Made in Zirndorf: Ein Blick auf die Geschichte von Playmobil

3.3.2021, 15:03 Uhr
Auf rund drei Milliarden ist die Playmobil-Population mittlerweile angestiegen. Die 7,5 Zentimeter kleinen Spielfiguren aus Plastik bevölkern die Kinderzimmer rund um den Globus - ein rasantes Wachstum in vier Jahrzehnten. Die ersten Figuren waren Ritter, Indianer und Bauarbeiter. Seit 1976 gibt es Frauen im Sortiment, seit 1981 die zwei Zentimeter kleineren Kinder-Figuren.
1 / 25

© Daniel Karmann/dpa

Wie der Zirndorfer Playmobil-Produzent geobra Brandstätter aus einer simplen Idee ein Weltimperium erschaffen hat, das beeindruckt auch Karin Falkenberg, Leiterin des Nürnberger Spielzeugmuseums. Mit der stets freundlich dreinblickenden Kunststoff-Figur habe es das Familienunternehmen geschafft, sich aus der Menge der einst zahlreichen Spielzeughersteller in Franken abzusetzen. Geglückt ist das nicht von heute auf morgen.
2 / 25

Wie der Zirndorfer Playmobil-Produzent geobra Brandstätter aus einer simplen Idee ein Weltimperium erschaffen hat, das beeindruckt auch Karin Falkenberg, Leiterin des Nürnberger Spielzeugmuseums. Mit der stets freundlich dreinblickenden Kunststoff-Figur habe es das Familienunternehmen geschafft, sich aus der Menge der einst zahlreichen Spielzeughersteller in Franken abzusetzen. Geglückt ist das nicht von heute auf morgen. © Michael Matejka

Fast 100 Jahre hatte das Unternehmen bereits hinter sich gebracht, ehe es zum Playmobil-Höhenflug startete. 1876 machte sich Andreas Brandstätter (links) in Fürth selbständig - knapp 100 Jahre vor der Präsentation des ersten Playmobil-Männchens auf der Nürnberger Spielwarenmesse. Mit Spielwaren hatte der sechsköpfige Betrieb des gelernten Büchsenmachers und Schlossermeisters damals noch gar nichts zu tun. Andreas Brandstätter und seine Mitarbeiter stellten Beschläge und Schlösser für Schatullen her. Das änderte sich erst mit Andreas' Sohn Georg (rechts), auf den auch der spätere Namenszusatz geobra (Georg Brandstätter) zurückgeht. Er übernahm den Betrieb 1908 und zog 1926 von Fürth ins benachbarte Zirndorf.
3 / 25

Fast 100 Jahre hatte das Unternehmen bereits hinter sich gebracht, ehe es zum Playmobil-Höhenflug startete. 1876 machte sich Andreas Brandstätter (links) in Fürth selbständig - knapp 100 Jahre vor der Präsentation des ersten Playmobil-Männchens auf der Nürnberger Spielwarenmesse. Mit Spielwaren hatte der sechsköpfige Betrieb des gelernten Büchsenmachers und Schlossermeisters damals noch gar nichts zu tun. Andreas Brandstätter und seine Mitarbeiter stellten Beschläge und Schlösser für Schatullen her. Das änderte sich erst mit Andreas' Sohn Georg (rechts), auf den auch der spätere Namenszusatz geobra (Georg Brandstätter) zurückgeht. Er übernahm den Betrieb 1908 und zog 1926 von Fürth ins benachbarte Zirndorf. © geobra

Als Zweck der Gesellschaft stand im Handelsregister fortan die
4 / 25

Als Zweck der Gesellschaft stand im Handelsregister fortan die "Fabrikation von Metall- und Spielwaren sowie der Handel damit". Mit der Erweiterung der Angebotspalette auf Spielwaren habe Georg Brandstätter auf einen damals schon länger anhaltenden Trend reagiert, so Falkenberg. Ende des 19. Jahrhunderts begann der Boom der industriell gefertigten Spielwaren. Auf diesen Zug mit aufzuspringen, habe sich gerade in Franken, dem damaligen Zentrum der Spielwarenbranche, angeboten. © geobra

Und so produzierte der Betrieb fortan Registrierkassen und Waagen im Miniformat, die Kinder für ihre Kaufläden brauchten. Auch Spardosen und Spielzeugtelefone gehörten zum Sortiment, wie es die Firmenchronik des Unternehmens dokumentiert. Das Bild zeigt den Blick in eine Fertigungshalle, aufgenommen 1921.
5 / 25

