Kundgebung in Feucht

"Wir werden gewinnen!" So demonstrierten die ICE-Werk-Gegner

25.10.2021, 15:05 Uhr
Verkleidet als Bäume aus dem Reichswald, machten auch etliche Eltern auf die Bedeutung der Natur für die Zukunft ihrer Kinder aufmerksam.
 

Verkleidet als Bäume aus dem Reichswald, machten auch etliche Eltern auf die Bedeutung der Natur für die Zukunft ihrer Kinder aufmerksam.   © Christian Geist

Samstag, halb zehn, auf dem Pfinzingplatz Feucht: Bund Naturschutz, Bürgerinitiative und einige mehr haben Stände und Plakatwände aufgebaut, um zu informieren, warum sie die potenziellen Standorte für das ICE-Werk ablehnen, von denen neben Feucht auch Wendelstein oder gegebenenfalls Allersberg und Harrlach betroffen wären.

In der Schlange vor dem Backhaus stehen zwei Seniorinnen. Mit Blick auf die Aktivisten in Warnwesten fragt die eine, was denn hier los sei. „Die demonstrieren gegen das ICE-Werk“, antwortet die andere. Kommt zurück: „Na wenn sie sonst nichts zu tun haben.“ Das bekommt eine andere Passantin mit, verwickelt die beiden Damen in ein Gespräch, zeigt auf einer Karte, wo das Werk gebaut werden soll und was das für den Wald am Jägersee bedeutet. Zwar hören die beiden aufmerksam zu und nicken zustimmend, am Ende aber ziehen sie die warme Bäckerei doch dem zugigen Parkplatz an der Reichswaldhalle vor.

Dort spricht wenig später Bürgermeister Jörg Kotzur über genau diese Haltung. „Ich erwarte mir von Feucht mehr Widerstand. Wir haben 14 000 Einwohner, wir müssen viel lauter werden“, fordert er vor 250, vielleicht 300 Demonstranten.

Laut Kotzur ist vielen Bürgern in der Region immer noch nicht bewusst, dass es um „ihren“ Jägersee geht, in dem sie im Sommer so gern Baden gehen. Für die Info-Veranstaltung mit der Bahn am Mittwoch, 10. November, erwarte er deshalb Unterstützer, die die Bahn „mit unseren Fragen befeuern“. Außerdem kündigt er an, jene Abgeordnete einzuladen, die Feucht und Wendelstein das ICE-Werk zuschieben wollten. „Mal schauen, ob sie sich hertrauen“, meint Kotzur kämpferisch.

„Wenn man das Werk verkleinert, eröffnen sich neue Standorte“

Hauptredner am Samstagvormittag ist Richard Mergner, Vorsitzender des Bund Naturschutz (BN) in Bayern. Er kritisiert die Deutsche Bahn scharf für deren Flächenmanagement und die laufende Standortsuche. „Über Jahre hinweg hat die Bahn eigene Flächen teuer verkauft und will jetzt billig Wälder und Äcker kaufen, dagegen müssen wir uns wehren“, sagt Mergner. Wer so plane und mit Bürgern umgehe, der habe es nicht verdient, „unsere Bahn zu repräsentieren“, meint Mergner, der nicht nur den BN vertritt, sondern als stellvertretender Vorsitzender auch die Allianz Pro Schiene.

Kämpferisch: BN-Landesvorsitzender Richard Mergner.

Kämpferisch: BN-Landesvorsitzender Richard Mergner. © Christian Geist

Von Bahnchef Richard Lutz fordert er deshalb, die Pläne zu kassieren, das Raumordnungsverfahren nicht einzuleiten und die Standortsuche neu aufzurollen. „Wenn man das Werk verkleinert – und das kann man –, dann eröffnen sich neue Standorte“, meint Mergner.

Über solche hatten vor ihm schon die Schwabacher Landtagsabgeordnete Sabine Weigand und BN-Kreissprecher Dr. Herbert Barthel gesprochen. Sie forderten von der Bahn, den Bannwald nicht anzutasten und stattdessen auf Industriebrachen und versiegelte Flächen weiter südlich von Nürnberg auszuweichen.

Mergner wendet sich dann noch an Ministerpräsident Markus Söder, der vor Kameras ja so gern Bäume umarme. „Hier und heute geht ein klares Signal aus: Belasse es nicht beim Umarmen, setze Dich auch tatsächlich für den Wald ein!“ Der oberste bayerische Naturschützer geht auch hart mit weiteren Politikern der CSU ins Gericht, beispielsweise den Verkehrsministern von Ramsauer bis Scheuer, die „die Bahn kaputtgespart haben“.

„Wir werden gewinnen, davon bin ich überzeugt“

Doch er appelliert an alle, die Politik nicht zu verdammen, sondern sich weiter einzubringen. „Auf die da oben zu schimpfen und selbst nichts zu unternehmen, das geht gar nicht“, sagt Mergner und beendet seine Rede mit einer Kampfansage und Optimismus: „Wir stellen uns ihnen in den Weg. Und wir werden gewinnen. Davon bin ich überzeugt!“

Weniger differenziert tritt da Hubert Galozy für das Aktionsbündnis der Trassengegner an der Reichswaldhalle auf. Freilich spricht er zunächst einmal über die Jura-Leitung und deren Gefahr für den Reichs- und Bannwald. Doch immer wieder schimpft Galozy auf „die Politiker“, auf „die Politik“.

Mit Blick auf Bundestagswahl und Koalitionsgespräche fallen Sätze wie: „Denen allen geht der Profit der Konzerne vor der Gesundheit der Menschen, und das ist schändlich.“ Die Politik sei tatenlos, Korruption gang und gäbe etc. Dass Galozy selbst politisch aktiv ist, in Leinburg Bürgermeister werden wollte und nun die Freien Wähler im Gemeinderat vertritt, dazu sagt er nichts. Nach dem Ende der Reden bilden die Teilnehmer der Kundgebung eine Menschenkette, die sich über Pfinzingstraße und Brauhausgasse zurück zur Halle zieht. „Wir sind hier, wir sind laut, weil die Bahn den Wald uns klaut“, hallt es minutenlang durch den Feuchter Ortskern.