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Teamgeist in der Krise: HC Erlangen setzt auf Zusammenhalt

Spieler verzichten auf Gehalt - Saisonabbruch immer wahrscheinlicher - 27.03.2020 11:14 Uhr

Zusammenhalt – wenn auch derzeit ohne Körperkontakt: Die Spieler des HC Erlangen befinden sich in Kurzarbeit. Der Geschäftsführer ist optimistisch.

© Sportfoto Zink


Sebastian Firnhabers Tor zum 28:25. Nikolas Katsigiannis’ Parade fünf Minuten vor Schluss. 4237 Zuschauer, die es sie nicht mehr auf den Sitzen hält. Die erlösende Schlusssirene. Die Tränen von Kevin Schmidt. Der verschwitzte Michael Haaß auf der Pressekonferenz. Alles Momentaufnahmen, Erinnerungen an den 5. März, dem 28:26- Sieg über den Bergischen HC, verbunden mit dem Sprung auf Platz 14 der Tabelle mit fünf Punkten Distanz auf den ersten Abstiegsplatz. Es sind sehr wahrscheinlich die letzten Bilder dieser Saison in der Handball-Bundesliga vom HC Erlangen.

"Wir stehen weiter im engen Kontakt mit der Liga", sagt René Selke, Geschäftsführer des HC Erlangen. "Noch hoffen wir alle, dass die letzten sieben Spiele irgendwann bestritten werden können. Aber ich persönlich rechne eher damit, dass das nicht mehr geschehen wird."

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Die Corona-Pandemie legt auch den Profisport mit seinen Großveranstaltungen lahm. Vergangenen Donnerstagabend wäre es in Mannheim zur Revanche für das 29:29 aus dem Hinspiel gekommen – doch die Rhein-Neckar Löwen, 2016 und 2017 Deutscher Meister, 2018 Pokalsieger, stehen unter Quarantäne: Ein halbes Dutzend der Spieler sowie der Trainer sind an Covid-19 erkrankt. Den Umständen entsprechend, heißt es, gehe es ihnen gut.

Alle sind gesund

Beim HC Erlangen sind sowohl in der Mannschaft als auch im Funktionsteam alle gesund. "Wenn es nur nach uns ginge, könnten wir sofort wieder Handball spielen. Aber wir sind uns der Verantwortung bewusst", sagt Selke. Seit 13. März sind Spielplan und Tabelle eingefroren. Alle Spieler sind in Kurzarbeit geschickt, halten sich selbstständig in Erlangen getrennt voneinander fit, falls es doch wider erwarten weiter gehen sollte. Das letzte gemeinsame Training fand am 11. März statt, seitdem stehen sie lediglich via Messenger-Gruppe in Kontakt.

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Für alle Profisportvereine bedeutet die ungewisse Situation vor allem wirtschaftlich ein Risiko. Dem HC Erlangen entfallen kalkulierte Einnahmen von drei Heimspielen, darunter gegen Meister Flensburg. "Die Lage ist angespannt", sagt Selke. "Wie für jedes Wirtschaftsunternehmen ist die Ungewissheit, wie lang die Krise andauern wird, unser größtes Problem." Sollten Sponsoren Zahlungsprobleme bekommen oder gar Insolvenz anmelden müssen, wirkt sich das auch auf die Klubs aus. Aber: "Wir sind optimistisch, aber es bedarf auch einer großen Solidarität um diese Krise zu überstehen", sagt Selke. "Wenn Fans und Sponsoren weiter zu uns halten, werden wir das schaffen. Jeder Einzelne ist aber überlebenswichtig." So auch die Spieler, die mit einem freiwilligen Verzicht auf einen Teil ihres Gehalts bereits "einen großen, großen Schritt auf uns zugekommen sind".

Egal, ob die Saison abgebrochen wird oder nicht: "Die Planungen für die kommende Runde stehen unverändert. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dann wieder mit einem starken Team in der Bundesliga an den Start gehen werden." Doch hundertprozentige Sicherheit gibt es auch beim HC Erlangen nicht.

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