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1. August 1964: Mutiger Streiter für seine Kirche

Oberkirchenrat Julius Schieder fand auf dem Johannisfriedhof letzte Ruhestätte - 01.08.2014 06:30 Uhr

Vor dem offenen Grab hielt Kreisdekan Dr. Giegler (ganz rechts) die Grabrede. Ihm gegenüber saßen die Frau des verstorbenen Oberkirchenrats, Wiltrud Schieder, und ihre Kinder. Neben vielen Geistlichen waren auch zahlreiche Diakonissen gekommen. © Gertrud Gerardi


Wenige Schritte vom Grabe seines verehrten Landesbischofs D. Hans Meiser auf dem Johannisfriedhof fand Oberkirchenrat D. Julius Schieder seine letzte Ruhestätte.

Pfarrer und Vikare aus ganz Mittelfranken folgten dem Sarge ihres Bruders und Mentors Oberkirchenrats D. Schieder. © Gertrud Gerardi


In seiner Grabrede würdigte Oberkirchenrat Dr. Eugen Giegler den entscheidenden Dienst, den sein Vorgänger im Amt als erster Kreisdekan des Kirchenkreises Nürnberg der Kirche in schwerster Zeit geleistet hat. Und er erinnerte an das Wort, das der Heimgegangene bei seiner letzten Ansprache in der Öffentlichkeit beim 50jährigen Jubiläum der evangelisch-lutherischen Gesamtkirchenverwaltung den Gemeinden mit auf den Weg gegeben hatte: „Seid dankbar gegen Gott.“

Dr. Giegler verlas einen von Julius Schieder selbst verfaßten Lebenslauf, in dem er die Stationen seines reichen Lebens noch einmal aufzählt – wir haben sein Leben und Wirken bereits gewürdigt – und in einer Vorahnung seines plötzlichen Todes schreibt: „Ich zitiere das Gebet meines Vaters: Mein Gott, ich bin in Christi Blut; mach´s nun mit meinem Ende gut. Etwas anderes weiß ich für mich auch nicht.“

In den Arkaden des Johannisfriedhofs saßen vor Gedenkstätten viele Männer und Frauen und hörten ergriffen die Ansprache über Lautsprecher. © Gertrud Gerardi


Nach dem ausdrücklichen Vermächtnis des verstorbenen Geistlichen wurden an seinem Grabe keine Lobeshymnen auf sein Wirken gesungen, sondern Lob und Ehr´ allein Gott gelassen. So sprach Oberkirchenrat Dr. Giegler nach Gebet und Schriftlesung über den 12. Psalm, den Schieder zur Verlesung  an seinem Grab bestimmt hatte. Der Kreisdekan zeichnete ein Bild des unermüdlichen Diener Gottes und streitbaren Kirchenmannes, dem besonders die Mission am Herzen gelegen habe.

Wie eine Bestätigung für seine Überzeugung wirkt es, daß seine Tochter Eva Caspary nach einem sechsjährigen Dienst in der Steppe Serengeti und nach einem Besuch in Nürnberg einen Tag vor dem Tod des Vaters mit ihrem Mann nach Makumira in Tanganjika abgereist war, wo er als Dozent an der Theologischen Hochschule für Ostafrika lehrt.

Vor dem offenen Grab standen Hunderte von Menschen, die von dem mannhaften Streiter für die bekennende Kirche Abschied nahmen. Weit über Hundert Geistliche, darunter die acht Dekane des Kirchenkreises, gaben dem Sarg von der Aussegnungshalle bis zum Grab das letzte Geleit.

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Oberkirchenrat Heinrich Riedel sprach für den abwesenden Landesbischof D.  Dietztelbinger – er weilt in Urlaub – ein Dankeswort der Kirchenleitung und Landeskirche. Dekan Ackermann aus Gräfenberg legte als dienstältester Dekan einen Kranz nieder. Dekan Fritz Kelber sprach für die Nürnberger Gemeinden ein Bibelwort. Auch die theologische Fakultät, deren Ehrendoktor Schieder im Jahre 1947 geworden war, ließ einen letzten Gruß niederlegen. Jeder der Sprecher hielt sich an den Wunsch des Verstorbenen und sprach ein Gebet. Viele, die nicht zu Worte kommen konnten, hatten Blumen geschickt, die nach einem letzten Choral der vereinigten Posaunenchöre den Grabhügel zierten.

Es wurde offenbar, die an dieser Beerdigung teilnahmen: mit Schieder ist ein Stück bayerische Kirchengeschichte und des Kirchenkampfes dahingegangen.

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T. V.

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