Bei Angolas Aufbau mit Herz und Hand dabei

26.1.2010, 00:00 Uhr
Helmut P. Gauff genießt das Vertrauen der angolanischen Regierung: In ihrem Auftrag kontrollieren er und sein Team, dass die Chinesen bei der Ausführung der milliardenschweren Infrastrukturprojekte gute Arbeit leisten.

Helmut P. Gauff genießt das Vertrauen der angolanischen Regierung: In ihrem Auftrag kontrollieren er und sein Team, dass die Chinesen bei der Ausführung der milliardenschweren Infrastrukturprojekte gute Arbeit leisten. © privat

Zehn, 20 Angestellte, mehr nicht. Das versprach Helmut P. Gauff seiner Frau, als er 1958 beim Wasserwirtschaftsamt kündigte, um sich mit einem Ingenieurbüro selbstständig zu machen. An sein Wort hat er sich nicht ganz gehalten: Heute ist der 78-jährige Chef von rund 800 Mitarbeitern, die seit Firmengründung Projekte in über 90 Ländern der Welt betreut haben und in Büros von Nürnberg, bis Kabul und Ouagadougou in Burkina Fasu sitzen.

«Bei jungen Ingenieuren vermisse ich oft die Neugier, auch mal unausgetretene Pfade beschreiten zu wollen», sagt Gauff. Er habe nie bereut, dass er sich in seiner Arbeit nicht auf Franken beschränkt, sondern sich auch um Aufträge aus Regionen bemüht hat, von welchen andere nur vage Vorstellungen haben.

Mit Maden im Dschungel

Während sein Unternehmen zur heutigen Gauff-Gruppe heranwuchs, waren er und seine Leute in den 70er und 80er Jahren zum Beispiel mit Planung und Bau einer der größten Eisenbahnstrecken Afrikas, der Transgabunaise-Strecke, betraut, zeichneten verantwortlich für die Wasserversorgung der neuen nigerianischen Hauptstadt Abuja und bauten im Auftrag der kenianischen Regierung die mit 390 Metern Spannweite damals längste Stahlbetonbrücke Afrikas.

Freilich sei das oft Pionierarbeit und die Herausforderungen längst nicht nur technischer Natur gewesen. Doch Gauff ließ sich davon nicht schrecken. Fehlte es an Infrastruktur und selbst primitivsten Wegen, schlug er an der Seite der Einheimischen eine Schneise durch den Dschungel, quartierten sich Maden unter seiner Haut ein, rückte er ihnen mit einer selbstgebauten Bambus-Pinzette auf den Leib. Diese Abenteuerlust, die man dem weißhaarigen Mann mit den sanften blauen Augen kaum ansieht, hat er an seine vier, allesamt im Familienunternehmen tätigen Söhne, weitergegeben.

«Stagnation ist der Tod»

«Ich wollte nie der typische Bordsteinverrücker sein, der in Deutschland nur erhaltend tätig ist», sagt Sohn Uwe, der als Geschäftsführer der Nürnberger Abteilung «Gauff Engineering» vorwiegend für Projekte in Gabun und Angola zuständig ist. «Erschaffen, nicht nur erhalten ist dort unsere Aufgabe.» Stagnation sei der Tod, erklärt der 52-Jährige und aus seinen Plänen, neue Märkte wie Venezuela oder Uganda zu erschließen, spricht Tatendrang.

Die Worte seines Vaters, der auf über 50 Jahre Selbstständigkeit zurückblickt, dominiert noch etwas anderes: Die tiefe Liebe zu «seinem Afrika». Die Weiten, das Grün, die Menschen - wenn der gebürtige Nürnberger davon zu erzählen beginnt, vergisst sein Gegenüber fast den taffen Unternehmer, der sich einen Namen gemacht hat, besonders bei afrikanischen Staatsoberhäuptern.

