Gebührenänderung:

Privatverkäufer sind stinksauer auf Ebay

18.6.2021, 05:58 Uhr
Wer privat bei Ebay verkauft, muss sein Konto bis Anfang Juli auf die neue Zahlungsabwicklung umstellen.

Wer privat bei Ebay verkauft, muss sein Konto bis Anfang Juli auf die neue Zahlungsabwicklung umstellen. © Monika Skolimowska/dpa

"Will Ebay uns Privatverkäufer loswerden?", fragt ein User in einem der Online-Foren, in denen munter über die Gebührenänderung von Ebay diskutiert wird. Allerdings schreiben die meisten Diskutanten eher stinksauer ihre Meinung über den Anbieter des Online-Markplatzes. Worum es geht? Die Umstellung der Verkaufsbedingungen, genauer gesagt: Ebay hat seine Verkaufsprovision für Privatverkäufe geändert.

Der Verkäufer soll nun elf Prozent auf den Gesamtpreis (inklusive Versandkosten) und zusätzlich 0,35 Euro pro Bestellung bezahlen; wenn die Gesamtkosten unter zehn Euro liegen, fallen zusätzlich nur fünf Cent an. Zudem läuft mit der Umstellung, die der US-Konzern gerade jedem privaten Verkäufer wie Sauerbier anbietet, die komplette Zahlungsabwicklung nicht mehr über Drittanbieter, sondern über Ebay selbst.

Änderung zurückgenommen

Bereits vor sechs Jahren hatte Ebay schon einmal seine Gebühren erhöht; damals wurden zehn Prozent auf den Gesamtpreis (Verkaufspreis plus Versand) berechnet und die kostenlosen Auktionen auf 20 begrenzt. Knapp ein Jahr später nahm der US-Konzern diese Änderung zurück.

Einige Verkäufer hoffen auf ein ähnliches Einlenken des Konzerns und wollen laut eigenen Angaben "ihr Konto erst mal nicht umstellen und schauen, was dann passiert", heißt es etwa in vielen Beiträgen in der Ebay-Community. Die meisten User aber wollen Ebay nach 20 Jahren den Rücken kehren. Dem Konzern sei bewusst, dass die Umstellung "für viele Privatverkäufer nicht toll ist", sagt Pressesprecherin Daphne Rauch. "Aber das ist ein Teil unserer Modernisierungsstrategie, um unseren Marktplatz attraktiver zu machen. Diese wird auch nicht mehr rückgängig gemacht. Wir wollen aber keinesfalls unsere privaten Verkäufer vergraulen, sondern neue Kunden gewinnen." Wer allerdings sein Konto bis Ende Juni, Anfang Juli nicht umstelle, könne dann keine neuen Angebote mehr einstellen, ergänzt sie.

Dass sich der Verkauf vor allem von Artikeln, die nur ein paar Euro kosten, nicht mehr lohnt, wenn nun auch eine Verkaufsprovision auf den Versand fällig ist, rechnet Hermann Meier vor: Denn wenn ein Artikel drei Euro kostet und fünf Euro Versand hinzukommen, bleiben am Ende noch 2,07 Euro Erlös übrig. Meier möchte seinen Namen nicht in den Medien lesen, weil er sich schon online "über Ebay ausgekotzt hat", wie er sagt. Er verkauft seit 15 Jahren regelmäßig auf dem Online-Marktplatz.

Verschiedene Bezahloptionen

Sauer stößt ihm vor allem auf, dass die Zahlungsabwicklung über Ebay laufen muss: "Die bisher üblichen Überweisungen werden anscheinend nicht mehr akzeptiert", sagt er. Ebay-Pressefrau Rauch begründet den Schritt damit, "dass kleine Verkäufer künftig auch verschiedene Bezahlmöglichkeiten anbieten können, wie es im Internet üblich ist - ohne Gebühren an Drittanbieter zahlen zu müssen."

Auch die unübersichtliche Gestaltung der Monatsabrechnung mahnt Meier an. Er sagt: "Auf den ersten Blick kann ich gar nicht erkennen, was normale Verkaufsprovision und was die Provision auf die Versandgebühren ist. Da muss ich erst meinen Taschenrechner bemühen."

Der Verbraucherzentrale ist das Vorgehen des US-Konzerns durch etliche Beschwerden bekannt: "Wir haben aber keinen Hebel entdeckt, dagegen vorzugehen", sagt Tatjana Halm, die den Bereich Markt und Recht leitet. Ebay begehe keine Gesetzesverstöße, es stehe dem Unternehmen frei, seine Preise eigenständig zu gestalten, so die Rechtsanwältin. Laut Halm versucht Ebay, auf diese Weise zu hohe Versandgebühren - wie sie wohl einige Verkäufer ansetzten, um ihren Gewinn zu steigern - zu unterbinden. "Ich kann die Verkäufer verstehen, dass sie sich benachteiligt fühlen. Aber die Änderung ist kein Skandal, allerdings wird es leider Opfer geben", sagt sie bedauernd und meint damit die privaten Verkäufer, die sich ein anderes Portal suchen werden.

Kaum Alternativen

Auch Meier denkt über einen Wechsel nach. Doch "leider gibt es zu Ebay kaum gleichwertige Konkurrenzangebote", so der Leser unseres Medienangebots. "Andere wie hood.de oder Ebay-Kleinanzeigen haben nicht dieselbe Streubreite wie Ebay. Man kann über den Konzern schon fast von einem Monopol sprechen." Eine andere Variante sind Werbeanzeigen auf unserem Online-Marktplatz nora.nordbayern.de - deren Veröffentlichung ist zwar kostenpflichtig, dafür provisionsfrei.

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