Termine werden nicht abgesagt

Weißenburg-Gunzenhausen: Kaum jemand will sich noch impfen lassen

7.7.2021, 06:03 Uhr
Im schlimmsten Fall muss Impfstoff weggeworfen werden, wenn Termine nicht wahrgenommen werden.

Im schlimmsten Fall muss Impfstoff weggeworfen werden, wenn Termine nicht wahrgenommen werden. © Sven Hoppe, dpa

Kurzfristig und unter hohem Druck mussten in Bayern vergangenes Jahr Corona-Impfzentren aufgebaut werden. Für den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen stampfte das Klinikum Altmühlfranken als Betreiber zusammen mit dem Landratsamt das Impfzentrum aus dem Boden des ehemaligen Altmühl-Centers in Frickenfelden.

Am 27. Dezember konnten daraufhin die ersten Personen immunisiert werden - zunächst in den Seniorenheimen durch die mobilen Teams, später dann auch vor Ort. Damals, in den ersten Monaten dieses Jahres, waren in die Infektionszahlen noch hoch, und es wurde streng nach der Priorisierung vorgegangen - der knappe Impfstoff war begehrt. So viel zur Historie.

Mittlerweile ist Juli, die Sonne scheint, die Gastronomie hat wieder geöffnet, Urlaub ist möglich, und die 7-Tage-Inzidenz liegt laut Robert Koch-Institut (RKI) gerade mal bei 3,2. Die Menschen sind impfmüde geworden. Das bestätigt auch Christoph Schneidewin, Vorstand des Klinikums Altmühlfranken, und somit auch fürs Impfzentrum verantwortlich.

Impftermine werden einfach ignoriert

Doch nicht nur das. Etwa neun bis zehn Prozent aller Termine für eine Erstimpfung im Zentrum werden nicht wahrgenommen - ohne abzusagen, berichtet Schneidewin. Das ist ärgerlich, denn die Termine verfallen, und so ein Verhalten kann sogar dazu führen, dass Impfstoff weggeschmissen werden muss. So reiht sich der Kreis Weißenburg-Gunzenhausen in das bundesweit zu beobachtende Phänomen ein.

Bei den Zweitimpfungen nehmen etwa fünf Prozent ihren Termin nicht wahr, weiß Schneidewin. Er führt das auf den zunehmenden Impffortschritt zurück, also den vielen Möglichkeiten, sich bei niedergelassenen oder Betriebsärzten gegen das Coronavirus immunisieren zu lassen. Das Problem des Nicht-Absagens treffe diese aber genauso, sagt Schneidewin. "Viele rufen bei drei, vier Stellen an und sagen nicht ab, sobald sie einen Termin haben", führt er weiter aus.

Ein "großes Problem" stellt laut Schneidewin derzeit allgemein die Impfwilligkeit dar: "Wir haben kaum noch jemanden, der sich impfen lassen will. Nächste Woche führen wir nur drei Stunden Erstimpfungen durch." Dabei haben laut Landratsamt etwa erst 53 Prozent der Landkreisbevölkerung die erste Spritze erhalten, und knapp 37 Prozent sind vollständig immunisiert (Stand 5. Juli).

Impfquote muss noch gesteigert werden

Um die Pandemie in den Griff zu bekommen muss die Quote nach Angaben des RKI jedoch noch deutlich gesteigert werden. Jüngst hat es seine Schätzungen diesbezüglich erhöht - auch mit Blick auf die Delta-Variante. So sollten 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Menschen ab 60 Jahren vollständig geimpft sein.


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Falls eine vierte Corona-Welle auf Deutschland zurollen sollte, mit der Politik und Mediziner rechnen, sieht Schneidewin das Krankenhaus mit seinen beiden Standorten gerüstet: "Wir haben die Erfahrungen aus den ersten drei Wellen. Wir können jederzeit von heute auf morgen alles reaktivieren."

Jedoch appelliert der Klinikchef eindringlich, sich impfen zu lassen und nicht abzuwarten. Die Personengruppe unter 40 Jahren, die aufgrund ihres Berufs keine besondere Impfpriorisierung erfahren hat, habe sich bisher kaum immunisieren lassen. Jeder, der sich derzeit auf dem bayerischen Impfportal anmeldet, bekommt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen eine Termineinladung innerhalb von 48 Stunden.