Wo die Herzen von Bastlern und Tüftlern höherschlagen

14.4.2010, 00:00 Uhr

© Hörath

Selten ist dieser Anblick nicht: Erwachsene Männer mit dem Spähblick eines Adlers und roten Wangen, wie sie Zehnjährige im Spielzeugladen haben, die durch die Regalreihen schlendern. Äußerlich ganz ruhig, aber durchaus aufgewühlt im Inneren. Hier lockt ein Navigationssystem, da ein Akkuschrauber im Sonderangebot und dort gibt es ein funkgesteuertes Heizungsthermostat.

Männerherzen schlagen höher

Meistens sind es Männerherzen, deren Frequenz leicht bis schwer erhöht ist. Frauen verirren sich hingegen seltener zwischen die Regale. Wenn sie dann doch ihre besseren Hälften begleiten, dann aus einem anderen Grund: »Sie nicken den Einkauf ihres Mannes ab», sagt Peter Rost. Zum Beispiel beim neuen LCD-Fernsehgerät, bei dem die Frauen immerhin hinsichtlich der Größe und Farbe ein Wörtchen mitreden.

Glänzende Augen bekommen sie alle, wenn es ums Technikbasteln geht, ums Heimwerken und Installieren. Der Orchestermusiker, der ein Lötset benötigt. Ein Ingenieur, der seinem achtjährigen Sohn ein Modellflugzeug kauft, das er dann aber gerne auch selbst mitbastelt und fliegt. Oder der 13-Jährige, der seinen Vater zum Geburtstag mit einem Digital- fotorahmen überraschen will.

Das Kompliment, das Rost am liebsten hört, ist, wenn Mitbewerber die Kunden zu ihm schicken: »Geh mal zum Conrad, der hat’s bestimmt», erzählt der stell-ertretende Filialleiter. Im Markt an der Fürther Straße vorrätig sind rund 30.000 von insgesamt rund 150.000 Produkten, allein der Hauptkatalog des Filialunternehmens umfasst mehr als 1200 Seiten.

1923 gegründet

Gegründet wurde Conrad Electronic 1923 in Berlin. Firmengründer Max Conrad setzte dabei auf das damals junge Medium Radio. Auch die Bauteile, aus denen sich die Kunden die Geräte selbst zusammenbauen konnten, waren schon im Angebot. 1936 stellte er dann den ersten Fernsehbaukasten vor.

Nach dem Krieg siedelte sich Conrad im oberpfälzischen Hirschau an, dem heutigen Hauptsitz des Unternehmens. Sein Startkapital war, so will es die Legende, ein aus Berlin mitgebrachter »Rucksack voller Drehkondensatoren». Damit bestückte Grundig 1946 seine Radiobaukästen namens »Heinzelmann» - das erste Nachkriegsradio, für das man keinen Bezugsschein benötigte.

Nürnberger Filiale älteste Zweigniederlassung

Die Nürnberger Filiale entstand bereits im November 1949 und ist damit die älteste aller Zweigniederlassungen. »Das erste Geschäft war eine größere Wohnung in der Bärenschanzstraße», sagt Rost. Verlangte der Kunde etwa Widerstände, so griff der Verkäufer beherzt in ein Bonbonglas, in dem diese bevorratet wurden. Fast 30 Jahre lang residierte die Filiale dann am Plärrer, im Jahr 1996 bezog Conrad schließlich die ehemaligen Montagehallen von Triumph Adler.

Über Umsatzzahlen schweigt sich das Unternehmen aus. Gegen die »Geiz-ist-geil»-Märkte und die zunehmende Konkurrenz aus dem Internet habe man jedoch ein Rezept: »Wir wollen die Kunden aufklären und beraten», sagt Rost.

40 Berater stehen zur Verfügung

Wo bei den Fernsehgeräten der türkische Sender zu finden sei und wie und mit welchen Geräten man die Energiekosten im Haus reduzieren kann. Wie ein Gartenhausbesitzer vorgehen sollte, wenn er eine Solarstromanlage installieren möchte oder was tun, wenn ein Computerlaie den »Einstieg sucht, um ein kleines Computernetzwerk aufzubauen». Oder was beim Modellfliegen schiefgehen kann: »Man sollte nicht gleich mit einem Düsenjet einsteigen. Segelflugzeuge sind gutmütig, sie verzeihen auch mal einen Lenkfehler.» Etwa 40 Berater arbeiten in der Nürnberger Filiale, darunter »Ehemalige von Grundig, meist Rundfunktechniker, Elektromeister und auch leidenschaftliche Hobbysegler», erklärt Rost. Jeder Mitarbeiter besuche zudem Online-Akademien und nehme an Produktlehrgängen teil.

»Stark im Kommen sind Blu-Ray-Player», so Rost. Neben der Unterhaltungselektronik deckt man die Bereiche Computer, Haustechnik, Lichtsysteme oder Werkstattausrüstung, aber auch Modellbahnen und Modellbau ab. Hinzu kommt die »Kernelektronik» - von der Meßgerätetechnik bis zu elektronischen Bauelementen.

Eine Besonderheit sind Kabel von der Rolle. »Viele Geschäfte haben nur noch abgepackte Kabel», sagt Rost. Kunden können sich die gewünschte Länge zuschneiden lassen. Und gleich mit dem Basteln loslegen.