Mehr Erste-Hilfe-Einsätze

Steigende Besucherzahlen im Fränkischen Seenland fordern die Wasserwacht

18.6.2021, 05:59 Uhr
Die Rettungsschwimmer der Wasserwacht haben das Treiben am und auf dem Brombachsee fest im Blick.

© Andreas Regler Die Rettungsschwimmer der Wasserwacht haben das Treiben am und auf dem Brombachsee fest im Blick.

Allmannsdorf am Nordufer des Große Brombachsees ist das Revier der Wasserwach-Ortsgruppe Georgensgmünd. Seit der See eingeweiht worden ist, sind die ehrenamtlichen Wasserretterinnen und -retter aus der Rezatgemeinde hier im Einsatz. Von Mai bis September sorgen sie an Wochenenden und Feiertagen am Strand und auf dem Wasser für die Sicherheit der Besucher. Die Pandemie und ihre Begleiterscheinungen sorgten in den vergangenen 15 Monaten bei den ehrenamtlichen Helfern für erhebliche Herausforderungen, wie Manfred Ziegler erklärt, der seit 31 Jahren bei der Wasserwacht und seit fünf Jahren Vorsitzender der Ortsgruppe ist.

Dass im Sommer 2020 das Seenland mit Besuchern regelrecht überflutet wurde, schlägt sich auch in der Einsatzstatistik der Gmünder nieder. "Wir hatten etwa doppelt so viele Erste-Hilfe-Einsätze am See wie 2019", berichtet Ziegler. Gleichzeitig habe man jedoch rund 1000 Mannstunden weniger geleistet. Denn statt der normalen Wachstärke von mindestens sieben Personen ließen die Corona-Bestimmungen nur fünf zu. Mehr Arbeit also für weniger Personal. Zudem sorgten die oft wechselnden Hygienevorgaben für zusätzlichen Aufwand.

Die Art der Einsätze habe sich laut dem Vorsitzenden hingegen nicht wesentlich verändert. "Bei gutem Wetter haben wir im Wasser am wenigsten zu tun, dafür aber mehr Arbeit an Land." Insektenstiche behandeln, Wunden versorgen, vermisste Kinder (oder Eltern) suchen, die Aufgaben sind vielfältig. Mit Baywatch hat das Ganze jedenfalls wenig zu tun – von den roten Badehosen einmal abgesehen. "Ändert sich das Wetter, ändert sich der Schwerpunkt", so Ziegler weiter.


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Am Strand ist es ruhig, dafür ist dank Seglern, Surfern und zuletzt auch immer mehr Kite-Surfern auf dem Wasser einiges los. Die Zahl der Badeunfälle hat trotz der tendenziell abnehmenden Schwimmfertigkeiten vieler und der erhöhten Besucherzahlen im Dienstbereich der Gmünder Wasserwacht übrigens wider Erwarten nicht zugenommen.

Da kommt dem Brombachsee laut Ziegler nicht zuletzt seine Größe zugute. "Laien versuchen erst gar nicht, über den See zu schwimmen." Ähnlich fällt das Fazit des DLRG-Ortsverbands Pleinfeld aus, der am Südufer in Ramsberg Wache schiebt. "Aufgrund der erhöhten Besucherzahlen hatten wir vermehrt Erste-Hilfe-Einsätze", berichtet dessen Vorsitzender, Rüdiger Missberger.

Das Training fehlt

Waren es 2019 noch 101 gewesen, stieg die Zahl 2020 auf 197. Auf dem Wasser seien die Einsatzzahlen hingegen "vergleichbar" mit den Vorjahren. Ein Grund dafür sei laut Einsatzleiter Christian Stöckl, dass "die Segelvereine ihr Angebot an Regatten auf Null heruntergefahren haben." Außerdem, so betont Ziegler, habe es bei Themen wie Abstand, Maskenpflicht oder Hygienevorschriften erfreulich wenig Ärger mit Besuchern gegeben. "Das Verhalten der Leute ist nicht schlimmer geworden." Aber nicht nur der Seedienst hat sich für Wasserwacht und DLRG im Zuge von Corona verändert, gleiches gilt für die Aus- und Fortbildung. Aufgrund der Witterung und allerorten geschlossener Bäder sei laut Ziegler zuletzt "ein halbes Jahr praktisch kein Training im Wasser möglich gewesen" – für Rettungsschwimmer ein echtes Problem.

Damit der Aus- und Fortbildungsbetrieb nicht völlig zum Erliegen kommt, seien Online-Lehrgänge angeboten oder beim Seedienst die freien Minuten für interne Übungseinheiten genutzt worden. Bootsführerschein, Taucherausbildung, Rettungsdienst-Ausbildung ("Online jemanden in die stabile Seitenlage bringen, ist eben schwierig."); viele praktische Lehrgänge sind seit März 2020 einfach weggefallen und müssen nun nachgeholt werden.


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Wie sich die Corona-Zeit mittelfristig auf die Wasserwacht Georgensgmünd auswirkt, da ist sich Manfred Ziegler noch unsicher. Zwar seien wegen Corona noch keine Austritte zu verzeichnen und die Ortsgruppe habe die Situation bislang gut gemeistert. Welche Folgen Dinge wie die ausbleibenden Neuzugänge oder die teils fehlenden Aus- und Fortbildungsmaßnahmen haben werde, all das werde sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

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