Roßtals Handballer steigen auf

18.5.2020, 19:51 Uhr
In der Bayernliga werden solche Zweikämpfe, wie sie der Roßtaler Christoph Nepf (rot) hier gegen den TSV Haunstetten führt, noch zu den harmloseren gehören. „Das wird wehtun“, glaubt der Coach.

In der Bayernliga werden solche Zweikämpfe, wie sie der Roßtaler Christoph Nepf (rot) hier gegen den TSV Haunstetten führt, noch zu den harmloseren gehören. „Das wird wehtun“, glaubt der Coach. © Foto: Oliver Gold/Zink

Für Bernd Hitzler schließt sich ein Kreis: Vor 20 Jahren ist er schon einmal mit einer Roßtaler Mannschaft aufgestiegen, die Bayernliga aber ist Premiere.

Für Bernd Hitzler schließt sich ein Kreis: Vor 20 Jahren ist er schon einmal mit einer Roßtaler Mannschaft aufgestiegen, die Bayernliga aber ist Premiere. © Foto: Oliver Gold/Zink

"Wenn ich mit dem Fahrrad durch Roßtal fahre, treffe ich immer wieder Spieler von mir beim Joggen", erzählt der Trainer der TSV-Handballmänner. Dabei hätte sein Team jetzt auch ganz offiziell Sommerpause.

Noch Mitte März, als die Saison der Landesliga Nord wegen der Pandemie als unterbrochen galt, erzählte Hitzler dieser Zeitung, dass sich die Spieler mit einer Trainings-App auf dem Handy fit hielten – für den Tag X, an dem es weitergehen sollte. Doch der Bayerische Handball-Verband hat Ende April die Saison für beendet erklärt.

Und nach wochenlangem Zittern ist nun auch klar: Es wird keine Absteiger geben, dafür zwei Aufsteiger. Die Bayernliga wird deshalb von 14 auf 16 Teams aufgestockt. Knifflig war das für die Roßtaler, denn sie lagen mit jeweils 30:10 Punkten gleichauf mit der HSG Fichtelgebirge auf Rang zwei der Tabelle. "Wir haben noch nicht gegeneinander gespielt, hatten aber die bessere Tordifferenz", erklärt Hitzler die Quotientenregel, die den Aufstieg am Grünen Tisch bedeutete. Jubeln traute sich jedoch noch keiner im Verein, bis das Schreiben des Verbands vor wenigen Tagen eintraf.

Und selbst jetzt wirkt der Aufstiegstrainer fast ein wenig ungläubig: "Keiner kann sich so richtig freuen, das ist jetzt alles ein wenig untergegangen." Doch so nach und nach dämmert dem gebürtigen Roßtaler, was er da mit seiner Mannschaft erreicht hat: "Wir sind erstmals in unserer Vereinsgeschichte in die Bayernliga aufgestiegen. Jetzt freuen wir uns, dass wir da ein bisschen mitspielen dürfen."

Defensiv spielen und reden

Dass das äußerst defensiv formuliert ist, gibt er sofort zu. "So habe ich mich auch während dieser Landesligasaison geäußert." Denn die vergangene Spielzeit ließ den Trainer den Ball flach halten: Als Tabellenachter konnte nur der Klassenerhalt das Ziel sein. Dass es nun der Aufstieg wurde, wundert ihn selbst. "Ich hätte nie gedacht, dass unser neues System so schnell greift." Der 57-Jährige, der zum Broterwerb in einem Ingenieurbüro mit U-Bahnen zu tun hat, hatte die Abwehrformation verändert.

Vor allem in der Rückrunde zeigte sein Team nur bei der Niederlage gegen Spitzenreiter Cham Schwächen, weil wichtige Spieler fehlten. Der ASV wird einer der wenigen Vereine sein, die das versierte Roßtaler Handballpublikum schon kennt – 200 bis 300 Zuschauer kommen zu den Heimspielen. Hitzler erwartet, dass in der Bayernliga trotz fehlender Derbys sogar noch mehr Handballfans in die Mittelschulhalle kommen – so sie denn als Spielstätte dienen darf.

Denn mit dem Aufstieg tauchen neue Herausforderungen und Fragen auf: Neben steigenden Schiedsrichterkosten und den Bussen, die für die langen Auswärtsfahrten gebucht werden müssen, wird Harz ein neues Thema sein. In der Bayernliga ist das Haftmittel an den Händen Vorschrift. Doch das müssen Kommunen, denen die Hallen gehören, erlauben. "Wir werden uns bald mit der Schule und der Gemeinde zusammensetzen, das müssen wir regeln." Bislang gilt in der Mittelschule ein Harzverbot. Vor wichtigen Spielen hat die Mannschaft in der Sportmeile mit Harz trainiert und noch am selben Abend die Halle sauber gemacht, damit am Folgetag die Schüler ihre Sportstunden abhalten konnten.

Der Kader wird zusammenbleiben

Eine weitere Baustelle soll erst gar keine werden. Die Kaderplanung läuft derzeit so, dass Hitzler seine Spieler einzeln anruft und sie fragt, ob sie den zeitlichen Mehraufwand in der höheren Spielklasse leisten wollen. Seine Prognose: "90 bis 95 Prozent werden bleiben. Speziell auf die Suche nach neuen Spielern gehe ich nicht, die Mannschaft hat es verdient zusammenzubleiben." Obwohl man sich auf einigen Positionen verstärken müsste, um die Klasse sicher zu halten.

Doch der TSV fährt die Devise: "Wenn es nach hinten losgeht, ist uns keiner böse." Hitzler selbst hat nie höher als Landesliga gespielt, ist aber als Trainer mit Ansbach, Stadeln und vor exakt 20 Jahren mit Roßtal in die Landesliga aufgestiegen. "Da schließt sich für mich der Kreis." Die Bayernliga wird also auch für ihn Neuland, doch er weiß: "Der Sport da oben ist körperbetonter. Das wird weh tun." Deshalb werde er den Schwerpunkt seines Trainings auf Kraft und Prophylaxe legen. "Ich werde versuchen, ihnen beizubringen, dass wir uns den Schneid nicht abkaufen lassen." Es werde eine lange Saison werden mit kaum freien Wochenenden, der Pokal wird wohl ausgesetzt.

Noch aber darf keine Mannschaftssportart in der Halle trainieren. Der Deutsche Handballbund hat einen Neun-Stufen-Plan konzipiert: von reinem Techniktraining, ohne dem Mitspieler den Ball zuzuwerfen, bis zum kompletten Training ohne Einschränkungen.

Ende Juni, Anfang Juli, so spekulieren sie in Roßtal, könne es vielleicht schon losgehen. Normalerweise beginnt die Handballsaison Mitte September. Ob das zu halten ist, mag niemand voraussagen. Es ist also noch genug Zeit, um zu begreifen: Der TSV Roßtal ist aufgestiegen.

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