Radikaler Schritt

Erste Genossenschaftsbank in Deutschland stellt Bargeld-Versorgung ein: Das steckt dahinter

rif/min

11.10.2022, 09:11 Uhr
Die Volksbank geht jetzt einen radikalen Schritt und schließt alle Banken in Hochtaunuskreis. 

© IMAGO/Michael Gstettenbauer Die Volksbank geht jetzt einen radikalen Schritt und schließt alle Banken in Hochtaunuskreis. 

In Hochtaunus sollen bis zum 1. Dezember alle Filialen der Volksbank schließen. Die Raiffeisenbank stoppt zudem die Bargeld-Versorgung für Kundinnen und Kunden. In einem Schreiben, dass der Finanz-Szene vorliegt, heißt es: "Ein- und Auszahlungen in der Filiale (Schalter sowie Geldautomat) sind in Zukunft nicht mehr möglich."

In einem Interview mit der Finanzwebsite biallo.de äußert sich Achim Brunner, Vorstandsvorsitzender der Bank, zu der Entscheidung. Dem Bankchef nach habe diese Entwicklung schon länger angedeutet - auch viele Kunden haben mit dem Schritt gerechnet. Brunner erklärt: "Zuletzt hatten wir nur noch zwei Besucher pro Stunde. Und die Zahl der Bargeldabhebungen lag bei unter zehn pro Tag über alle Filialen hinweg. Wir haben alle Kunden angeschrieben. Es gab nur vereinzelte Reaktionen."

Mit dem gewagten Schritt nimmt die Volksbank nun Abschied von dem traditionellen Geschäftsmodell. Im Genossenschaftssektor wird dieser Umschwung wohl jedoch für einige Diskrepanzen sorgen. Nach dem Regionalprinzip sollen Volks- und Raiffeisenbanken nämlich "Geldgeschäfte nur für Menschen in ihrem Geschäftsgebiet anbieten", berichtet das Online Magazin Chip.

Laut Brunner dürfte der Abbau der Bargeldautomaten das kleinste Problem sein. Mit der Girocard könne man kostenlos bei verschiedenen Supermärkten und Drogerien Geld beim Einkaufen abheben. Bei einem bestimmten Kontomodell gebe es zudem eine kostenlose Mastercard DirectCard, mit der man 52 Mal im Jahr kostenlos Bargeld abheben könne, sagte er biallo.de.

Gründe für den Stopp der Bargeld-Versorgung

Einige Gründe sorgen für die Schließung der Filialen. So sind zum Beispiel Betriebskosten mit der sinkenden Nutzung nicht mehr vertretbar. Brunner erklärt, dass das Betreiben einer Filiale Kosten im rund sechsstelligen Bereich verursacht. "Denken Sie alleine an die Personalkosten, eine Filiale wird aufgrund des Vier-Augen-Prinzips mit mindestens zwei Mitarbeitern geführt. Dazu kommen natürlich die Sachkosten für Immobilie, Technik, Sicherheitsausstattung und so weiter", erklärt Brunner im Gespräch mit biallo.de.

Kapazitäten und Ressourcen werden aufgrund der immer weiter sinkenden Nachfrage nun umverteilt. Dadurch soll auch den Kunden ein Mehrwert geboten werden, so der Vorstandsvorsitzende gegenüber dem Magazin.

Auch das Kundenverhalten hat sich besonders in den letzten Jahren geändert, sagt Brunner. Verbraucherinnen und Verbraucher wollen keine Kontenführungskosten - eine Beratung ist jedoch weiterhin erwünscht. Der Vorstandsvorsitzende erklärt, dass Beratungen jedoch nicht notwendigerweise vor Ort geschehen muss. Die Volksbank wird aus diesem Grund zunehmend digitaler.

Die Bank richtet sich neu aus. Schon länger wird von der Bank bundesweit das kostenlose OnlineOnly-Konto angeboten. "Es kommt bei den Verbrauchern gut an", so Brunner. Ebenso erfolgen Beratungen bei der Volksbank per Telefon oder in Beratungszentren. Diese Umstellung hat zur Folge, dass einzelne Filialen, wie die in Hochtaunus, den Betrieb einstellen. Viele Kunden reagierten jedoch verständnisvoll auf die Schließungen in Hochtaunus, erzählt Brunner. "Es ist nun mal der Wandel der Zeit und die Digitalisierung treibt diesen voran", erklärt er dem Magazin.

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