Trainer weg, Vorstand auch: Grethlein erklärt das Club-Beben

12.2.2019, 15:42 Uhr

"Wir können gar nicht beurteilen, was ein guter Trainer ist", sagte Aufsichtsratschef Thomas Grethlein. Über Michael Köllner hatte man da jedoch schon längst ein Urteil gefällt. © Sportfoto Zink / OGo

Um 22.30 Uhr haben sie es am Montag ein letztes Mal versucht. Der Aufsichtsrat des 1. FC Nürnberg tagte da schon seit ein paar Stunden mit dem klaren Ziel, den Trainer Michael Köllner von seinen Aufgaben zu entbinden. Eine Aufgabe, die sich einfacher anhörte als sie war, weil sie nicht in das Aufgabengebiet eines Aufsichtsrates fällt.

Den Trainer entlassen kann beim 1. FC Nürnberg nur der Vorstand - und der weigerte sich in Person von Andreas Bornemann standhaft, diesen Schritt zu gehen. Trotzdem haben sie Bornemann kurz vor Mitternacht noch einmal angerufen, um zu hören, ob er es sich nicht doch einmal anders überlegt habe. Hatte er nicht, weshalb der Aufsichtsrat kurz nach Mitternacht Bornemann seines Amtes enthob.

 

 

 

Am Tag danach sieht man deshalb einen mindestens zerknirschten Thomas Grethlein vor die Presse treten. Grethlein ist Vorsitzender und Sprecher des Aufsichtsrates und muss jetzt erklären, wie das alles so kommen konnte, dass sie eigentlich nur Köllner loswerden wollten nach 15 Bundesligaspielen ohne Sieg, nun aber auch gleich einen neuen Sportvorstand suchen müssen, obwohl sie eigentlich so zufrieden waren mit Bornemanns Arbeit.

"Wir können gar nicht beurteilen, was ein guter Trainer ist" 

Dessen Aufgaben übernimmt nun vorübergehend Marcus Rößler, der Leiter der Marketing-Abteilung. Rößlers wichtigste Amtshandlung an Tag eins als Vorstand: die Beurlaubung Köllners. Dessen Aufgabe sollen nun sein ehemaliger Assistent Boris Schommers und Vereinslegende Marek Mintal übernehmen. So lange soll das dauern, bis der Aufsichtsrat einen neuen Sportvorstand und der einen neuen Trainer gefunden hat. Dass der Aufsichtsrat selbst einen Trainer präsentiert, schloss Grethlein in einem etwas kruden Satz aus.

"Wir können gar nicht beurteilen, was ein guter Trainer ist", sagte Grethlein - ein paar Stunden nach dem der Aufsichtsrat gerade entschieden hatte, dass Michael Köllner kein guter Trainer ist. "Tage oder Wochen", sagte Grethlein, könne die Suche nach einem Vorstand in Anspruch nehmen. Gehofft wird allerdings auf eine zeitnahe Lösung.

Der oder die Neue soll dann den Weg fortführen, den Bornemann einigermaßen erfolgreich gegangen ist. Dass es nämlich vor allem dem sparsamen Ex-Sportvorstand Bornemann zu verdanken ist, dass der Club den Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung „sehr erfolgreich“ geht, das betonte auch Grethlein mehrfach während seiner Ausführungen. Dass darunter die sportliche Leistungsfähigkeit litt, das sagte Grethlein auch, ist eine Selbstverständlichkeit. Eine, und da kritisierte Grethlein dann auch das Gremium Aufsichtsrat, „die wir nicht gut genug kommuniziert haben“.

Hamburg haute rein 

Eigentlich verteidigte Grethlein in seiner Rede zu den Entlassungen auch Köllner ausführlich und betonte, dass der Aufstieg aus sportlicher Sicht "vielleicht ein bisschen zu früh kam". An der Meinung im Aufsichtsrat, es fortan ohne Köllner zu versuchen, änderte das aber nichts. Erste Diskussionen über Köllner gab es schon vor Weihnachten, gehandelt habe man nicht, weil man die ersten vier Spiele nach der Winterpause abwarten wollte. Weil die nach Ansicht des Aufsichtsrates wenig überzeugend gelangen - und beim Pokal-Aus in Hamburg sogar desaströs, verfestigte sich die Meinung, ohne Köllner weiter zu machen.

Noch am Montagabend haben sie Köllner ein letztes Mal seine Pläne vortragen lassen. Das Ergebnis: Köllners Argumentation, dass man auf dem eingeschlagenen Weg bleiben müsse und der Erfolg sich schon irgendwann einstellt, überzeugte nicht. Weil auch eine Variante, wie sie jüngst der FC Augsburg gewählt hat mit einem prominenten Assistenten für einen unerfahrenen Trainer, nicht überzeugte, sahen sie nur noch den einen Ausweg.

Königswege kennt man nicht beim Club 

Dass Bornemann überzeugt blieb von Köllner, ehrt ihn, sagte Grethlein, bewahrte ihn aber nicht vor der Entlassung. Der Aufsichtsrat, so sagte Grethlein das auch noch, sorgte sich dann mehr um den Zusammenhalt in und um den Verein, als darum, keinen geeigneten Nachfolger für Bornemann zu finden. "Wenn wir nochmal drei Spiele verloren hätten, dann verlieren wir die Anhängerschaft", sagte Grethlein. Und: "Wir wissen auch, dass Trainerwechsel in der Regel nicht der Königsweg sind."

Spannend wird nun die Frage, wie die Anhängerschaft aufnimmt, dass zwar nun kein Trainer und kein Sportvorstand mehr da sind, der Club aber trotzdem nochmal drei Spiele verliert. 

 

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