Triumphe und Schicksalsschläge

9.9.2011, 15:59 Uhr
Von 1971 bis 1973 gewann Horst Gnas dreimal die WM der Steher.

Von 1971 bis 1973 gewann Horst Gnas dreimal die WM der Steher. © Manfred Marr

Von 1971 bis 1973 war Gnas bei den Radsport-Fans in aller Munde, denn er gewann dreimal in Folge den WM-Titel der Amateursteher. Neben zahlreichen großen Siegen bei Länderkämpfen, internationalen und nationalen Steherrennen holte der schnelle Bahnspezialist in den Jahren 1971 und 1972 zudem auch zweimal den deutschen Meistertitel für den RC Herpersdorf.

Der gelernte Installateur, der Ende der 50er Jahre aus Dessau in die Bundesrepublik kam, schloss sich damals dem Ring Nürnberger Rennfahrer an. „Horst war ein echter Allrounder, der auf Bahn und Straße erfolgreich war“, schwärmt Fritz Dotzer, sein früherer sportlicher Leiter, noch heute. Als man 1967 auf der Nürnberger Radrennbahn begann, den Stehersport für Amateure zu aktivieren, war Gnas sofort als Steherneuling mit seinem Vereinskameraden Udo Empter als Schrittmacher dabei.

Das Gespann Gnas/Empter harmonierte erstaunlich gut, so dass es den sieggewohnten Herpersdorfer Meistern Horst und Gerhard Duschl zur Freude der vielen Steherfans bald heiße Schlachten lieferte. Seinen ersten internationalen Erfolg konnte Gnas 1970 feiern, als er bei der Weltmeisterschaft im englischen Leicester in einem mitreißenden Finale überraschend Platz zwei hinter dem Holländer Cees Stam belegte.

Nach seinem Wechsel zum RC Herpersdorf, bei dem Gnas durch den unvergessenen Mäzen Andreas Egerer optimale Förderung fand, stieg er zur absoluten Weltklasse der Steher auf. Mit dem holländischen Top-Schrittmacher Bruno Walrave war Horst Gnas 1971 in Varese und 1972 in Marseille bei der WM nicht zu schlagen. Als der Weltverband (UCI) kurz vor der WM 1973 ein neues Reglement für Steher präsentierte, nach dem Steher und Schrittmacher von gleicher Nationalität sein mussten, fiel das Erfolgsgespann Gnas/Walrave aus allen Wolken.

Dreimal in Folge wurde Horst Gnas (links) in den 70er Jahren Steher-Weltmeister. Dieses Archivbild zeigt ihn mit Bundestrainer Gustav Kilian.

Dreimal in Folge wurde Horst Gnas (links) in den 70er Jahren Steher-Weltmeister. Dieses Archivbild zeigt ihn mit Bundestrainer Gustav Kilian. © Manfred Marr

Bundestrainer Gustav Kilian rettete die Situation buchstäblich in letzter Minute, indem er aus Hannover Schrittmacher-Oldie Hans Käb nach Spanien fliegen ließ. Ohne vorheriges gemeinsames Training ging Gnas, frustriert und völlig demoralisiert, trotzdem mit Käb an den Start. Und der alte Fuchs zeigte, dass er nichts verlernt hatte: Käb führte den Titelverteidiger Gnas beim Finale im Radstadion von San Sebastian zum dritten WM-Gold.

Danach begann für Gnas eine lange und schlimme Pechserie: Zwei Tage nach der WM 1973 verunglückte seine Ehefrau Margit bei einem Radausflug tödlich. Im folgenden Jahr zog sich Gnas bei einem Trainingssturz auf Mallorca einen komplizierten Bruch der rechten Hand zu. Er schaffte zwar trotzdem noch die WM-Teilnahme, doch die übliche Top-Form fehlte dem Titelverteidiger.

Auch 1975 hoffte Gnas vergeblich auf ein erfolgreiches Comeback: Nach einem schweren Sturz bei einem Straßenrennen wurde der dreifache Steherweltmeister mit einem Oberschenkelbruch ins Krankenhaus eingeliefert. Trotz langer Renn- und Trainingspause wollte Gnas nicht aufgeben, laborierte viele Wochen an seiner Verletzung und bestritt 1976 wieder einige Rennen. Doch die alte Form wollte sich bei dem inzwischen 35-jährigen Routinier einfach nicht mehr einstellen. Mit einem respektablen dritten DM-Platz verabschiedete sich Gnas 1977 vom aktiven Rennsport, den er bis heute noch immer aufmerksam verfolgt.

8000 Kilometer pro Jahr kommen noch zusammen

Horst Gnas ist noch immer Stammgast am „Keller“.

Horst Gnas ist noch immer Stammgast am „Keller“.

Im Sattel seiner Rennmaschine sitzt Gnas heute noch mit gleicher Begeisterung wie vor rund 40 Jahren: „So etwa 8000 Kilometer kommen da im Jahr schon zusammen“, sagt der Altmeister. „Am meisten freut es mich natürlich, dass der Stehersport sich nach wie vor gut behauptet und dass Nürnberg noch immer eine der Hochburgen dieser schönen Sportart ist“, sagt der Ex-Weltmeister, der bei der Europameisterschaft am Reichelsdorfer Keller am 16./17. September seinen deutschen Nachfolgern kräftig die Daumen drücken wird.

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