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"Qualität, Spiele zu gewinnen": Palikuca bleibt cool beim Club

1. FC Nürnberg steht aktuell im Niemandsland der Tabelle - 25.09.2019 06:00 Uhr

"So lange ich davon überzeugt bin, habe ich auch Vertrauen": Robert Palikuca. © Foto: Daniel Marr/Zink


Selbst auf der zweitägigen DFL-Tagung in Frankfurt am Main konnte Robert Palikuca nicht loslassen. Um ihn herum saßen schließlich die Kollegen der 35 anderen Erst- und Zweitligisten, von denen ihm und seinem Club in letzter Zeit einige übel mitgespielt haben. Und der Fußball ist schließlich seine große Passion.

Seit dem 6. April ist Palikuca offiziell Sportvorstand des 1. FC Nürnberg – und stieg gleich mal mit ab. Nach zwei aufgrund ihres Zustandekommens denkwürdigen Remis (Schalke, Bayern) und vier krachenden Niederlagen musste auch Palikuca eingestehen, dass der Aufsteiger nicht gut genug war für die höchste Klasse.

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Dass es auch in der zweithöchsten nicht so recht laufen mag für seine Nürnberger, überrascht Palikuca dann aber doch, zumindest die Ergebnisse in letzter Zeit machen ihm zu schaffen. Seine ganz persönliche Bilanz seit Dienstantritt liest sich sogar einigermaßen schrecklich; liga-übergreifend zwei Siege in 13 Partien, das wurmt ihn natürlich extrem. "Den Abstieg", fordert Palikuca, "sollten wir aber ad acta legen."

Was zählt, ist das Hier und Jetzt, der Status quo, heißt: Neun von 21 möglichen Punkten, Platz zwölf. Das ist, trotz der auch intern deutlich höheren Ansprüche, "kein Weltuntergang", sagt Palikuca, "wir bewegen nach wir vor die Massen, jetzt müssen wir es nur schnellstmöglich schaffen, wieder ein positives Gesprächsthema zu werden."

Lethargisch bis lasch

Dass der Club spätestens seit Samstag und dem 1:1 gegen Karlsruhe ein eher negatives ist, führt Palikuca insbesondere auf die lethargische, ja lasche Darbietung seiner Profis nach dem Seitenwechsel zurück. "Wir schaffen es nicht, 90 Minuten stabil zu sein", ärgert sich der Sportvorstand, "wir schaffen es nicht, 90 Minuten zu agieren, das Spiel zu machen." Letztlich auch eine Frage der individuellen Mentalität, wenngleich er vom Wir-Gefühl und gemeinsamen Siegeswillen überzeugt ist. "Nur müssen sie diesen Willen auch 90 Minuten mit ihrer Körpersprache transportieren." Auch wenn es spielerisch vielleicht mal nicht so läuft.

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Am Samstag transportierten einige nicht zuletzt Sorg- und Ratlosigkeit über den Platz, womit laut Palikuca schon zeitnah Schluss sein müsse. Grundsätzliche Zweifel an der Qualität Einzelner verbieten sich für ihn, nicht bloß Anfang September und nach "20,6 Prozent" (Palikuca) der Saison. Für die verbleibenden 79,4 wünscht er sich dennoch einen anderen Spirit, mehr Gier und Feuer. Von allen Beteiligten.

Unruhig wird Palikuca deswegen nicht gleich, dafür kann es im Fußball zu schnell auch wieder in die andere Richtung gehen. "Ich bin grundsätzlich ein Typ, der Vertrauen schenkt", sagt Palikuca, seiner Mannschaft und auch dem Trainerteam. "Und ich habe das Gefühl, dass sie gemeinsam dafür arbeiten, Erfolg zu haben. So lange ich davon überzeugt bin, habe ich auch Vertrauen."

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Soll heißen: Der Chef der ja offiziell auf zwei Jahre befristeten Mission Wiederaufstieg bleibt auch nach drei Unentschieden in Folge cool, obwohl es eigentlich drei Siege hätten werden sollen. Und auch hätten werden können. Wenig Verständnis hat Palikuca, wenn intern versucht wird, eine grundsätzlich unschöne Statistik einigermaßen schönzureden.

Drei Unentschieden in Folge lassen für ihn eigentlich nur einen Schluss zu: "Wir haben dreimal nicht gewonnen, in jedem Spiel passiert etwas, was uns nicht gefällt." Für den Trainer und auch für Michael Frey ist das Glas nach mittlerweile fünf Wochen ohne Niederlage hingegen mindestens halbvoll.

"Wir haben die Qualität, um Spiele zu gewinnen", entgegnet Robert Palikuca, kann gerade aber ebenfalls "keine generell negative Grundtendenz" bei seinem Club erkennen. Uneingeschränkt positiv ist sie aber eben auch nicht. "Bevor wir die Sachen schönreden, legen wir lieber den Finger in die Wunde, ich glaube, dass uns das besser machen wird."

Wolfgang Laaß

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