Gegenüberstellung öffnet neue Zugänge

Wenn sich Kunst und Design mischen

18.10.2023, 15:00 Uhr
Blick in den „System“-Raum des Neuen Museums

© Neues Museum Nürnberg (Annette Kradisch) Blick in den „System“-Raum des Neuen Museums

Natürlich wurden Designobjekte und Kunstwerke auch schon früher zusammen ausgestellt. Dann jedoch meist unter chronologischen Gesichtspunkten. Die Neue Sammlung – The Design Museum und das Neue Museum Nürnberg gehen neue Wege. Double Up!, so heißt das gemeinsame Projekt im Erdgeschoss des Neuen Museums, ist assoziativ und spielerisch. Alltägliche, gesellschaftliche, funktionale oder formale Aspekte bieten neue Zugänge. Leitbegriffe bilden beispielsweise die „Küche“, die Farbe „Rot“ oder das Phänomen „Pop“.

Der Erfolg dieses Konzepts ermutigt zur Fortsetzung. Deshalb wurden der größte Raum und einer der beiden kleinsten Räume vor Kurzem neu eingerichtet. Die Themen heißen „Spiegel“ und „System“. Sie werden bewusst weit ausgelegt: Spiegel meint den Garderobenspiegel des Designers Ettore Sottsass ebenso wie den winkligen, rotierenden Spiegel des Künstlers Jeppe Hein. Chromglanz, Spiegelungen in die Unendlichkeit oder der Wasserspiegel erweisen das Prinzip Spiegel als kulturell vieldeutig. Ganz ähnlich beim „System“: Hier trifft Systemdesign wie USM Haller auf konkrete Kunst, aber überraschenderweise auch auf islamische Ornamentik, die der amerikanische Maler Philip Taaffe farbenprächtig feiert.

Systeme sind überall dort hilfreich, wo Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gefordert sind. Dies gilt für das zweidimensionale Ornament ebenso wie für räumliche Strukturen im Möbeldesign, im Messebau und in der Architektur. Im „System“-Raum ist ein sogenannter Meroknoten so platziert, dass er wie aus dem Gemälde Philip Taaffes entsprungen scheint. Taaffes zwölfstrahlige Sterne, deren Zentren das verwirrende und vielfach lesbare Bildgerüst verankern, enthüllen ihre strukturelle Verwandtschaft mit einem Konstruktionssystem, das der Ingenieur Max Mengeringhausen (1903-1988) entwickelt hat. Von einem polygonalen Verbindungselement strahlen 14 Vierkantrohre aus und übersetzen die flachen Sterne ins Dreidimensionale. Dieses System ermöglicht unter anderem ebene und gekrümmte Dachkonstruktionen.

Hier prallen Zeiten, Kulturen und Welten aufeinander – und kommen sich doch bemerkenswert nah. Double Up! öffnet die Augen und macht den Kopf frei für Begegnungen mit Kunst und Design jenseits aller Kategorien. Dazu braucht es keine Vorkenntnisse, sondern nur eine große Portion Offenheit und Neugierde!

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