Auf den gerahmten Fotoaufnahmen in seinem Büro schütteln ihm Präsidenten die Hand, rauchen Premiers an seiner Seite Zigarren, lächeln hochrangige Minister neben ihm in die Kamera. Von dem Vertrauen, das zum Beispiel Angolas Regierung in den «Häuptling aus Franken» – so titelte einst die FAZ – hat, zeugt auch eines seiner derzeitigen Herzensprojekte.

Im Auftrag der Regierung achten er und seine Männer in der ehemaligen portugiesischen Kolonie darauf, dass die Chinesen die Afrikaner bei den milliardenschweren Infrastrukturprojekten nicht übervorteilen. Denn was vielen Europäern nicht bewusst ist: Das Land, das jahrzehntelang nur durch Bürgerkriege von sich reden gemacht hat, ist eines der ölreichsten des Schwarzen Kontinents – und China ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, es beim Aufbau zu unterstützen und sich so einen Vertrauensvorschuss zu sichern.

Als es 2005 um einen Kredit für den Wiederaufbau ging, zögerte die Regierung unter Wen Jiabao nicht. Anders als der Internationale Währungsfonds, der sein Geld an zahlreiche Bedingungen knüpfen wollte, verlangte sie nichts – außer, dass die Rückzahlung des offiziell 4,4 Milliarden US-Dollar schweren Kredits überwiegend in Öl zu leisten sei.

China war klüger als Europa

Ein kluger Schachzug - und ein Versäumnis der Europäer, urteilt Helmut P. Gauff. Und so zögert er nicht, wenn er mit Politikern wie Karl-Theodor zu Guttenberg zusammentrifft, sie auf das wirtschaftliche Potenzial hinzuweisen, welches das Land mit seinen 14 Millionen Einwohnern auch für Deutschland birgt.

Doch selbst wenn die Politik sich womöglich für ein wie auch immer geartetes Engagement in Angola entscheiden würde: Der Ingenieur betont immer wieder, dass für eine fruchtbare Zusammenarbeit niemand als vermeintlich Allwissender oder Durchreisender, sondern ausschließlich als Partner auftreten dürfe. Eine Philosophie, der er seit Jahrzehnten selbst folgt.

So ist es für Gauff und seine Söhne stets auch ein Anliegen, lokale Kräfte auszubilden und in die Arbeiten einzubinden. Fachliche Ressourcen sind gerade in den afrikanischen Staaten von ehemaligen Kolonialherren häufig bewusst klein gehalten worden oder durch Bürgerkriege schlicht verkümmert. Fachkräfte vor Ort zu schulen, halten die fränkischen Geschäftsleute daher für unerlässlich – nicht nur als Akt sozialen Engagements, sondern auch als Investition in das eigene Unternehmen.

Denn in der Regel ist es das erklärte Ziel der Gauff Ingenieure, einen Markt dauerhaft zu erschließen und sich mit einem eigenen Büro niederzulassen. Verlässliche Arbeiter, die an den Projekten mitwirken, seien hierfür unabdingbar. Eine Einstellung, die auch die Partner zu würdigen wissen.

Wahrer Reichtum hat keine Zahl

Gut die Hälfte des Jahres verbringt Gauff senior trotz seines Alters auch heute noch in Angola. Wenn er nicht in Nürnberg ist, arbeitet und lebt er dort – als reicher Mann, wie er sagt. Materielles meint der 78-Jährige damit nicht. Er habe in seinem Leben so viel erfahren und sich selbst so mannigfach ausprobieren und verwirklichen dürfen: Das sei der wahre Luxus, den sich ein Mensch erarbeiten könne, erklärt er.

Die Zeit, sich zurückzulehnen und die viel zitierten Früchte seiner Anstrengungen zu genießen, sei trotzdem noch nicht gekommen: «Würde ich jetzt aufhören, würde ich sterben. Nicht körperlich, aber doch geistig», sagt Gauff. Der nächste Flug in «sein Afrika» ist bereits gebucht.