Podcast zum Aus des Mega-Projekts

Center Parcs: Tourismus-Chef ist "zutiefst enttäuscht"

Matthias Oberth
Matthias Oberth

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23.6.2021, 16:00 Uhr

Was den Tourismus-Chef in Rage bringt, ist nicht allein die knappe Entscheidung beim Pfofelder Bürgerentscheid, sondern das "Kirchturmdenken", das hier wieder einmal zum Vorschein gekommen sei. Den Bekanntheitsgrad des Fränkischen Seenlands zu erhöhen, diesem Ziel hat sich der Tourismusverband verschrieben. Und dabei geht es nicht nur um die "Seen", auch das "Land" spiele eine ebenso große Rolle.

"Ich werfe der Bürgerinitiative vor, dass das falsch kommuniziert wurde", sagt Niederprüm. Der Brombachsee ist nur Teil des gesamten touristischen Angebots und wenn man ein Thema wie Center Parcs isoliert aus der Perspektive des Orts Pfofeld betrachtet, widerspricht dies komplett dem Leitbild, das unter Federführung des Tourismusverbands gemeinsam mit den Gemeinden entwickelt wurde. "Wir haben zehn Jahre daran gearbeitet", so der Touristiker und das Interesse von Center Parcs sei ein Erfolg dieser Arbeit gewesen.

Die Strahlkraft eines solchen Feriendorfs ist für ihn unbestreitbar. Und Niederprüm versucht der Ablehnung ein persönliches Gesicht zu geben: Eine Tourismus-Fachkraft, die in seiner Geschäftsstelle ein duales Studium absolviert hat und im Feriendorf wahrscheinlich eine Arbeitsstellen gefunden hätte, seht nun ohne berufliche Perspektive im Seenland da.


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"Wir haben viele Hobby-Touristiker dazubekommen", lautet seine süffisante Ansage. Von dort höre er immer nur "wir schauen, wir schauen, wir schauen...", während es im Gegenzug beim Tourismusverband heißt, "wir machen, wir machen, wir machen...". Für die nun eingeforderte Bürgerbeteiligung sieht Niederprüm nur einen Weg: "Die Fremdenverkehrsvereine müssen jetzt einen unglaublichen Zulauf an Mitgliedern bekommen", so seine Einschätzung. Denn mit diesen Organisationen pflegt der Tourismusverband "schon immer" den Austausch. Eine Einzelperson dagegen könne laut Satzung gar nicht Mitglied werden.

Für die Argumente der Gegner des Projekt hat Niederprüm kein Verständnis: Ein regionales Radwegnetz oder ein regionaler Marktplatz sind Punkte, die es entweder schon gibt oder durch den Bau der Anlage eine deutliche Verbesserung erfahren hätten. Und er geht noch einen Schritt weiter: "Eine klare Absage erteile ich dem sanften Tourismus." Dieser sei von seiner Definition her nicht in einem sich touristisch entwickelnden Gebiet möglich. "Das geht nur in strengen Schutzgebieten, wie etwa einem Nationalpark", so der Touristiker und nicht im Fränkischen Seenland.

Wie es mit dem Muna-Gelände bei Pfofeld weitergeht, kann Niederprüm nicht sagen. Das liege nun wieder in den Händen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Seine Aufgabe sieht er darin, "das Leitbild fortzuschreiben", da er die Grundkonzeption für das Seenland beibehalten will. Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit sind zwei Punkte, die dort festgelegt sein. Mit Center Parcs hätte das Seenland die erste klimaneutrale Ferienanlage in Deutschland erhalten und reichlich barrierefreien Ferienhäuser, sagt Niederprüm und es ist spürbar, wie tief der Stachel der Abfuhr sitzt. Doch hören Sie selbst.....

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