Chef auf dem Platz

Mutig und selbstbewusst: Paul Seguin hat mit Fürth noch viel vor

31.7.2021, 06:00 Uhr

"Wir müssen alle noch einen Schritt mehr machen", sagt Paul Seguin, der auch in der Bundesliga nicht vom Fürther Stil abweichen will. © Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink

Auch am Samstagabend wird Paul Seguin wieder alles versuchen, um einen Wutanfall zu vermeiden. Um 18 Uhr deutscher Zeit spielt er mit seiner Mannschaft beim türkischen Spitzenklub Fenerbahce Istanbul (Livestream auf der Homepage der SpVgg). Es wird eine Herausforderung für die Spielvereinigung, die im Atatürk-Olympiastadion ihre Form für die Bundesliga testet.

Verstecken will sich Seguins Kleeblatt aber weder in der Türkei noch an den kommenden 34 Spieltagen in Liga eins - sie wollen mutig sein und nach vorne spielen. So, wie sie es auch in der vergangenen Saison gemacht haben. So, wie sie aufgestiegen sind. Es ist ganz nach dem Geschmack von Paul Seguin, dem Chef im Fürther Mittelfeld. "Ich hasse es, wenn mich eine Mannschaft bespielt", sagt er. "Da krieg ich Wutanfälle."

Klare Worte für die Neuzugänge

Wut ist im Fußball wie im Leben allerdings nur selten ein guter Ratgeber. Deshalb arbeiten die Fürther seit ein paar Wochen daran, das eigene Spiel noch besser und auch die neuen Spieler mit den Prinzipien vertraut zu machen. Im Trainingslager war Paul Seguin noch nicht mit all seinen neuen Kollegen zufrieden, am letzten Tag setzte sich deshalb auch der Mannschaftsrat mit den erfahrenen Führungsspielern (Hrgota, Nielsen, Burchert, Green, Seguin) zusammen.

"Wir wollen alle besser werden", sagte Seguin danach in der Medienrunde, "wenn man etwas sieht, muss man es klar ansprechen und einfordern. Gerade die neuen Spieler müssen sich an das Tempo gewöhnen, das wir spielen." Es sollte kein Jammern sein, das ginge auch gegen Seguins Selbstverständnis. Einer wie er jammert nicht, sondern geht lieber voran - auf und neben dem Platz. "Wir müssen alle noch einen Schritt mehr machen", sagt er, "denn in der Bundesliga wird es schwerer als in der zweiten."

Paul Seguin aber freut sich auf diese schweren Aufgaben, die er mit viel Selbstbewusstsein angehen will. "Wir haben einen klaren Plan, wie wir Fußball spielen, von dem wird nicht abgewichen", sagt er - auch nicht eine Liga höher, trotz namhafter Gegner. "Wir werden unseren Weg nicht verändern, warum auch, wir waren damit ja sehr erfolgreich"

Vorbild: Italien bei der EM

In diesem klaren Plan von Trainer Stefan Leitl ist er ein zentraler Baustein, eine Schlüsselfigur. Wer die Fürther in der Vorbereitung beobachtet, sieht in jedem Spiel, wie Paul Seguin das Spiel an sich reißt, lautstark dirigiert, kurz: der Chef auf dem Platz ist. "Kommunikation ist sehr wichtig", sagt Seguin, der "von Natur aus eher ein ruhigerer Typ" ist. "Auf meiner Position ist es sehr wichtig, den Mund aufzumachen, um sich durch Kommunikation zu helfen und Laufarbeit zu sparen."

Denn das Spiel des Kleeblatts ist ohnehin ein anstrengendes, die Mannschaft presst den Gegner sehr hoch, um ihn unter Stress zu setzen. "Es ist wichtig, dass wir gemeinsam gut verteidigen, denn wenn wir das alle gut machen, wird es für alle Mannschaften schwer", sagt Seguin. "Dass wir Fußball spielen können, haben wir gezeigt." Bei der EM hat ihm beispielsweise das italienische Pressing imponiert, "das ist alles Kopfsache", findet Fürths Chef, "warum sollen wir das nicht auch können?"

Am Samstagabend werden sie deshalb in Istanbul wieder viel laufen und aggressiv sein, um sich den Ball so früh wie möglich zu holen. "Wir brauchen vor keinem Gegner Angst zu haben", sagt Seguin. Hinten reinstellen will er sich jedenfalls nicht, auch nicht demnächst gegen Bayern oder Dortmund. Auch, um Wutanfälle zu vermeiden.

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