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Weltmeisterin kocht besondere Gerichte

Erlanger Autorin Susanne Panhans schreibt nach langem eigenem Leidensweg ein Kochbuch über Nahrungsmittelintoleranzen. - 26.03.2020 18:40 Uhr

Mit ihrem Kochbuch will Susanne Panhans Menschen helfen, die wie sie an Unverträglichkeiten leiden.

© Foto: Susanne Panhans


Nicht nur, weil Otto Normalverbraucher sich mit den vielen Inhaltsstoffen überhaupt nicht auskennt, sondern weil er einfach nicht weiß, dass Weizen auch als Bindemittel oder Geschmacksträger verwendet wird und so im Tiefkühlgemüse oder sogar im Orangensaft landen kann. Und was ist mit den anderen Unverträglichkeiten? Leckere Gerichte mit und ohne Fleisch, verträglich für alle fünf Nahrungsmittelintoleranzen, hat Susanne Panhans mit ihrem Kochbuch "Nahrungsmittelintoleranzen – na und? Wir kochen wie die Weltmeister" herausgebracht.

Spaß am Essen

Das ist das Besondere an dem Buch. Egal ob man eine Histamin- oder eine Glutenunverträglichkeit hat, ob man zu den Menschen mit Laktoseintoleranz gehört oder Sorbit und Fruktose nicht verträgt, die Gerichte in Panhans Kochbuch sind frei von allem. Den Vorteil, die unverträglichen Lebensmittel zu meiden und trotzdem Spaß am Essen zu haben, hat Susanne Panhans am eigenen Leib gespürt. "Es ist Lebensqualität, die man bekommt", erklärt die Erlanger Autorin.

Der Erfolg ist sichtbar: Susanne Panhans hat im Vorderladerschießen mehrere Welt- und Europameisterschaften gewonnen und von Bundespräsident Johannes Rau das Silberne Lorbeerblatt, die höchste sportliche Auszeichnung, verliehen bekommen.

Die Unverträglichkeiten schlichen sich langsam in ihr Leben: "Ich hatte einen Magen wie eine Kuh und konnte alles durcheinander essen", sagt Panhans über den Beginn.

Irgendwann setzten die Beschwerden ein. Fürchterliche Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit. Die Augen waren oft so zugeschwollen, dass sie wie ein Pandabär aussah. "Ich war wie halbtot über dem Zaun gehangen und total verzweifelt", erinnert sich Panhans an die Zeit, in der es ihr hundeelend war und sie nach dem Aufstehen nicht ausgeschlafen, sondern sich immer matt und schlapp fühlte.

Bei einer Darmspiegelung wurde dann eine Sonderform der Zöliakie erkannt. "Mit dem Begriff konnte ich erst gar nichts anfangen", sagt Panhans. Sie nahm an den üblichen Ernährungsberatungen teil. Auf Weizenprodukte zu verzichten, damit konnte sie sich noch anfreunden. Aber bald erkannte sie die vielen Zusammenhänge, dass eben Weizen auch als Bindemittel verwendet wird. Und es blieb nicht bei dieser einen Unverträglichkeit. Der Glutenunverträglichkeit folgte die Laktoseintoleranz, die Unverträglichkeit von Sorbit und Histamin. Nur von Fruktoseunverträglichkeit blieb die gelernte Köchin und Synchronsprecherin in ihrer 30-jährigen Leidenszeit verschont. Dennoch wird auch das in ihrem Kochbuch behandelt und berücksichtigt.

Alle fünf Nahrungsmittelintoleranzen sind ausführlich erklärt, das Buch ist wie ein Nachschlagewerk gestaltet, selbst wie man Antibiotikum verträglich selbst herstellen kann, wird erklärt und die Rezepte bestehen ganz sicher nicht aus Rohkost oder Soja. "Soja ist Histamin. Das gehört nicht ins Rezept. Veganer essen oft Sachen, die Menschen mit Intoleranzen nicht vertragen", erklärt Panhans. Ihr Frühstück bestand heute aus Reis, mit Blaubeeren und Mandelstiften. Alles geeignet bei allen fünf Unverträglichkeiten.

"Das warme Essen ist wichtig", betont sie. Warum? "Die Milz ist die Herrscherin der Säfte im Körper", sagt die Sportlerin.

Zu viel Zucker bewirkt, dass die Milz "absäuft". Diese Feuchte wiederum bewirkt, dass man nicht tief atmen kann. Alles, was eingeatmet wird, also auch die ganzen Staubpartikel in der Luft, wird nur noch schwer abgeatmet. "Irgendwann bekommt man Husten, der wie Raucherhusten klingt. Das Geraffel muss raus", erklärt Panhans, warum eine warme Suppe gut tut. Früh warm zu essen, sei auch für den Blutzucker besser. "Kaltes Essen ist schwere Arbeit für den Körper."

"Selbst wer nicht kochen kann, kann kochen", sagt Panhans. Das Buch ist deshalb einfach gehalten.

Körper reagiert schnell

Die Wirkung des für alle Intoleranzen verträgliche Essen stellt sich bald ein. "Der Körper reagiert schnell. Schon nach einer Woche habe ich gemerkt, es fühlt sich gut an", erklärt Panhans. Aber man muss am Ball bleiben. Aufgrund der eigenen Leidensgeschichte hat sie an vielen Fort- und Weiterbildungen teilgenommen, sich tief in die Materie eingearbeitet und so diese verträglichen Gerichte erstellt, gekocht und probiert. Nachdem ihr Zettelstapel immer größer wurde, beschloss sie aus der Not eine Tugend zu machen. Das Kochbuch "Nahrungsmittelintoleranzen – na und? Wir kochen wie die Weltmeister" ist entstanden. Gerade arbeitet Susanne Panhans an einem Buch über Kuchen und Desserts für Menschen mit diesen Unverträglichkeiten. Und die Autorin würde sich über Fragen und Anregungen auf Facebook und Twitter oder Instagram freuen, unter www.susanne-panhans.de.

INFO

Das Kochbuch: "Nahrungsmittelintoleranzen – na und? Wir kochen wie die Weltmeister" von Susanne Panhans, 28.95 Euro, kann man unter www.nordbayern.de/zeitungsshop bestellen.

PETRA MALBRICH

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