Konjunktur

Handwerk in Mittelfranken: Etwas Optimismus, reichlich Probleme

14.5.2021, 07:55 Uhr
Am Bau wird schon seit Jahren kräftig in die Hände gespuckt.

Am Bau wird schon seit Jahren kräftig in die Hände gespuckt. © Stefan Hippel, NN

"Trotz Krise: Das Handwerk ist und bleibt optimistisch": Dieses Fazit zieht Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, mit Blick auf die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage seines Hauses. Demnach waren im Auftaktquartal 2021 gewerkeübergreifend 74,7 Prozent (Schlussquartal 2020: 73,1 Prozent) der Betriebe mit ihrer derzeitigen Geschäftslage zufrieden.

Hinter dieser Zahl verbergen sich allerdings große Unterschiede. Während im Baugewerbe die Zufriedenheitsquote bei 91,7 Prozent liegt, beträgt sie im Kfz-Handwerk gerade einmal 46,9 Prozent - 53,1 Prozent der Befragten sprechen von einer schlechten Lage.

Angespannte Auftragslage

"Das Kfz-Handwerk kämpft mit vielen Problemen. Nicht nur, dass der Verkauf stagniert, auch das Werkstattgeschäft im Rahmen der Geschäftswagen, die regelmäßig gewartet werden müssen, bleibt aus. Dies war bislang für viele Betriebe ein sicherer Posten in der Planung. Wegen der reduzierten Mobilität erreichen die Wagen aber einfach nicht die notwendigen Kilometer. Dies gilt auch für Privatfahrzeuge", erklärt Pirner.


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In der Sparte "Gesundheit/persönliche Dienstleistungen" herrscht ebenfalls mehr Schatten als Licht, die Auftragslage insgesamt sei "angespannt", heißt es im Konjunkturbericht. Die Öffnung von Friseursalons und Kosmetikbetrieben seit dem 1. März habe die Lage zwar etwas verbessert, aufgrund der geltenden Hygieneauflagen und verunsicherter Kunden bleibe die Stimmung aber weiterhin verhalten. "Einige Betriebe berichten von Existenzangst und blicken sehr pessimistisch in die Zukunft", so die Kammer.

"Gerade bei den Handwerken für die persönliche Dienstleistung besteht eine große Unsicherheit, was erlaubt ist und was nicht", berichtet Kammer-Hauptgeschäftsführer Elmar Forster. Die Vorgaben seien uneindeutig und würden teilweise unterschiedlich interpretiert. "Außerdem ändern sie sich so häufig, dass selbst tägliches Nachlesen fast schon zu wenig sein kann." Der Jurist fordert verständliche und verlässliche Regeln, "auf die sich unsere Mitglieder einstellen können".

"Gewinnspanne schmilzt einfach weg"

Zu den Dingen, die dem Handwerk Schwierigkeiten bereiten, gehören auch deutlich gestiegene Einkaufspreise, zum Beispiel bei Stahl und Holz. Die höheren Kosten könnten oft nicht an die Kunden weitergegeben werden. "Dadurch schmilzt die Gewinnspanne der Betriebe einfach weg", so Forster.

Was die Kammer hoffnungsfroh stimmt: Die Erwartungen zur Geschäftsentwicklung "haben sich glücklicherweise leicht verbessert". Mit 18,2 Prozent ist das Lager derer, die mit wachsendem Geschäft rechnen, zwar immer noch übersichtlich - im Vergleich zum Schlussquartal 2020 (7,4 Prozent) ist es aber spürbar gewachsen. Von einer Verschlechterung gehen 16,3 Prozent aus.

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