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Mittwoch, 22.05.2019

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Nürnberger Ringer sahnen Silber und Bronze bei EM ab

Zwei Freunde laufen in Rumänien zur Topform auf - 23.04.2019 15:00 Uhr

Zwei von drei deutschen Medaillen bei der Ringer-EM: Fabian Schmitt (links) und Roland Schwarz aus Nürnberg überraschten in Rumänien.


Als Roland Schwarz in einem Bukarester Hotelbett aufwacht, da spürt er, dass dieser Tag seiner werden würde. "Es war ein ganz besonderes Gefühl", sagt Schwarz, "ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass ich gewinnen werde." Also stand er auf und tat einfach das, was er am liebsten macht: Ringen. Gegen einen ehemaligen Europameister, gegen einen Vize-Olympiasieger und den U23-Weltmeister. Sie alle hatten gegen den 22-Jährigen keine Chance, der sich jetzt Vize-Europameister in der Gewichtsklasse bis 77 Kilogramm nennen darf.

Schwarz sitzt mit seinem guten Kumpel Fabian Schmitt in einem Nürnberger Café, neben ein paar Kaffeetassen und Wassergläsern liegen zwei Medaillen auf dem Tisch. Eine silberne, die Schwarz bei der Europameisterschaft in Rumänien gewonnen hat. Und eine bronzene, mit der Schmitt heimgekommen ist.

Bestes deutsches Ergebnis seit mehr als 20 Jahren

Drei deutsche Sportler schafften es bei der EM in der griechisch-römischen Klasse auf das Treppchen, zwei davon kommen aus Nürnberg. Dabei sah es anfangs gar nicht so aus, als würden zwei Ringer aus der Stadt solch große Erfolge feiern dürfen. Umso überraschender kam der Erfolg, der maßgeblich zum besten EM-Ergebnis der deutschen Ringer seit mehr als 20 Jahren beitrug.

Wenn Roland Schwarz mit ein paar Tagen Abstand über seine Reise spricht, dann erinnert er sich zuerst an die Enttäuschung. "Als ich die Auslosung gesehen habe, dachte ich mir: Toll, wieder eine EM ohne Medaille, aber dann habe ich einfach versucht, mir Mut zuzureden."

Dieser Mut trug ihn durch seine Kämpfe gegen die vermeintlich stärkeren Gegner, nach vier Siegen stand Schwarz im Finale gegen den Russen Roman Vlasov, der 2012 und 2016 Olympiasieger wurde. Roland Schwarz muss lachen, wenn er davon erzählt, schließlich kennt er Vlasov schon seit vielen Jahren, "er ist eine lebende Legende und war früher mein Vorbild", sagt der 22-Jährige, "als ich in der Jugend mal in Russland im Trainingslager war, habe ich noch Fotos mit ihm gemacht".

Für Ehrfurcht war allerdings kein Platz, "ich habe mich einfach auf den Kampf gegen ihn gefreut, eine Medaille hatte ich ja schon sicher." Nach zwei hohen Wertungen für Vlasov war der Kampf schnell vorbei, die WM endete für Roland schwarz also mit Silber. Und: mit ganz viel Stolz.

Schmitt: "Sehr viel Kopfsache"

Genauso wie für Fabian Schmitt. Der 26-Jährige wurde in den vergangenen Monaten erst Deutscher Meister im Einzel, dann Mannschaftsmeister mit Burghausen – in Rumänien holte er sich dann auch noch Bronze bei der EM. In der Gewichtsklasse bis 55 Kilo unterlag er zwar gleich zu Beginn dem Rumänen Florin Tita, in der Hoffnungsrunde aber bezwang Schmitt den Norweger Anders Roenningen und sicherte sich so seine erste internationale Medaille.

"Ich habe lange auf diesen Erfolg hingearbeitet", sagt Schmitt, der schon einmal ganz oben war. Fünf Jahre lang konnte er als Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr von seinem Sport leben, seit drei Jahren ist er kein Profi mehr – und trotz eines Vollzeitjobs in der Form seines Lebens. "Es ist sehr viel Kopfsache", sagt Schmitt, "ich habe mich einfach persönlich weiterentwickelt und bin erfahrener geworden."

Nächster Halt: Weltmeisterschaft

Auf den Erfolgen wollen sich Schmitt und Schwarz, der seit eineinhalb Jahren Sportsoldat ist, aber nicht ausruhen. "Man muss sich natürlich neue Ziele setzen", sagt Schmitt, "das Ziel ist Olympia", sagt Schwarz. Die nächste Möglichkeit, sich dafür zu qualifizieren, ist die Weltmeisterschaft in Kasachstan im September. Danach werden sich beide wieder öfter sehen: Schwarz wechselt zur neuen Saison ebenfalls zum deutschen Mannschaftsmeister nach Burghausen, mit dem sie dann in der Bundesliga gegen ihren früheren Verein, die Johannis Grizzlys, auf der Matte stehen werden. 

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