© geobra

Kurz vorher, im Jahr 1952, war dem Unternehmen, das mittlerweile geobra Brandstätter hieß, ein
6 / 25

© Mark Johnston

Kaum im Unternehmen, überzeugte Horst Brandstätter seinen Onkel davon, bei der Produktion von Metall auf Kunststoff umzusteigen. Und auch bei den Produkten experimentierte er gerne in alle Richtungen. Einen besonders guten Riecher hatte Hob, wie ihn später seine Mitarbeiter nannten, bei einem Spielgerät bewiesen, das er in den USA entdeckt hatte: dem Hula-Hoop-Reifen. Dieser zog, so berichtet Museumschefin Falkenberg, alle Kreise der Gesellschaft in seinen Bann. Kein Wunder, schließlich enthalte der Reifen sämtliche Elemente, die für einen Erfolg nötig sind: Sportlichkeit, Geschick und ein bisschen Erotik.
7 / 25

© geobra

Mit Schauspielerin Cornelia Froboess (hier in einer Szene mit Peter Alexander aus dem Film
8 / 25

© Georg Göbel/dpa

Damals ebenfalls im Angebot der Zirndorfer: Rennautos und kleine Boote sowie ein Traktor, auf dem Kinder sitzen konnten (siehe Bild).  In einer Top-Ausführung gab es das Fahrzeug mit Licht, Hupe und Motorgeräusch –
9 / 25

© geobra

Doch bis dahin dauerte es noch ein wenig. 1964 begannn Horst Brandstätter - selbst einst begeisterter Traktorfahrer, wie das Bild aus Kindertagen demonstriert - erst einmal damit, Kunststoff-Sportboote, Wasserski und Öltanks zu produzieren. Auch an Plattenspielern und Sprechanlagen versuchte sich der ideenreiche Unternehmer. Ein durchschlagender Erfolg blieb dabei aus. Der stellte sich dann in den 1970er Jahren ein und war aus der Not geboren. Die Ölkrise verteuerte Kunststoff enorm und damit das Material, aus dem das Unternehmen seine Produkte fertigte. Der traditionsreiche Familienbetrieb stand mit dem Rücken zur Wand.
10 / 25

Doch bis dahin dauerte es noch ein wenig. 1964 begannn Horst Brandstätter - selbst einst begeisterter Traktorfahrer, wie das Bild aus Kindertagen demonstriert - erst einmal damit, Kunststoff-Sportboote, Wasserski und Öltanks zu produzieren. Auch an Plattenspielern und Sprechanlagen versuchte sich der ideenreiche Unternehmer. Ein durchschlagender Erfolg blieb dabei aus. Der stellte sich dann in den 1970er Jahren ein und war aus der Not geboren. Die Ölkrise verteuerte Kunststoff enorm und damit das Material, aus dem das Unternehmen seine Produkte fertigte. Der traditionsreiche Familienbetrieb stand mit dem Rücken zur Wand. © privat

Um das Unternehmen zu retten, suchte Horst Brandstätter nach einem Produkt, das wenig Material benötigt. Die Lösung präsentierte Mustermacher Hans Beck (siehe Bild).
11 / 25

© geobra

Und zwar mit seinen Playmobil-Figuren. Als das Spielgerät 1974 auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorgestellt wurde, war die Resonanz zwar noch verhalten. Außerdem stand Playmobil in seinen ersten Jahren in Konkurrenz zu den - etwas größeren - Spielfiguren Playbig des ebenfalls fränkischen Produzenten Big. (Das Foto zeigt Horst Brandstätter, links, und Hans Beck in den 1970er Jahren.)
12 / 25

© geobra

Hans Beck soll schon als Zehnjähriger kleine Figuren für seine Geschwister gebastelt haben. Der gelernte Tischler, der 1948 aus Thüringen nach Bayern floh, machte bei Geobra Karriere als Entwicklungsleiter und gilt als Vater der Playmobil-Figuren. Das Bild zeigt seine Entwürfe.
13 / 25

© geobra

Playmobil kam auf dem Markt gut an - immer mehr Figuren wurden kreiert. War die Auswahl anfangs auf Bauarbeiter, Ritter und Indianer reduziert, so gehören heute auch Piloten, Prinzessinnen oder Urlauber zur Playmobil-Familie...
14 / 25

© geobra

...von Tieren aller Arten, Feen und Drachen ganz zu schweigen. Der Playmobil-Welten sind von real bis fantastisch keine Grenzen gesetzt.
15 / 25

