Heizperiode beginnt

Gasverbrauch in Deutschland steigt: Sparen die Bürger zu wenig?

Johanna Michel

Online-Redaktion

29.9.2022, 17:22 Uhr
Der bevorstehende Winter dürfte dem ein oder anderen Angst machen. Schon jetzt verbrauchen private Haushalte mehr Erdgas als in den Vorjahren.

© Jens Büttner, dpa Der bevorstehende Winter dürfte dem ein oder anderen Angst machen. Schon jetzt verbrauchen private Haushalte mehr Erdgas als in den Vorjahren.

Vielen Verbrauchern dürfte ein Blick auf die derzeitigen Gas-Preise Bauchschmerzen bereiten. Theoretisch sind die deutschen Gasspeicher voll, Entwarnung gibt es aber noch nicht. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, schätzte die Lage gegenüber dem Handelsblatt so ein, dass "wir [...] erst über einen Gasmangel Bescheid wissen [dürften], wenn er nicht mehr aufzuhalten ist", berichtet RTL. Besonders das private Heizverhalten spiele dabei eine große Rolle.

Hinzu kommt, dass eine Gesamtbilanz über alle Speicher nur wenig Aufschluss bringt. Wichtiger ist der Blick auf die Füllstände der Speicher in einzelnen Regionen. Wie eine Sprecherin der Behörde laut dem Spiegel erklärte, müsse das Gas "über die entsprechende Infrastruktur in die jeweiligen Verbraucherstellen transportiert werden." Sind die Speicher unterschiedlich gefüllt, kann das also bedeuten, dass es in manchen Regionen zu einer Gasmangellage kommt, während andere Regionen einfacher mit Erdgas versorgt werden können.

Gasbilanz besser als erwartet

Eine Gasbilanz des bisherigen Jahres sieht dem Spiegel zufolge aber besser aus, als erwartet. Zu Beginn des Jahres sei im Vergleich zum Vorjahr weniger geheizt worden. Auch im Sommer war der Erdgasverbrauch deutlich weniger als in den Vorjahren. Hinzu kommt, dass die Industrie sparte und Lieferungen von Flüssigerdgas anstiegen, wodurch die Speicher schnell gefüllt werden konnten.

Die vollen Speicher sorgen zumindest dafür, dass "wir uns Zeit erkaufen [können], uns länger auf einen Gasmangel vorzubereiten. Mehr als eineinhalb Wochen können wir beim Gasverbrauch aber nicht voraussehen", sagte Müller in dem Interview mit dem Handelsblatt weiter.

Sicherheitsplattform Gas

Ein weiteres Hilfsmittel für den Umgang mit der Gaskrise soll die Sicherheitsplattform Gas der Trading Hub Europe GmbH darstellen, die dieses seit heute, 29. September, online stellt. Müller verspricht sich hiervon "zielgerichtete und angemessene Maßnahmen im Falle der Notfallstufe [...] ergreifen" zu können und durch deren Eingreifen "bei den Industriekunden entstehende[n] volkswirtschaftliche[n] wie auch betriebswirtschaftlichen Schäden so gering wie möglich zu halten", heißt es in einer heutigen Veröffentlichung der Bundesnetzagentur.

Wie RTL berichtet, sehe Müller größere Probleme bei den Einsparbemühungen privater Haushalte, da es bei diesen bereits Mitte September "mehr Gasabflüsse gegeben" hatte, womit Müller aufgrund der dort herrschenden warmen Temperaturen und der hohen Gaspreise nicht gerechnet hatte. Besonders in dem Bereich sieht er eine erforderliche Veränderung. Nachdem die Temperaturen in den vergangenen Tagen aber weiter gesunken sind und die Menschen laut dem Spiegel vielerorts früher als sonst die Heizungen eingeschaltet haben, ist diese Veränderung fraglich.

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