Enttäuschung

1:5 beim VfB! Kleeblatt kassiert Packung zum Saisonauftakt

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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14.8.2021, 17:32 Uhr
Mit 1:5 kam das Fürther Kleeblatt zum Saisonauftakt beim VfB Stuttgart unter die Räder.

© Wolfgang Frank/Eibner-Pressefoto, Wolfgang Frank/Eibner-Pressefoto Mit 1:5 kam das Fürther Kleeblatt zum Saisonauftakt beim VfB Stuttgart unter die Räder.

Als sich der VfB Stuttgart und das Kleeblatt zum letzten Mal in der ersten Bundesliga trafen, da war die Spielvereinigung schon abgestiegen. Am 32. Spieltag der Saison 2012/2013 gewannen die Fürther im Neckarstadion durch ein Eigentor von Sakai sowie einen Treffer von Ilir Azemi mit 2:0. Es war der vierte und letzte Sieg der Spielzeit, zwei Wochen später war das erste Bundesliga-Jahr der Vereinsgeschichte vorbei.

Acht Jahre später ist die Spielvereinigung zurück in der Bundesliga - und für viele Experten schon vor Saisonbeginn abgestiegen. Doch beim Kleeblatt verspüren sie trotz einer schwierigen Vorbereitung ohne Sieg eine große Vorfreude auf das zweite Bundesliga-Jahr der Historie. Der erste Ausflug führte sie am Samstagnachmittag wieder nach Stuttgart. Beim VfB hielt die Spielvereinigung anfangs gut mit, zerfiel aber im zweiten Durchgang und verlor am Ende mit 1:5 (0:2).

Für das erste laute Ooooh im Stadion sorgten die Fürther. Luca Itter setzte sich in der sechsten Minute auf der linken Außenbahn durch und flankte in den Strafraum, nach einem Stuttgarter Klärungsversuch schoss Branimir Hrgota ein paar Meter zu hoch. Stattdessen jubelte im Gegenzug der VfB. Mateo Klimowicz stand nach einer Hereingabe von Robert Massimo frei und traf flach zum vermeintlichen 1:0. Doch was die jubelnden Stuttgarter Fans nicht sahen: Der Linienrichter hatte schon lange seine Fahne gehoben. Abseits.

Kurz darauf musste der VfB das erste Mal verletzungsbedingt wechseln, Philipp Klement kam nach acht Minuten für Atakan Karazor. Auf dem Platz ging es dagegen munter weiter. Die Fürther spielten forsch und mutig, nach einer Balleroberung in der eigenen Hälfte ging es schnell nach vorne, Hrgota verzögerte geschickt und schoss aus 16 Metern nur knapp am Stuttgarter Tor vorbei. Auf der anderen Seite klärte Justin Hoogma in höchster Not gegen Stuttgarts Hamadadi Al Ghaddioui.

Das Kleeblatt wirkte weiter selbstbewusst, kam aber offensiv nicht mehr so zum Zuge - und bekam gegen den ballsicheren und offensivfreudigen VfB einige Probleme. Nach einer halben Stunde klärte Torhüter Sascha Burchert an der Seitenlinie gegen den aufgerückten Massimo. Stuttgart war jetzt klar besser - und ging wenig später in Führung. Philipp Förster schickte Kapitän Wataru Endo in den Strafraum, der den Ball cool über Burchert zum 1:0 ins Tor lupfte (30. Minute).

Das Kleeblatt wirkte jetzt fast ein bisschen geschockt, bis zum Gegentor hatten die Fürther gut mitgehalten und erstaunlich mutig agiert. Doch jetzt wurde es wild im Strafraum vor Burchert. Einen Kopfball von Al Ghaddioui hielt der Torhüter noch stark, doch dann war er zum zweiten Mal machtlos. Klimowicz spielte per Außenrist auf Klement, der aus spitzem Winkel zum 2:0 traf (36.). Der VfB hatte seine kurze Drangphase genutzt - und ging knapp zehn Minuten später mit einer klaren Führung in die Pause.

Für den zweiten Durchgang hatten sich die Fürther einiges vorgenommen. Vom Anstoß weg spielten sie nach vorne, schon 30 Sekunden nach Wiederanpfiff tauchte Havard Nielsen gefährlich im Sechzehner auf. Jubeln durfte der Angreifer aber nicht, sein Schuss wurde auf der Linie von einem Stuttgarter Verteidiger geklärt. Der erste Bundesliga-Treffer der neuen Saison wäre so wichtig gewesen, doch statt 1:2 stand es zehn Minuten später 0:3. Stuttgarts Marc Oliver Kempf setzte sich nach einer Ecke gegen Hoogma und Bauer durch und köpfte den Ball zum dritten Mal ins Fürther Tor.

Spätestens damit hatte der VfB dem anfangs so mutigen Kleeblatt jeglichen Elan genommen. Stefan Leitl brachte Hans-Nunoo Sarpei für den erneut wirkungslosen Nils Seufert und Dickson Abiama für Nielsen. Auf dem Platz spielte aber weiterhin nur Stuttgart - und belohnte sich. Der in der Vorsaison so starke Borna Sosa durfte flanken, in der Mitte sah Maximilian Bauer gegen Al Ghaddioui sehr schlecht aus - schon stand es 4:0 für den VfB. Die große Vorfreude war auf Fürther Seite längst der Angst vor einem Debakel gewichen.

Der VfB brachte nun in Mohamed Sankoh unter anderem ein 17 Jahre junges Talent, während die euphorisierten Stuttgarter Fans im Stadion lautstark von der Meisterschaft sangen. Sankoh sprintete Bauer kurz nach seiner Einwechslung davon, scheiterte aber an Burchert - und prallte dabei regelrecht am Fürther Torhüter ab. Der Arbeitstag endete für ihn unter lautem Applaus des Stadions auf einer Trage.

Burchert wurde anschließend bei jedem Ballkontakt vom Stadion ausgepfiffen, ließ sich davon aber nicht beeindrucken und bewahrte seine nun hilflose Mannschaft vor weiteren Gegentoren. Nach 75 Minuten war er aber zum fünften Mal geschlagen. Und wieder sah das Kleeblatt nach einer Ecke sehr schlecht aus. Stuttgarts Innenverteidiger Kempf setzte sich zum zweiten Mal gegen seine Bewacher durch und köpfte den Ball zum 5:0 ins Tor.

Der Traum von der ersten Liga war für die elf Fürther auf dem Platz schon am ersten Spieltag zum Albtraum geworden. Die letzte Viertelstunde hatte den Charakter eines Trainingsspiels. Die Stuttgarter Fans feierten lautstark, ihre Mannschaft kombinierten ansehnlich - und die Fürther liefen fast immer nur hinterher. "Einer geht noch, einer geht noch rein", erklang von den Rängen. Diesen Wunsch erfüllte der VfB den Zuschauern aber nicht mehr. Stattdessen konterten die Fürther über die eingewechselten Abiama und Leweling. Das Eigengewächs umkurvte den Stuttgarter Torhüter in der Nachspielzeit und traf zum 1:5. Dann war das Spiel vorbei. Um 17:22 Uhr erlöste Schiedsrichter Felix Zwayer die Fürther, die mit hängenden Köpfen vom Platz schlichen.

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