Auch für Ismail Wainright war die Saison in Nürnberg wichtig. Mitterlweile spielt für die Phoenix Suns in der NBA.

Sie nennen ihn „Mailman“, den Postboten, weil er pünktlich und zuverlässig liefert. Körbe, Rebounds, Assists zum Beispiel, alles, was man als Basketballprofi so liefern kann. Kürzlich war er sogar beim Baseball im Stadion der Cardinals und durfte ein paar Bälle werfen. Ishmail Wainright ist NBA-Profi bei den Suns, in seiner neuen Wahlheimat Phoenix zählt er zur Prominenz. Dabei stand er noch vor vier Jahren in der Turnhalle des Dürer-Gymnasiums und wusste nicht so recht, ob er ein Leben als Basketballprofi überhaupt führen wolle.

Wainright ist das beeindruckendste Beispiel für die Sprungbrettqualitäten der Nürnberg Falcons. Immer wieder ist es Ralph Junge gelungen, junge, teils unentschlossene, suchende Profis in die Stadt zu holen, von denen inzwischen nicht mehr ganz klar ist, wer da wem auf die Sprünge geholfen hat: Brayden Hobbs spielte nach seinem Jahr in Nürnberg für die Bundesligisten Gießen, Ulm und Oldenburg und sogar ein Jahr für Bayern München. Nach einem Jahr in Spanien ist er nun wieder in die Bundesliga zurückgekehrt, Hobbs läuft künftig für Braunschweig auf. Und wer weiß schon, was aus Jackson Kent geworden wäre, wenn er sich nicht an der Hand verletzt und ein Angebot von einem Sportartikelhersteller bekommen hätte. „Das waren Spieler, die die Zuschauer mit ihrer Spielweise überrascht haben“, Spieler, für die alleine es sich gelohnt hat, sich ein Ticket zu kaufen.

Doch wer wird die Zuschauer überraschen, wenn die Falcons am Samstag (18.30 Uhr) in die nächste Zweitliga-Saison starten?

Am Ende gewinnt das beste Team, oder?

In einem Gespräch im Café würde Geschäftsführer Junge am liebsten alle Spieler aufzählen, die Coach Vytautas Buzas gegen Trier auf das Parkett der Kia Metropol Arena schicken könnte: Thomas Wilder zum Beispiel, der schon einmal in der Vorbereitung beim Bundesligisten Ludwigsburg überzeugt hatte, oder Rocky Kreuser, einen jungen Mann aus White Bear Lake in Minnesota, für den die Falcons erst nach einer Schulterverletzung im Frühjahr interessant wurden. Sheldon Eberhardt könnte für spektakuläre Momente sorgen. Junge freut sich auf die Entwicklung von Moritz Krimmer, Tim Köpple oder den jungen Nürnbergern um Christian Feneberg. Aber ist da auch ein neuer Wainright dabei, ein neuer Hobbs? Junge weiß es nicht, noch nicht.

Neu in Nürnberg: In der Vorbereitung ist Sheldo Eberhardt schon einmal durch spektakuläre Einlagen aufgefallen. 

Neu in Nürnberg: In der Vorbereitung ist Sheldo Eberhardt schon einmal durch spektakuläre Einlagen aufgefallen.  © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, NN

In seiner Zeit in Ehingen hatte er einst einen jungen, unfertigen Spieler aus Leverkusen trainiert. „Niemand hätte gedacht, dass der irgendwann bei einer EM spielt, ich am allerwenigsten.“ Doch genau das hat Chris Sengfelder kürzlich gemacht, zum Sieg gegen Ungarn trug er 22 Punkte bei. Überhaupt die EM. „Da hat man doch gesehen, dass es am Ende nicht immer um das individuelle Talent geht“, sagt Junge, „sondern um das beste Team.“ Und genau das sollen sie in dieser Zweitliga-Saison sein, die Nürnberg Falcons.

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