Fränkischer Verband kritisiert Bürokratie

Wirtschaft fordert höheres Tempo bei der Energiewende

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Erik Stecher

Redaktion Politik und Wirtschaft

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8.12.2021, 17:02 Uhr
Der Ausbau der Windkraft kommt in Bayern kaum voran, während der Bedarf an Strom wächst.

© Harry Koerber/imago images Der Ausbau der Windkraft kommt in Bayern kaum voran, während der Bedarf an Strom wächst.

Wie verläuft die Energiewende aus Sicht der mittelfränkischen Wirtschaft? Zu diesem Thema gibt es gute, aber auch schlechte Nachrichten. Zunächst eine der positiven Zahlen aus einem Pressegespräch der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw): „2019 konnten 42,8 Prozent des mittelfränkischen Strombedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden“, berichtet Harald Hubert, Vorsitzender der vbw-Bezirksgruppe Mittelfranken. Rund 15 Prozent kommen aus Solarenergie, 14 Prozent aus Biomasse und 12 Prozent aus Windenergie: „Das sind eigentlich vorzeigbare Werte.“

Doch der Ausbau der Windkraft kommt kaum noch voran, in den vergangenen vier Jahren kamen in Mittelfranken nur zehn neue Anlagen hinzu. „Gleichzeitig gehen die konventionellen Kraftwerke vom Netz, die bisher Versorgungssicherheit garantiert haben“, mahnt Hubert. Die Ampel-Koalition strebt den Kohleausstieg bis 2030 an, in Bayern werden gerade die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet: Gundremmingen C schon jetzt zum Jahreswechsel, Isar/Ohu 2 folgt ein Jahr später. Hinzu kommt, dass der Strombedarf gewaltig steigen wird: „Denken Sie allein an die Elektromobilität oder an den geplanten Umstieg im Wärmesektor, in dem unter anderem künftig Wärmepumpen das Heizen übernehmen sollen.“

Hubert nennt beeindruckende und beunruhigende Zahlen: „Gemäß einer VBEW-Studie müssten zur Erreichung vom Klimaneutralität 2040 in Bayern in jeder Woche Freiflächen-Photovoltaik in einer Größenordnung von 160 Fußballfeldern, 1000 Photovoltaik-Anlagen auf Dächern und zwei Windenergieanlagen in Betrieb gehen.“

Das technische Potenzial ist vorhanden, betont Hubert, da bescheinigt der Energie-Atlas Bayern auch Mittelfranken sehr gute Aussichten bei der Solar- und Windenergie. Doch das Tempo ist viel zu gering. „Die 10-H-Regel beim Bau von Windrädern muss abgeschafft werden“, fordert er: Das Zehnfache der Windrad-Höhe als Abstand zur nächsten Wohnbebauung kann fast kein Standort erfüllen. „Der Ausbau der Wasserkraft muss erleichtert werden“, fordert Hubert zudem und fragt sich, warum am Happurger Stausee weiterhin Stillstand herrscht: „Das versteht in der Region kein Mensch. Vielleicht ist da mehr politischer Druck nötig.“

Bürokratische Handbremse

Grundsätzlich müssten vor allem die Genehmigungsverfahren verschlankt werden: „Wenn die bürokratische Handbremse nicht gelöst wird, kann die Energiewende nicht in Fahrt kommen.“ Immerhin sieht er dazu hoffnungsvolle Zeichen im Koalitionsvertrag der Ampel. Wichtig ist aber nicht nur der Wille in der Politik: Die Gesellschaft muss überzeugt werden und die Veränderungen mittragen. „Vielerorts wird die Energiewende durch Protest und Bürgerentscheide verschleppt“, beobachtet Hubert.

Das bestätigt Ekkehard Schwarz, Wirtschaftsreferent des Landkreises Ansbach. Dort komme der Ausbau der Erneuerbaren Energien zwar recht gut voran, nicht aber der parallel dazu erforderliche Leitungsausbau: „Sobald man Leitungen bauen will, hängen draußen „Monsterleitungen“-Plakate.“ Den Vorwurf, dass Windräder die Landschaft verschandeln würden, kann Schwarz kaum nachvollziehen: Zumindest im Tourismus sei nicht erkennbar, dass die Region an Attraktivität verlieren würde.


Der Gunzenhausener Unternehmer Axel Lüther wünscht sich von der Politik längerfristiges Denken, das über die nächste Wahl hinausgeht. Für seine energieintensive Zink-Gießerei würde er gern in eigene Solaranlagen investieren – „da bräuchten wir aber mehr Planungssicherheit.“ Die hohen Strompreise treiben die bayerische Wirtschaft um: „Hohe Besteuerung, die EEG-Umlage und steigende Netzentgelte verzerren den internationalen Wettbewerb zu unseren Ungunsten!“, ärgert sich Hubert. Und laut einer Prognose, die von der vbw beauftragt wurde, wird der reine Industriestrompreis in Deutschland bis 2030 um 50 Prozent steigen. „Ohne den Ausbau der erneuerbaren Energien würde der Anstieg aber noch größer ausfallen“, betont er.
Den Umbau des Energiesystems gebe es nicht zum Nulltarif, doch könnten die Belastungen durch kluges politisches Handeln verringert werden. Daher fordert Hubert eine Bezuschussung der Netzentgelte sowie eine Absenkung der Stromsteuer – und die einst zur Förderung des Ökostrom-Ausbaus eingeführte EEG-Umlage müsse schnellstmöglich gestrichen werden: „Auch grüner Strom ist mittlerweile wettbewerbsfähig.“
Die Dekarbonisierung der Wirtschaft bringt große Herausforderungen mit sich. Hubert sieht zugleich viele Chancen durch das Entstehen neuer Wachstumsfelder: „Wenn wir technologisch hier Maßstäbe setzen, stärkt das unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb und hilft gleichzeitig dem Klimaschutz.“

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