War's das jetzt? FCN verliert Abstiegsendspiel in Hannover

9.2.2019, 17:26 Uhr

© Sportfoto Zink

Nach 20 von 34 Spielen habe die Tabelle schon eine gewisse Aussagekraft, sagt man gerne. Wer da Letzter und Vorletzter ist, könnte es schwer haben in den nächsten Wochen, den Klassenverbleib noch zu schaffen. So etwa hieß es auch vor der Bundesligapartie von Hannover 96 gegen den 1. FC Nürnberg am Samstagnachmittag.

"Das wahrscheinlich wichtigste Spiel der bisherigen Saison" kündigte der Stadionsprecher im Niedersachenstadion an, alle, wirklich alle müssten jetzt zusammenstehen, um den Club zu schlagen. Den Club, der mit großen Personalsorgen angereist war und unter anderem ohne die designierten Stammkräfte Margreitter (muskuläre Probleme), Petrak (5. Gelbe Karte), Misidjan (Adduktorenprobleme) und Löwen auskommen musste.

Den U21-Nationalspieler strich Köllner trotz Personalnot "aus Leistungsgründen", wie er vorab bei Sky sagte, "momentan sind andere stärker, deshalb sind 18 andere im Kader." Kann man so sehen, muss man nicht, jedenfalls schafften es die 18 anderen nicht, für ein positives Ergebnis zu sorgen. Der Club verlor nach großem Kampf mit 0:2 (0:1), wobei die Begegnung bereits nach elf Minuten eine andere war - und eigentlich nicht mehr normal zu bewerten.

Weil auch die 96er etliche Ausfälle zu verzeichnen hatten, schlug im Kellergipfel plötzlich die Stunde der Reservisten. Bei den Gästen schafften es Knöll (erstmals seit dem neunten Spieltag) und Rhein (erstmals seit dem 15. Spieltag) deshalb sogar in die Startformation, konnten das drohende Unheil aber ebenfalls nicht abwenden. Zumal sich Rhein früh aus dem Spiel nahm.

 

Rhein, im defensiven Mittelfeld aufgeboten, hatte bei einem Zweikampf nahe der Seitenlinie nicht zum ersten Mal an diesem Nachmittag etwas den Halt verloren und deshalb mit offener Sohle Korbs Schienbein erwischt; Schiedsrichter Welz zückte nach Rücksprache mit seinem Assistenten die Rote Karte, der FCN fortan nur noch zu zehnt - aber nicht unbedingt die schlechtere Mannschaft.

Allen voran Knöll hätte seine Zehn zwei Mal in Führung bringen können, scheiterte mit seinen Versuchen aber an 96-Torwart Esser (19.) und einem Abwehrbein (45.), Zrelaks Kopfball aus sechs Metern geriet zu unplatziert (31.).

Bitteres Gegentor unmittelbar vor der Pause

Man merkte den Nürnbergern nicht an, dass sie einer weniger waren; mit viel Laufarbeit stemmten sie sich gegen die sich abzeichnende Niederlage, die aber erst in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit Konturen annahm; Ewerton, bis dahin tadellos, verlor im Strafraum ein Kopfballduell gegen Weydandt, die Ablage verwertete Nicolai Müller.

Das 0:1 aus Nürnberger Sicht hatte sich nicht unbedingt abgezeichnet, wenngleich auch Hannover zuvor die eine oder andere viel versprechende Möglichkeit ausgelassen hatte; Jonathan kam einen Schritt zu spät (12.), Korb scheiterte mit seinem sehenswerten Schrägschuss an Mathenia (30.).

Nach dem Seitenwechsel drängte Hannover gleich auf die Entscheidung, zumal der numerisch dezimierte Club auch noch 90 Pokal-Minuten vom Dienstag in Hamburg in den Knochen hatte. Trotzdem probierten die Zehn alles, um wenigstens einen Punkt zu retten; Behrens verzog knapp (53.), auf der anderen Seite prüfte Haraguchi den zuverlässigen Mathenia (56.), Müller brachte den Ball allein vor dem Gäste-Torwart ebenfalls nicht im Kasten unter (65.).

FCN wird ausgekontert

Nürnberg sammelte sich in einer sich kurz darauf anschließenden Verletzungspause - Zrelak war 96-Verteidiger Walace ordentlich auf das Sprunggelenk gesappt - noch mal. An Zusammenhalt und Courage mangelte es dem Club an diesem Nachmittag an der Leine nicht. Der Weg nach vorne, den der FCN gleichwohl einschlug, war weit für den dezimierten Altmeister. Gefährlicher blieben die Hausherren: Mathenia war vor Müller zur Stelle (71.).

Müller, der Unterfranke in Diensten der Hannoveraner, drehte gegen Frankens Herz- und Schmerzverein nun ordentlich auf und hatte keine Zeigerumdrehung später im Strafraum seine nächste Szene. Der Club bekam‘s geklärt und wurde - nachdem ein Zrelak-Schuss auf der Gegenseite geblockt worden war (75.) - ausgekontert: Nach Jonathas‘ Vertikalpass sprintete Müller, im Winter von Frankfurt nach Niedersachsen gewechselt, Ewerton - vom diesem mehr begleitet als gestört - davon. Mathenia tauchte vergeblich ab, der Ball sauste flach ins linke Eck - das 0:2 (77.)!

Kurz danach durfte der Ex-Fürther den verdienten Applaus der niedersächsischen Fußballfreunde entgegennehmen. Auch ohne seinen Matchwinner hatte 96 weitere Chancen, um nach Kontern aufzustocken. Der Club, das muss man ihm hoch anrechnen, wollte dennoch nicht in eine Niederlage einwilligen: Lukas Mühl, in der Abwehzentrale erneut ein starker Kantonist, ließ eine Mega-Chance zum Anschluss ungenutzt (87.). Wenig später war Schluss. 

Nach dem 21. Spieltag ist der Club somit wieder Letzter - und wird es wahrscheinlich auch nicht mehr schaffen, von da unten wegzukommen. Noch schwächere Gegner als Hannover gibt es in der Bundesliga nicht.

Hannover 96: Esser - Korb, Akpoguma (44. Wimmer), Anton, Ostrzolek - Bakalorz , Walace - Müller, Haraguchi - Weydandt (63. Wood), Jonathas

1. FC Nürnberg: Mathenia - Valentini (88. Ishak), Mühl, Ewerton, Leibold - Rhein - Behrens, Palacios (60. Fuchs) - Matheus Pereira - Knöll, Zrelak

Tore: 1:0 Müller (45. +5), 2:0 Müller (77.) | Gelbe Karten: Bakarlorz, Walace - Zrelak, Pereira | Rote Karte: Rhein (grobes Foulspiel, 11.) Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden) | Zuschauer: 33.700. 

+++ Der Live-Ticker zum Nachleiden +++

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