Trotz späterem Saisonstart: Falcons rechnen ohne Zuschauer

7.7.2020, 15:33 Uhr
Sehnsuchtsbild voll besetzter Eventpalast. Ralph Junge rechnet auch beim Saisonstart noch mit einer leeren Halle.

Sehnsuchtsbild voll besetzter Eventpalast. Ralph Junge rechnet auch beim Saisonstart noch mit einer leeren Halle. © Foto: Daniel Marr/zink

Ralph Junge sitzt relativ ruhig auf seinem Stuhl im Konferenzraum der Falcons, das Smartphone klingelt während des Gesprächs nur ein einziges Mal. Ein Spieleragent, sagt der Cheftrainer und Geschäftsführer von Nürnbergs Zweitliga-Basketballern mit Blick auf das Display und beschließt, dass er da auch später noch zurückrufen kann.


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Der Transfermarkt hat gerade erst an Fahrt aufgenommen und wie in den vergangenen Jahren gehört Junge nicht zu denjenigen, die als erstes aktiv werden müssen – oder können. Die Corona-Krise haben die Falcons bislang recht gut verkraftet, das Budget lässt aber immer noch keine allzu spektakulären Verpflichtungen zu. "In den nächsten zwei, drei Wochen werden sich die Bundesligisten sortieren", sagt Junge, danach greifen die besser alimentierten Zweitligisten, irgendwann werden sich die Falcons dann auch wieder bei den Agenten melden, deren Klienten leer ausgegangen sind.

"Man muss Geduld haben", findet Junge, der seit seinem Wechsel nach Nürnberg ein Meister der Geduld geworden ist, "und außerdem besteht keine große Not, da wir ein gutes Gerüst haben." Bis Ende der Woche soll sich entscheiden, ob auch Matthew Meredith, das ewige Nürnberger Talent, auch weiterhin zu diesem Gerüst zählen wird. Der 19 Jahre junge Guard hat das Angebot eines Bundesligisten mit angegliederter Pro B–Mannschaft vorliegen – und natürlich eines der Falcons. Eine Luftveränderung könnte Meredith vielleicht mal gut tun, überlegt auch sein langjähriger Trainer, andererseits will er ihn natürlich in Nürnberg halten. Falls Meredith geht, könnte der Ersatz aus Oberfranken kommen. Nachdem Brose Bamberg seine Kooperation mit Baunach eingestellt hat, sind einige hochveranlagte Nachwuchskräfte auf Vereinssuche. "Da sind schon ein paar interessante Jungs dabei", sagt Junge, "aber die Frage ist, ob wir in der Lage sind, deren Erwartungshaltung zu erfüllen" – finanziell und sportlich, denn natürlich hoffen einige auf ein Engagement in der BBL.


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Wie das Aufgebot für die kommende Spielzeit genau aussehen wird, lässt sich also noch nicht abschätzen, aber das ist natürlich nicht die einzige Unbekannte in diesem besonderen Jahr. Vergangene Woche haben sich die Mitglieder der Pro A darauf geeinigt, den Saisonstart um drei Wochen zu verschieben. Am Montag nannte die Liga den 16. Oktober als Termin für den Saisonstart, wobei Geschäftsführer Christian Krings "sehr optimistisch" ist, "dass wir mit einem gut entwickelten Hygienekonzept im Herbst wieder Spiele mit Fans ermöglichen können."

Geringe Gewinnspanne

Ralph Junge wiederum ist diesbezüglich nicht ganz so zuversichtlich. Den vor wenigen Tagen von der Bundesregierung verabschiedete Hilfsfond für Profivereine begreift er als Ausgleich dafür, dass bis Jahresende keine Zuschauer in den Hallen erlaubt sein werden. "Wir werden uns auf eine Saison mit leeren Hallen einstellen müssen", glaubt Junge. Denn selbst wenn wieder Publikum erlaubt wäre, fällt die Kalkulation für den Eventpalast denkbar einfach aus: "Wenn wir nur jeden zweiten Platz besetzen dürften, würde es sich für uns nicht lohnen." Die Gewinnspanne fällt ohnehin niedrig aus, bei weiteren Beschränkungen wäre es eher ein Draufzahlgeschäft. Mit der neuen Arena am Tillypark könnte sich das ändern, aber bis zum Umzug ist es noch ein langer Weg.

Vermutlich dürfte den Übertragungen per Livestream eine größere Bedeutung zukommen, auch wenn das für die Fans nur ein schwacher Trost wäre. Nur: "Es geht nicht mehr nur um die Wunschvorstellung", sagt Junge, "sondern darum, dass die Vereine und das Produkt überleben."

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