Verkauft der Konzern seine Großmotoren-Sparte?

Ausgliederung geplant: Sorge bei Siemens-Mitarbeitern in Nürnberg und Erlangen

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Erik Stecher

Redaktion Politik und Wirtschaft

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18.10.2021, 17:54 Uhr
Ein Schild weist den Weg zum Siemens-Standort in der Vogelweiherstraße in Nürnberg. Die Mitarbeiter der Großmotoren-Sparte fragen sich, wie lange der Firmenname für sie noch gilt.

Ein Schild weist den Weg zum Siemens-Standort in der Vogelweiherstraße in Nürnberg. Die Mitarbeiter der Großmotoren-Sparte fragen sich, wie lange der Firmenname für sie noch gilt. © Daniel Karmann, NNZ

Die Ausgliederung betrifft laut Betriebsrat bis zu 850 Beschäftigte am Hauptstandort Nürnberg/Vogelweiherstraße sowie rund 350 Mitarbeiter in Erlangen, insgesamt mindestens 2200 Mitarbeiter in ganz Deutschland - und weitere 4800 Beschäftigte in Tschechien, den USA und China.

Für Konfliktstoff dürfte unter anderem die Frage sorgen, was es mit einer Mitarbeiterliste auf sich hat, die der Arbeitgeber dem Vernehmen nach erstellt hat: Es soll im Nürnberger Siemens-Werk geplant sein, rund ein Drittel der Mitarbeiter aus verschiedenen Sparten jetzt noch dem Bereich Large Drives Applications (LDA) zuzuweisen, bevor dieser dann ausgegliedert wird. Davon berichtet Roland Wehrer, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Nürnberg. Hauptprodukt des Bereichs LDA sind große Motoren für den Bergbau sowie für die Chemie-, Öl- und Gasindustrie.

Während der Betriebsrat über die Ausgliederungspläne bestürzt ist, klingt die Botschaft offiziell ausgesprochen positiv: „Wir wollen dem Geschäft zusätzliche Eigenständigkeit und unternehmerische Freiheiten geben, damit es sich noch besser auf seine Märkte und Kunden fokussieren kann“, so ein Konzernsprecher. Ob der Bereich LDA mit diesem Schritt für einen Verkauf vorbereitet wird, wollte er nicht kommentieren.

"Das Siemens-Schild wird wohl nicht bleiben"

Teilnehmer einer Betriebsversammlung am vergangenen Mittwoch berichten, dass eine Aussage in dieser Richtung gefallen sei: „Das Thema Käufer steht im Raum“, habe es von Arbeitgeberseite geheißen. Wehrer zufolge fiel auch eine Aussage, dass das Siemens-Schild für diesen Bereich wohl nicht mehr viele Jahre bleiben werde.

Auch der Betriebsrat befürchtet einen Verkauf: „Wenn eine neue Rechtsform kommt, dann läuft es am Ende meist darauf hinaus, dass ein Käufer gesucht wird.“ Damit gibt es auch wieder Sorgen um Arbeitsplätze. Und das, wo es nach schwierigen Zeiten gerade wieder richtig gut läuft. Insbesondere das Werk in der Vogelweiherstraße, wo rund die Hälfte der 1800 Beschäftigten im Bereich LDA arbeitet, hat bewegte Zeiten hinter sich.

Erst im März hatten sich Siemens, IG Metall und Betriebsrat auf einen Sozialplan geeinigt. Der geplante Abbau von 373 Stellen wurde auf 265 Stellen verringert. Neben der Zusage eines sozialverträglichen Stellenabbaus wurden Weiterbildungsmaßnahmen und erhebliche Investitionen in den Standort zugesagt. Nun ist es fraglich, wie viel von diesen Zusagen übrig bleibt.

Das ist für die Belegschaft besonders frustrierend angesichts der jüngsten Erfolge bei den großen Antriebsmotoren und Umrichtern für Pumpen: Da ist Siemens Weltmarktführer. Der Markt galt zwar bis vor kurzem als schwierig, erlebt aber derzeit einen Boom, die Auftragsbücher sind voll. Wehrer macht sich nun allerdings schon Sorgen um den gesamten Standort: „Wenn LDA verkauft wird, was wird dann aus dem Rest von Siemens in Nürnberg?“

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