...von Tieren aller Arten, Feen und Drachen ganz zu schweigen. Der Playmobil-Welten sind von real bis fantastisch keine Grenzen gesetzt. © geobra

Jeder Figurenreihe erzählt auch ein Stück weit Gesellschaftsgeschichte.
16 / 25

© geobra

Der Erfolg der Marke kommt auch der Region zu Gute: Weil die Spielvereinigung Fürth in den 1980er Jahren finanzielle Sorgen hatte, sprang Horst Brandstätter ein und kaufte den Sportpark Ronhof. Von 1997 bis 2010 wurden die Spiele im Playmobil-Stadion ausgetragen. In dieser Zeit wurde viel Geld in die Modernisierung der Anlage gesteckt. Inzwischen heißt die Spielstätte
17 / 25

Der Erfolg der Marke kommt auch der Region zu Gute: Weil die Spielvereinigung Fürth in den 1980er Jahren finanzielle Sorgen hatte, sprang Horst Brandstätter ein und kaufte den Sportpark Ronhof. Von 1997 bis 2010 wurden die Spiele im Playmobil-Stadion ausgetragen. In dieser Zeit wurde viel Geld in die Modernisierung der Anlage gesteckt. Inzwischen heißt die Spielstätte "Stadion am Laubenweg", Grundstückseigentümer ist Conny Brandstätter, der Sohn von Horst Brandstätter. © Knut Meyer

1991 bekam Franken mit der Eröffnung des Playmobil-Funparks eine beliebte Ausflugs-Attraktion. Die Außenbereiche kamen im Jahr 2000 dazu.
18 / 25

© Günter Kögler

Horst Brandstätter wollte mit dem Freizeitpark dem Bewegungsmangel der Kinder entgegenwirken. Deshalb gibt es keine Fahrgeschäfte, sondern Spielstationen. Der Zirndorfer Funpark ist inzwischen 90.000 Quadratmeter groß; weitere Parks gibt es bei Paris, in Athen, in Palm Beach und auf Malta.
19 / 25

Horst Brandstätter wollte mit dem Freizeitpark dem Bewegungsmangel der Kinder entgegenwirken. Deshalb gibt es keine Fahrgeschäfte, sondern Spielstationen. Der Zirndorfer Funpark ist inzwischen 90.000 Quadratmeter groß; weitere Parks gibt es bei Paris, in Athen, in Palm Beach und auf Malta. © Günter B. Kögler

Damit das Unternehmen nicht ausschließlich von einer Produktgruppe abhängt, setzte Alleininhaber Brandstätter zur Jahrtausendwende auf ein zweites Standbein: Pflanzgefäße der Marke Lechuza.
20 / 25

© geobra

Zudem sorgte sich Horst Brandstätter bereits zu Lebzeiten um die Zukunft:
21 / 25

© Günter B. Kögler

Der Konzern beschäftigt weltweit rund 4600 Mitarbeiter, davon über 2400 in Deutschland. Produziert wird im mittelfränkischen Dietenhofen (Bild), im oberfränkischen Selb, auf Malta, in Spanien und in Tschechien. Mit der Marke Playmobil wurde im Kalenderjahr 2020 ein weltweiter Umsatz von 659 Mio. Euro erzielt.
22 / 25

Der Konzern beschäftigt weltweit rund 4600 Mitarbeiter, davon über 2400 in Deutschland. Produziert wird im mittelfränkischen Dietenhofen (Bild), im oberfränkischen Selb, auf Malta, in Spanien und in Tschechien. Mit der Marke Playmobil wurde im Kalenderjahr 2020 ein weltweiter Umsatz von 659 Mio. Euro erzielt. © Jim Albright

Bevor die modernen Fertigungshallen gebaut wurden, wurde auf diesem Gelände an der Fürther Straße in Zirndorf produziert.
23 / 25

© Thomas Scherer

Die Population der immer freundlichen Playmobil-Figuren wächst konstant - mehr als 3,5 Milliarden wurden seit 1974 produziert.
24 / 25

Die Population der immer freundlichen Playmobil-Figuren wächst konstant - mehr als 3,5 Milliarden wurden seit 1974 produziert. © Playmobil

In den letzten Jahren gab es nicht nur gute Nachrichten. Laut einem Bericht des
25 / 25

In den letzten Jahren gab es nicht nur gute Nachrichten. Laut einem Bericht des "Manager Magazins" sollen die Zahlen und das Betriebsklima schlecht sein. Der Konzern widerspricht vehement - und hat nun juristische Schritte gegen das Magazin eingeleitet. © David-Wolfgang Ebener/dpa