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Viel Herz und ein großer Traum: Nürnberg Rams sind zurück

Das Team muss allerdings ganz von vorn anfangen - 17.06.2008

Widder auf Bärenjagd: Die Nürnberger Footballer ließen den Gästen aus Ansbach keine Chance. © Weigert


Die Footballer haben Pause, Peter Schuh nicht. Weil aus den Lautsprechern lauter, für seinen Geschmack zu lauter Hardrock dröhnt. «Ich muss mal schnell weg», sagt der Vorstand der Nürnberg Rams, «damit wir keinen Ärger kriegen.» Anwohner könnten sich über den hohen Lärmpegel beklagen, was natürlich schade wäre. Schließlich ist sein junger Verein gerade dabei, sich frische Sympathien zu erwerben. Fünf Minuten später kommt Schuh zurück. Die Musik ist deutlich leiser.

Unten, auf dem Sportplatz, haben die Nürnberg Rams schnell für klare Verhältnisse gesorgt. Die ersten drei Angriffszüge schließen die Gastgeber jeweils mit einem Touchdown ab, nach wenigen Minuten steht es 21:0, am Ende 42:10. Ein Ergebnis, das sich auch durch die Mannschaftsstärken erklärt. Während die Ansbach Grizzlies mit 19 Spielern auskommen müssen, können die Nürnberger fast 50 Akteure aufbieten. Und das nach zehnjähriger Liga-Abstinenz.

Neugründung im Herbst 2007

Auch auf den Rängen ist einiges los. Über 200 Zuschauer wollen trotz nasskalter Witterung das zweite Heimspiel sehen. «Es kommen viele, die auch früher da waren», sagt Schuh. Mit «früher» meint er die großen Zeiten des Nürnberger Footballs, als die Rams mehrmals die Play-offs erreichten, einmal sogar das Halbfinale in Berlin. Die Gegenwart heißt jedoch: Aufbauklasse, unterste Liga, vier Mannschaften. Immerhin.

Erst im Oktober vergangenen Jahres hatte man den Mythos wiederbelebt. Die Neugründung der Nürnberg Rams. «The legend is back», «die Legende ist zurück», heißt es bereits auf der Homepage - obwohl die «Widder» ganz von vorn anfangen müssen. Bis auf eine Brauerei hat sich noch kein größerer Sponsor gemeldet, Einnahmen verbuchen die Rams vorwiegend über ihren Getränkeverkauf sowie den Eintritt. Erwachsene zahlen zwei Euro. Trikots mit Namenszug müssen die Spieler selbst bezahlen. Was alle eint und anspornt, ist der Traum vom Comeback. «Irgendwann wollen wir in die Bundesliga aufsteigen», sagt Schuh, der als Vater des Nürnberger Footballs gilt.

Schuh von Anfang an dabei

Schon vor 25 Jahren, als die Nürnberg Rams zum ersten Mal geboren wurden, war Schuh dabei. Er kennt sie alle. Und er kennt natürlich die Probleme, die mit dem Projekt Rams verbunden sind. Zum Beispiel haben seine Footballer noch keine Heimat gefunden. Das letzte Heimspiel gegen Landsberg am 6. Juli findet in Herzogenaurach statt, gegen Ansbach wurde auf der Sportanlage der Bertolt-Brecht-Schule gespielt, zuvor auf dem Soldierfield.

Dennoch sind vom Stadionspecher bis zu den «Cheerdevils» alle mit viel Herzblut dabei. Schuh erzählt die Geschichte von einem Betreuer, der vor zwei Wochen auf eigene Kosten extra für die Partie gegen Hof aus seinem Urlaubsort einschwebte - und danach wieder zurückgedüst ist. Es war ein Freundschaftsspiel.

Viel zu stark für die sechste Liga

Nürnberg deklassierte damals auch die zwei Klassen höher angesiedelten Oberfranken mit 17:0. Die Rams sind eigentlich schon jetzt viel zu stark für die sechste Liga, wahrscheinlich auch für die fünfte und für die vierte. Ein Großteil des Kaders, darunter der überragende Runningback Terrel Clark, ist früher für die Franken Timberwolves in der Regionalliga aufgelaufen, auch Cheftrainer Ralf Prosiegel ist mit herübergekommen. Wegen der besseren Perspektiven. Mit Quarterback Hannes Kranzfelder und Offense-Line-Spieler James Honig sind zudem noch zwei Recken aus dem 98er Rams-Team vertreten, aufgefüllt wurde das Aufgebot mit ein paar Talenten. Besonders stolz ist man bei den Rams auf die Nachwuchsarbeit, die ein ehemaliger Star leitet. Bastian Lano hat unter anderem in der NFL Europe gespielt. Auch der ehemalige Nationaltrainer Martin Hanselmann hat seine Unterstützung zugesagt, er will alle Quarterbacks der Rams in Einzeltrainingseinheiten verbessern.

Es gibt also viel zu tun. Bereits jetzt wird die neue Saison durchgeplant, denn an der Meisterschaft bestehen keine Zweifel mehr. Ein Sieg aus zwei Spielen fehlt noch, ehe es nach oben geht, Gerüchten zufolge bis in die Bayernliga. Rosige Aussichten, doch Peter Schuh denkt an heute und morgen. «In der Aufbauliga», sagt der 67-Jährige, «ist noch nicht alles perfekt.» Wenigstens haben sich die Anwohner nicht beschwert. 

Wolfgang Laass

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