Gute Jahresbilanz 2021, ungewisse Aussichten 2022

Schaeffler legt starke Zahlen vor, zieht aber seine Prognose wegen des Kriegs zurück

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Erik Stecher

Redaktion Politik und Wirtschaft

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8.3.2022, 15:26 Uhr
Erfolgreiche Jahresbilanz: Die Herzogenauracher sind trotz Pandemie und Lieferengpässen gut durch das Geschäftsjahr 2021 gekommen.

© Daniel Karmann, dpa Erfolgreiche Jahresbilanz: Die Herzogenauracher sind trotz Pandemie und Lieferengpässen gut durch das Geschäftsjahr 2021 gekommen.

Der Rückblick zeigt eine Achterbahnfahrt mit letztlich gutem Ausgang, der Blick in die Zukunft ein großes Fragezeichen. Der Schaeffler-Vorstand gibt daher neben starken Zahlen für das Geschäftsjahr 2021 bekannt, dass er seine Prognose für 2022 vorübergehend aussetzt.

Schon die emotionalen Worte bei der Eröffnung der Konferenz zur Jahresbilanz machen deutlich, dass diese Zeiten von großen Unsicherheiten geprägt sind. „Wir sind in Gedanken bei allen Menschen, die vom Krieg besonders betroffen sind“, sagt Vorstandschef Klaus Rosenfeld. „Keiner kann heute sagen, wie sich die Situation in der Ukraine entwickelt und welche Auswirkungen sie auf die Weltwirtschaft haben wird.“ So könne nicht abgeschätzt werden, welche Folgen der Krieg auf die Lieferketten, die Automobil- und Industrieproduktion, die Rohstoff- und Energiepreise, die Inflation und die globale Wirtschaftsentwicklung haben werde.

Umsatz wieder wie vor Corona

Das vergangene Jahr steckte bereits voller unabsehbarer Entwicklungen durch die Pandemie und die von ihr ausgelösten Lieferengpässe. Dennoch konnte Schaeffler 2021 deutliche Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis erzielen. So stiegen die Erlöse von rund 12,6 auf etwa 13,9 Milliarden Euro, das entspricht einem währungsbereinigten Plus von 9,7 Prozent. „Der Umsatz liegt bereinigt jetzt wieder auf dem Stand vor der Pandemie“, freut sich Finanzvorstand Claus Bauer.

Das den Anteilseignern des Mutterunternehmens zurechenbare Konzernergebnis betrug 756 Millionen Euro. Was sich nach einem Verlust von 428 Millionen Euro im Vorjahr durchaus sehen lassen kann. Daher will Schaeffler die Dividende verdoppeln und zahlt den Aktionären nun 50 Cent je Aktie. Die guten Zahlen der Herzogenauracher lassen die zuletzt tief gefallenen Aktien wieder steigen, nach der Präsentation ging es um 6,3 Prozent nach oben auf 5,14 Euro.

Bei den Rohstoffen hängt Schaeffler stark vom Stahl ab, insbesondere im Kerngeschäft mit Kugel- und Speziallagern. „In der Vergangenheit hat Russland Stahl geliefert, aber das können wir nicht aufrechterhalten“, sagt Rosenfeld. Auch wenn dieser Anteil ihm zufolge nur einen kleinen einstelligen Prozentsatz ausmachte, wird der Stahl nun aus anderen Regionen bezogen.

Produktion in Russland auf Sparflamme

Schaeffler hat insgesamt 174 Mitarbeiter in Russland und sechs in der Ukraine. „Nach unserem Wissen sind sie alle wohlauf“, berichtet Rosenfeld. Die Mitarbeiter sind in Vertriebsbüros sowie in einem russischen Werk tätig, das unter anderem Kupplungen für Fahrzeuge produziert. Ob die derzeit bereits reduzierte Produktion weiterhin aufrechterhalten wird, werde täglich neu überlegt. Die Belieferung von Europa nach Russland wurde gestoppt.

„Unser Risiko-Management-System ist scharf geschaltet“, versichert Rosenfeld, die Abschätzung der Kriegsfolgen wird derzeit erstellt. Ob es in der nächsten Zeit auch wieder zu Kurzarbeit kommen könnte, ist aktuell gar nicht abzuschätzen. „Die Situation ist sehr gravierend“, beurteilt der Vorstandschef die Gesamtlage. „Wir fahren auf Sicht, aber keines unserer Werke steht.“ Bei den Themen Lieferengpässe und Preiserhöhungen gibt es ihm zufolge immerhin einen guten Zusammenhalt mit den Automobilherstellern: „Das ist, wenn man das so sagen kann, eine der wenigen positiven Folgen von Corona.“

Während Schaeffler mit dem Aufbau eines Wasserstoffzentrums in Herzogenaurach die neue Technologie voranbringt, hält sich der Vorstand zurück bei der Frage, wie schnell Wasserstoff die Abhängigkeit von fossilen Energien wie Gas verringern kann: „Wir stehen bereit, aber das braucht Zeit. Wasserstoff kann eine entscheidende Rolle spielen, aber dafür ist ein breiter Schulterschluss nötig.“

Insgesamt erhofft er sich jedoch einen Zuwachs beim Geschäft mit Komponenten für erneuerbare Energien – Schaeffler baut unter anderem auch Antriebe für Windräder. Nachhaltigkeit steht klar im Fokus für die neue Ausrichtung des Unternehmens, das sich aus dem Geschäft mit Verbrennungsmotoren immer stärker zurückzieht. Die Aufträge für Produkte zum Bau von Elektroautos haben mit einem Volumen von 3,2 Milliarden Euro das Ziel deutlich übertroffen. Und Schaeffler will selbst bis 2040 klimaneutral werden.

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