Zirndorfs Skiclubs haken diesen Winter noch nicht ab

8.12.2020, 09:22 Uhr
Alleine Langlaufen in Deutschland wäre möglich, sofern genug Schnee liegt, wie hier bei St. Helena/Neumarkt im Jahr 2004. Doch ob Ski alpin und Snowboard in diesem Winter überhaupt möglich sein werden, bestimmt nicht das Wetter, sondern die Infektionszahl.

Alleine Langlaufen in Deutschland wäre möglich, sofern genug Schnee liegt, wie hier bei St. Helena/Neumarkt im Jahr 2004. Doch ob Ski alpin und Snowboard in diesem Winter überhaupt möglich sein werden, bestimmt nicht das Wetter, sondern die Infektionszahl. © Foto: Günter Distler

Zu Beginn eines normalen Winters könnte jetzt an dieser Stelle ein Bericht erscheinen über den Schnee Dazu würde Udo Richter als Leiter des Skiclubs des TSV Zirndorf sagen: "Früher sind wir mal für einen Tag nach Osternohe und Spies zum Skifahren. Aber in den letzten Jahren hatten wir viel zu wenig Schnee." Und der Leser würde sich denken: Dann fahrt halt nach Österreich.


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Doch dem entgegen steht eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts und der Beschluss der österreichischen Regierung, der bis 10. Januar gilt, sich nach Anreise eine Woche in Quarantäne zu begeben. Italienische und deutsche Skigebiete öffnen in diesem Jahr nicht mehr. Dementsprechend schlecht ist die Stimmung in den hiesigen Skiclubs.

Udo Richter will mit dem Führungszirkel seiner TSV-Abteilung nächste Woche auf einer Videokonferenz beschließen, "unsere drei geplanten Fahrten nach Saalbach, Südtirol und Samnaun abzusagen. Wir stornieren lieber rechtzeitig". Er stelle sich darauf ein, dass auch die letzten Abfahrten in der Schweizer Märzsonne nicht möglich sein werden, "ich bin mir da ziemlich sicher". Für den Fall der Fälle aber wäre der 78-Jährige gewappnet: "Wenn es doch geht, könnten wir kurzfristig unsere Leute alarmieren."

Bis zu 500 Kunden beim Skibasar

30 bis 40 Teilnehmer hatten die Busfahrten immer, 95 Mitglieder sind aktuell im TSV-Skiclub. Legendär ist dessen jährlicher Skibasar in den Herbstferien. 400 bis 500 Schnäppchenjäger ließen in der alten TSV-Turnhalle die Kasse der Abteilung klingeln, die an jedem Verkauf mit 15 Prozent beteiligt war – Geld, das in diesem Jahr fehlt, weil sie den Basar, auf dem immer dichtes Gedränge herrschte, schon im Sommer in Erwartung der zweiten Welle abgesagt haben.

Heinz Straßner (60) ist seit Gründung des Skiclubs Biberttal im Vorstand.

Heinz Straßner (60) ist seit Gründung des Skiclubs Biberttal im Vorstand.

Es ist eine weitere schlechte Nachricht neben der Tatsache, "dass wir auch in diesem Jahr weiter schrumpfen". Richter habe zwar erst "zwei Kündigungen auf dem Schreibtisch", doch neue Mitglieder kommen schon seit Jahren nicht mehr. "Die Leute brauchen nicht unbedingt mehr einen Verein für Skifahren und Gymnastik", glaubt er. Obwohl den Sommer über das Vereinsleben dank Gymnastik im Freien nicht durchwegs gelitten hat, ist die Stimmung im Keller. Richter sagt: "Ich habe Frust."

Einen etwas kleineren Skibasar in der Bibertstadt organisiert der Wintersportclub Zirndorf – und auch diese Veranstaltung in der Mittelschule ist ausgefallen. Den Frust darüber hört man bei der gutgelaunten Brigitte Ziemen zumindest nicht in der Stimme. Doch weitere gute Nachrichten hat auch die Sportwartin des mit rund 120 Mitgliedern etwas größeren Wintersportclubs Zirndorf nicht.

Eltern haben selten Bindung zum Verein

Auch ihr Verein werde kleiner, in Spitzenzeiten waren es 150 Mitglieder, doch das habe primär nichts mit dem Skifahren zu tun. Gekündigt haben einige Eltern der Kleinen, die nicht mehr zum Kinderturnen kommen durften. "Vor Jahren sind diese Eltern noch zu unserer Weihnachtsfeier gekommen. Doch mittlerweile haben die meisten keine Bindung mehr zum Verein", berichtet die 69-Jährige.


