Einzigartiges Bündnis „hat die Region vorangebracht“

8.11.2003, 00:00 Uhr
An einem Strang ziehen wie auf diesem Bild von 1995 — das waren und sind die Ziele des Wirtschaftsforums. Damals zogen (in ihrer damaligen Funktion v.l.n.r.): Utz-Ingo Küpper (Wirtschaftsreferent Nürnberg), Carlhanns Damm (AEG Hausgeräte), der damalige Erlanger Wirtschaftsreferent Siegfried Balleis, Bernd Rödl (Wirtschaftsberatung), Mittelstands-Vertreter Alexander Brochier und Nürnbergs IG-Metall-Chef Gerd Lobodda.

© Archiv An einem Strang ziehen wie auf diesem Bild von 1995 — das waren und sind die Ziele des Wirtschaftsforums. Damals zogen (in ihrer damaligen Funktion v.l.n.r.): Utz-Ingo Küpper (Wirtschaftsreferent Nürnberg), Carlhanns Damm (AEG Hausgeräte), der damalige Erlanger Wirtschaftsreferent Siegfried Balleis, Bernd Rödl (Wirtschaftsberatung), Mittelstands-Vertreter Alexander Brochier und Nürnbergs IG-Metall-Chef Gerd Lobodda.

Das nächste Ziel geben IHK-Präsident Hans-Peter Schmidt und der Sprecher des Forums, Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis, klar vor: Der Ballungsraum soll den Status einer Metropolregion in Europa erhalten. Kein leichtes Unterfangen, denn neben dem fränkischen Wirtschaftszentrum bewerben sich auch andere Regionen um den imageträchtigen Status.

Doch es wäre nicht die erste Herausforderung, die das Forum bewältigt. Das Gremium, in dem Unternehmer, Gewerkschafter, Kammern, Kommunen und Hochschuleinrichtungen an einem Strang ziehen, hat in dem Bemühen, wichtige Entscheidungen und Entwicklungen mit Zustimmung aller Beteiligten umzusetzen, auch über die Grenzen der Region hinaus Ge-schichte geschrieben. Als auf Bundes und Landesebene noch mühsam Bündnisse für Arbeit geschmiedet wurden, saßen die unterschiedlichsten Interessengruppen in Nürnberg, Fürth, Erlangen oder Schwabach längst an einem Tisch, um gemeinsame Lösungen der anstehenden Arbeitsmarktprobleme zu finden.

Die „Nürnberger Initiative für die Kommunikationswirtschaft (NIK)“ oder auch die Verkehrsinitiative „Neuer Adler“ sind quicklebendige Kinder dieses Wirtschaftsforums. Es wurden Ausbildungsinitiativen gestartet. Und gemeinsam haben die Beteiligten festgelegt, welche Projekte die Region voranbringen können und welche Einrichtungen und Unternehmen mit Mitteln des Freistaates gefördert werden sollen — ein Kraftakt, galt es doch die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen.

„Die erfolgreiche Zusammenarbeit aller regionalen Kräfte in diesem Netzwerk hat die Region vorangebracht“, testierte Staatsminister Erwin Huber beim Festakt in Nürnberg. Als achtgrößter Standort der europäischen Informations- und Kommunikationsbranche und als die Nummer vier in Deutschland bei der technologische Leistungsfähigkeit zähle das Wirtschaftszentrum Nürnberg zu Deutschlands-Top-Aufsteigerregionen. Huber versicherte dem Wirtschaftsforum, dass die Staatsregierung die Bemühungen um den Aufstieg in den Rang einer europäischen Metropolregion „mit ganzer Kraft“ unterstützen werde.

Nicht immer war die Arbeit des Forums frei von Spannungen, es gab auch harte Auseinandersetzungen. So hätte der Streit um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall das Bündnis 1996 fast gesprengt. Und dann scheint das Wirtschaftsforum unabhängig von seinem jugendlichen Alter von zehn Jahren auch ein wenig in die Jahre gekommen zu sein. Herausforderungen gäbe es viele, die es zu bewältigen gilt: Gobalisierung und EU-Osterweiterung und deren Folgen für die Region nannte Nürnbergs Wirtschaftsreferent Roland Fleck als Beispiel. Doch es ist ruhiger geworden um das Wirtschaftsforum, stellen Mitglieder fest, wenn man sie außerhalb der gestrigen Festveranstaltung nach der Zukunft dieser Einrichtung fragte.

Für eine Neubelebung

Und so fordert der Nürnberger IG-Metall-Chef Gerd Lobodda eine Neubelebung. „Das Wirtschaftsforum ist nur noch Clearingstelle für unterschiedliche Meinungen. Es muss wieder zum Motor für den anhaltenden Umwandlungsprozess in der Region werden und Handlungsstrategien aufzeigen“, ist Lobodda überzeugt.

Die Frage nach den zukünftigen Aufgaben stellt auch Forumsmitglied Dirk von Vopelius von der Schuster & Walter Gruppe in Nürnberg. Seine beiden ursprünglichen Minimalerwartungen an die Einrichtung, nämlich einen Runden Tisch über ideologische Gräben, aber auch über kommunale Grenzen hinweg zu schaffen, wurden erfüllt. Doch er fragt:„Wo sind heute die Horizonte, zu denen wir aufbrechen wollen?“

Unabhängig von der Beantwortung dieser Frage steht für Godehard Neumann, dem Leiter der Forum-Geschäftsstelle, fest: Dieses Gremium hat sich auf keinen Fall überlebt, „vielmehr gehört es zu den Überlebenden“. Denn während bundesweit die meisten Bündnisse dieser Art tatsächlich längst zu Grabe getragen wurden, wird dieses Forum weiterarbeiten.