Teure Kleeblatt-Liebe: Zirndorfer jagt die SpVgg-Trikots

2.2.2021, 12:00 Uhr
Die Quelle-Hand auf der Brust: Diese alten Trikots bedeuten Ronald Töttels besonders viel.

Die Quelle-Hand auf der Brust: Diese alten Trikots bedeuten Ronald Töttels besonders viel.

Liebe kann teuer sein, Vereinsliebe sowieso. Was das Herz mit Freude erfüllt, kann genauso schnell den Geldbeutel leeren. Doch was juckt einen das Geldscheinfach, wenn das Herz laut Hurra schreit?


In 30 Jahren hat dieser Fan ein Kleeblatt-Museum im Keller aufgebaut


Ronald Töttels (38) kann davon ein Lied singen. Der Zirndorfer ist Fan der SpVgg Greuther Fürth und leidenschaftlicher Trikot-Sammler. Je älter, umso wertvoller. Knapp 150 Exemplare sind es mittlerweile, die im Hausflur oder im Keller hängen. Los ging es mit Christian Eiglers Jersey, das der damalige Fürther nach dem letzten Spieltag 2006 in Freiburg ins Publikum warf.

Spezialisiert hat sich Töttels vor allem auf Exemplare, die Spieler während einer Partie getragen haben. An solche heranzukommen, ist gar nicht so einfach, wie Töttels erzählt: "Direkt nach dem Abpfiff wollen natürlich hunderte Leute die Trikots, die auf dem Zaun stehen, oder Kinder und Jugendliche, die extra Plakate dafür gebastelt haben. Dass ein Spieler denen den Vorzug gibt, das ist für mich absolut okay."

Kodex eines Trikotsammlers: Kinder haben Vorrang

Einem Kind etwas weggeschnappt habe er jedenfalls nicht, so etwas gehöre auch zum Kodex von Trikot-Sammlern, sagt er. Stattdessen ist der Kleeblatt-Fan vor allem im Internet auf Sammlerbörsen aktiv, besonders auf Facebook gebe es einen regen Austausch. Rund 80 Prozent, schätzt Töttles, erwirbt er im Internet, jedes zehnte hat er sich direkt geholt, wiederum zehn Prozent kommen über Kontakte zu ihm. Aber auch der Fürther Grafflmarkt sei eine hervorragende Gelegenheit, vor allem ältere Trikots zu ergattern.

Natürlich ist auch hier die Auswahl limitiert. Denn die Spieler bekommen in der Regel vom Verein nicht für jedes Spiel ein neues Leibchen, sondern vor Saisonbeginn eine bestimmte Anzahl. Was darüber hinaus geht, zahlen die Profis in der Regel selbst. Beim Kleeblatt läuft das direkt über den Fan-Shop "Sportheim", wo die Spieler ihre Trikots abholen. Das war früher nicht so. Da wurden die Jerseys jedes Mal aufs Neue gewaschen.

Vor ein paar Jahren hat Töttels einer älteren Kleeblatt-Anhängerin drei ältere Stücke abgekauft; sie wusste zu berichten, dass damals am letzten Spieltag die Fans regelrecht gelauert haben auf eines der begehrten Shirts, denn nur da gab es welche. So einfach im Fan-Shop ein Trikot kaufen, das gab es damals nicht. Doch woran erkennt man, ob es sich um ein Original handelt oder um ein normales Exemplar mit Beflockung?

Sind die Grasflecken wirklich echt?

"Natürlich sind die Spuren vom Spiel ganz wichtig. Ich sag mal, man merkt schon, ob das Trikot einmal getragen wurde", erklärt der Sammler schmunzelnd. Ob die Flecken dann tatsächlich aus dem Sportpark Ronhof oder nur vom Schießanger stammen, da müsse man dann einfach dem Verkäufer vertrauen. Eine gewisse Menschenkenntnis habe er da im Laufe der Jahre entwickelt.


Der Fanbunker soll Anlaufstelle für Kleeblatt-Anhänger werden


Wie einem Teil der Fanszene ist auch Töttels der Namenszusatz "Greuther" ein Dorn im Auge, allerdings aus einem pragmatischen Grund: "Mit der Fusion stieg die Kommerzialisierung des Vereins deutlich an. Dadurch stiegen auch die Stückzahlen bei den Trikots, die Nachfrage war ja auch größer. Fast alles, was nur mit der SpVgg Fürth zu tun hat, ist deutlich mehr wert."

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass ausgerechnet bei den Hemden ohne Namenszusatz die große Preisschere aufgeht – vielleicht ist es nicht nur das geringe Angebot, das die Preise nach oben treibt, sondern das Fan-Herz.

Die Quelle-Hand auf der Brust

Besonders stolz ist Töttels auf seine beiden Trikots von 1973 und 1978. Das von 1973 ist das älteste in seiner Sammlung und das erste mit einem Sponsor: Die Quelle-Hand ziert die Brust.

Das Exemplar aus der Saison 1978/79 hingegen war jenes, für das der Zirndorfer bislang am tiefsten in die Tasche greifen musste. Über einen Sammelkollegen des 1. FC Nürnberg bekam er das begehrte Leibchen direkt von Ulrich Perchthold, der sowohl für Weiß-Grün als auch für Rot-Schwarz auflief. 400 Euro kostete es, für Töttels "hart an der Schmerzgrenze". Andererseits: "Solche Trikots sind beinahe verschollen und werden auch eher teurer. Das war es mir wert."

Auch auf ein Dress von Stefan Maderer ist er besonders stolz. Denn es war das Geburtstagsgeschenk seiner Frau, die das einstige Kleeblatt-Talent extra nach dem Training darauf angesprochen hat, und der es ihr dann bereitwillig mitgab.

Hilbert fehlt noch

Mittlerweile legt Töttels neben nostalgischen Hemden besonderen Wert auf die Sonder-Editionen wie das zum 100. Geburtstag des Sportparks Ronhof oder der Pokal-Edition gegen Dortmund von 2012. Zu sehen sind sie auch auf seiner Internetseite www.fuerth-trikots.de. Und er wird weitermachen, denn die Arbeitskleidung einiger bedeutender Kleeblatt-Spieler fehlt ihm noch in der Sammlung; das Trikot von Roberto Hilbert hätte er zum Beispiel gerne. Es wird also auch in Zukunft wieder das Herz über den Geldbeutel siegen. Vereinsliebe hat eben ihren Preis.

Wer ein Trikot des Kleeblatts im Schrank hat und es nicht mehr braucht, kann sich bei Ronald Töttels melden via E-Mail: fuerth.trikots@gmail.com.

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