Wirbel um vermeintliches Plagiat

Bizarrer Schlappen-Zoff: Warum sich Kanye West mit fränkischem Sport-Giganten streitet

Tobi Lang
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8.9.2022, 18:24 Uhr
Kanye West ist einer der vermögendsten und einflussreichsten Musiker derzeit. 

© Evan Agostini, dpa Kanye West ist einer der vermögendsten und einflussreichsten Musiker derzeit. 

Wenn Kanye West sich auf Instagram meldet, bedeutet das selten etwas Gutes. Nicht für ihn, nicht für sein Umfeld, im Zweifel auch nicht für die Welt. Immer wieder verschwindet der Rapper aus dem sozialen Netzwerk, um dann überraschend und laut wieder aufzutauchen. Seit mehreren Tagen liefert sich "Ye" nun eine öffentlichkeitswirksame Fehde mit Adidas. Es ist der erste Bruch in einer Geschäftsbeziehung, die lange Zeit nach der großen Liebe aussah.

Seit 2015 kooperiert der fränkische Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach mit West. Millionen Sneaker wurden seitdem unter der Marke "Yeezy" verkauft, darunter der teuerste Sportschuh der Geschichte, der 2021 für satte 1,8 Millionen Dollar über das Auktionshaus Sotheby's versteigert wurde. Jahr für Jahr setzt "Yeezy" fast zwei Milliarden um, berichten mehrere Medien - allein 2020 soll der Rapper fast 200 Millionen Dollar an Lizenzgebühren mitverdient haben. Kommentieren wollen beide Seiten die Zahlen nicht, dass die Geschäfte lukrativ sind, bestreitet aber auch keiner.

"Dieser Schuh ist ein gefälschter Yeezy"

Doch dann kam der bizarre Instagram-Zwist. Kanye wirft Adidas vor, seine Designs zu kopieren. Konkret geht es um die neuen "Adiletten 22", die - findet zumindest der Rapper - ein Plagiat seiner "Slides" seien. "Diese Schuhe repräsentieren die Respektlosigkeit, die Menschen an der Macht gegenüber dem Talent haben", schrieb er bereits im Juni auf Instagram. "Dieser Schuh ist ein gefälschter Yeezy, der von Adidas selbst hergestellt wurde.”

Gelöst hat sich seitdem offenbar nichts. Kanye West will Adidas nun verklagen - soweit so fair. Seit Wochen bombardiert Kanye jedoch den fränkischen Sportartikel-Giganten mit hasserfüllten Nachrichten. Erst vor wenigen Tagen postete der Musiker Fotos des gesamten Aufsichtsrates und ging das Unternehmen scharf an - und zwar so explizit, dass Instagram eingriff und die Posts löschte. Zuvor veröffentlichte der Rapper eine vermeintliche Todesanzeige, gerichtet an Noch-Konzernchef Kasper Rorsted.

"Welche Schuhfirma gibt mir die Kontrolle?"

Adidas, sonst eher um Diskretion bemüht, ist der Zwist sichtlich unangenehm. "Wir kommentieren das aktuell grundsätzlich nicht", heißt es auf Nachfrage aus Herzogenaurach.

Noch läuft der Vertrag zwischen Kanye West und Adidas bis 2026. Tatsächlich hört sich der Rapper aber unverblümt nach Alternativen um - natürlich öffentlich über Instagram. "Welche Schuhfirma will mir die Kontrolle geben?", fragte er in dem sozialen Netzwerk. "Ich muss Vorsitzender des Aufsichtsrates und der Chefentscheider sein."

Dazu postete "Ye" etwa Auszüge aus seinen Verträgen mit einer Klausel, die in Herzogenaurach für Aufregung sorgen dürfte: “Es gibt eine begrenzte Ausnahme, bei der er (Kanye West, Anmerkung der Redaktion) Freizeit- und Lifestyle-Bekleidung der Marke 'Yeezy' herstellen kann, aber nicht mit einem Konkurrenten.”