Triathlon am 3. Juli

Top-Stars und kaum Corona-Regeln: Der Challenge Roth ist zurück

Katharina Taubeneder
Katharina Taubeneder

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5.5.2022, 13:17 Uhr
Das "Herzstück" ist zurück: Beim Challenge Roth 2022 soll es wieder das Stimmungsnest am Solarer Berg geben.

© André De Geare, NNZ Das "Herzstück" ist zurück: Beim Challenge Roth 2022 soll es wieder das Stimmungsnest am Solarer Berg geben.

Ihr Körper gierte nach Salz. So sehr, dass Anne Haug alles genommen hätte, jede Gemüsebrühe hätte die Profi-Triathletin in sich hineingeschüttet. Ohne musste sie sich durch den finalen Marathon schleppen, 30 Kilometer vor dem Ziel wusste sie nicht, ob sie das Stadion im Rother Stadtgarten erreichen würde. Die Bayreutherin erreichte es - sogar als schnellste Athletin des Tages. Nach 7:53:48 Stunden und 3,8 Kilometer Schwimmen, den verkürzten 170 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen.

Dort brach Haug entkräftet zusammen, erst nach einer Salzbrezel und der besagten Gemüsebrühe konnte sie den Medien-Marathon der Siegerin antreten. Die Erinnerungen daran sind auch im März 2022 noch frisch. Über den Dächern Nürnbergs beim langjährigen Sponsor N-Ergie erzählte die Fränkin am Donnerstag von ihren Eindrücken aus dem Vorjahr. Weil sie am 3. Juli zurückkommen wird nach Roth, war sie hier am Hochhaus am Plärrer als Top-Favoritin eingeladen. Neben ihr standen zwei weitere Triathlon-Weltmeister, Patrick Lange und Sebastian Kienle. Beide werden ebenfalls in diesem Jahr wieder in Roth an den Start gehen.

Und das, obwohl noch zwei Weltmeisterschaften stattfinden. Die von 2021 verschobene am 7. Mai, die reguläre im Oktober. Haug will alle drei Langdistanz-Rennen absolvieren - ein Mammut-Programm. In Roth wird sie sich mit den Zweit- und Drittplatzierten von 2021, Laura Siddall und Fenella Langridge, messen. Elena Illeditsch aus Neumarkt mischt ebenfalls mit.

"Man möchte in Roth nicht nur gewinnen"

"Die Vorfreude ist riesig", sagt Haug. "Dass ich so ein super Rennen abliefern konnte, schürt die Erwartung. Man möchte in Roth nicht nur gewinnen, sondern auch die bestmögliche Leistung bringen." Eine Rekord-Zeit aber könne man nicht erzwingen. "Dafür müssen viele Puzzleteile zusammenkommen." Doch Haug möchte ihren Titel verteidigen. "Das Jahr wird hochanspruchsvoll, aber ich bin optimistisch."

Bei den Herren sorgt vor allem die Anmeldung von Sam Long für Aufsehen, der US-Amerikaner hat sich bewusst für Roth und gegen die Ironman-Rennen entschieden, hier will er "einen Heraushauen", sagt Challenge-Chef Felix Walchshöfer. Long wird einer der stärksten Konkurrenten für Lange und Kienle sein. Außerdem dabei sein werden Maurice Clavel, Jan Stratmann - auf seiner ersten Langdistanz - sowie der Forchheimer Felix Hentschel, der sich 2021 mit einem Fabel-Marathon auf Platz drei katapultiert hat.

"Mein Rennen war eine Katastrophe", sagt Kienle über 2021, als er auf der Radstrecke verletzt aussteigen musste. "Der Stachel sitzt tief." Danach dachte er über einen Abschied vom Profi-Triathlon nach, auch weil er Papa geworden ist. Jetzt hat er für sich festgelegt, noch zwei Jahre weiterzumachen. "Ich merke, da tickt eine Uhr im Körper, die Zeit auf dem Level ist begrenzt." Er wolle sich "mental" auf den Abschied vorbereiten. Ein Teil davon wird der Challenge Roth sein.

Patrick Lange, der aktuell nach einer Schultereckgelenkssprengung noch eine Schiene am linken Arm trägt, will dann seinen Titel verteidigen. Zuvor gibt er "Vollgas in der Reha", die WM im Mai musste er bereits absagen. Sein erstes Saison-Highlight ist der Challenge Roth, den er im Vorjahr in 7:19:19 Stunden gewann. "Mir haben alle gesagt, 2021 sei nur Roth light gewesen. Ich freue mich auf die Eindrücke bei Roth full."

Für Lange und Haug wird es das erste Mal am Solarer Berg sein. Beide feierten beim Vorjahres-Sieg ihre Premiere in Roth. Zweimal fahren Profis und Amateure an diesem Stimmungsnest vorbei an dicht gedrängten, jubelnden Menschenmassen. So war das zumindest vor Corona. Beim abgespeckten Rennen im September 2021 nahm der Veranstalter diesen Streckenabschnitt ganz aus dem Programm - nicht nur um größere Zuschauer-Ansammlungen zu vermeiden, sondern auch wegen der bereits geplanten Baustellen in Hilpoltstein. 2022 aber gibt es auf der Gredinger Straße wieder freie Fahrt.

Zurück zur alter Größe: 5000 Athleten aus 70 Nationen

Alle freuen sie sich nun auf einen Challenge "ohne Handbremse" - wie Challenge-Chef Walchshöfer es nennt. Man könnte auch sagen, das Salz in der Suppe bei diesem Sport-Event ist zurück. Fast alle Corona-Einschränkungen werden fallen, auch bei einer Hotspot-Regelung werden Zuschauer am Solarer Berg sein dürfen, nur vielleicht mit Mund- und Nasenschutz.

Insgesamt kommen Athleten aus 70 Nationen, mit Staffel-Startern werden es rund 5000 sein. 7500 Helfer-Shirts sind bestellt. Auch hier kehrt der Challenge Roth zur alten Größe aus dem Jahr 2019 zurück. Ebenfalls wieder stattfinden wird das Rahmenprogramm im Landkreis Roth. Es soll also wieder eine große Triathlon-Party werden. Und mit ein bisschen mehr Salz kann die dann auch Anne Haug wieder genießen.

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