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Man habe Kündigenden sogar angeboten, den Beitrag ruhen zu lassen, bis Sport wieder erlaubt ist. Doch das Vereinsleben liege total brach, einige Mitglieder habe sie seit März nicht mehr gesehen, der Führungszirkel immerhin übt sich in Videokonferenzen.

Wenn der Wintersportclub Glück hatte, wechselten ehemalige Kinderturner bislang in die Skifahrjugend. Und die fährt in normalen Jahren für drei Tage an den Schliersee. Nachdem aber bereits die Busfahrt im Februar 2020 Corona zum Opfer gefallen ist, werde nun wohl auch die Absage für 2021 folgen, mutmaßt Ziemen. Die erwachsenen Mitglieder wiederum hegen noch Hoffnung, dass es Mitte Januar mit einem Trip nach Südtirol klappt, "aber da ist ein Fragezeichen dahinter. Der Hotelier hat uns gesagt, er weiß nicht, ob er uns nehmen kann".

Das Vereinsleben: Walking, Wandern, Skigymnastik

Also bleibt nur die kleine Vorfreude auf ein wenig Vereinsleben im neuen Jahr: mit Walking, Wanderungen und Skigymnastik – ohne zu wissen, ob man das Training für den Dezember 2021 brauchen wird.

Ein trauriges Wochenende hat auch Heinz Straßner hinter sich. Der 60-Jährige ist seit 2008, als sich der Skiclub Biberttal vom ASV Weinzierlein-Wintersdorf abgespalten hat, im Vorstand. Es ist das erste Mal, dass ihre Saisoneröffnungsfahrt Anfang Dezember ausgefallen ist. Verstehen will er es aber nicht, warum Österreich die Einreise quasi unmöglich gemacht hat.

"Diese Maßnahme, alles zuzumachen, stößt auf großes Unverständnis bei uns. Es gibt ja auch viele Menschen, die nach Österreich wollen, ohne Ski zu fahren. Auch ich gehe gerne Schneeschuhwandern." Denn dass Alpinski derzeit keine gute Idee ist, habe er auf einem Foto Anfang November gesehen: Rund 60 Skifahrer im Zillertal warteten ohne Maske dicht gedrängt an einer Haltestelle auf den Bus.

Die Liftbetreiber und Hoteliers waren vorbereitet

Doch Straßner habe in Sölden mitbekommen, dass Liftbetreiber und Hoteliers bereits im Sommer ihre Hausaufgaben gemacht haben – Mundschutz und Desinfektionsmittelspender waren überall zu sehen.

Die Zirndorfer wären gerne wieder ins schneesichere Obergurgel gefahren. Stattdessen fühlt er nun mit den Herbergen, zu denen eine jahrelange Verbindung besteht: "Für die Hoteliers da unten bricht natürlich jetzt die Welt zusammen." Während der Skitourismus keinen Plan B hat, setzt der Skiclub Biberttal schon weit vor Corona nicht alles auf die Karte Wintersport. Denn schon vor neun Jahren ging die Beteiligung an Mehrtagesfahrten zurück.

"Also hatten wir die Idee, uns bei diesem ,Lauf 10!’-Programm des Bayerischen Rundfunks mit einer Gruppe zu beteiligen. Darüber haben wir fast 400 Mitglieder gewonnen", rechnet Straßner vor. Aktuell sind es stolze 640 Mitglieder. Der einzige Wermutstropfen: Es kamen mangels Veranstaltungen 2020 erstmals keine neuen hinzu, während Straßner in normalen Jahren fünf bis zehn Prozent Zuwachs verzeichnet.

Angebot fürs ganze Jahr

"Mit der Sommeraktivität haben wir unsere Zukunft gesichert", sagt Straßner ein wenig stolz. "Es funktioniert nicht, den Leuten zu sagen, sie sollen im November auf der Matte stehen. Als funktionierender Skiclub musst du die Leute das ganze Jahr bespaßen."

In normalen Jahren seien im Juli, August und September die Anmeldelisten für die Skifahrten voll gewesen. Ein Skikurs mit Skilager binde die Familien an den Club. Um der Zielgruppe der Teenager, die immer mehr das Interesse am Skifahren verliert, etwas zu bieten, hätte in diesem Winter die 16-Jährige Annika Neubauer, die Tochter eines Übungsleiters, die Skilehrerprüfung gemacht – bezuschusst vom Verein. Doch daraus wird nun wohl nichts, der Verband hat die Kurse ausgesetzt bis Mitte Januar.

Darauf, dass deutsche Skigebiete eine Alternative zu Österreich sein könnten, habe er "keine Hoffnung momentan". Komplett abgehakt habe er die Saison aber auch noch nicht. Bis dahin laufen einige Mitglieder des Skiclubs Biberttal "zu zweit im Stadtwald herum".

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